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1. Bundesliga, Saison 2010/2011, 21.08.2010

 

Hamburger SV - FC Schalke 04

2:1

Hamburg, Arena (57.000 Zuschauer, ausverkauft)

 

Die kleine Gruppe wird größer!

So, erstes Saisonspiel und alle sind heiß wie Frittenfett und obendrein noch richtig uffgeregt, ob sich da nicht einer übernimmt und die Karre mit den hübschen königsblau-weißen Rädern vollends festfährt. Um noch mal einen kleinen Blick zurückzuwerfen: Am Ende der letzten Saison landete der kleine Arbeiterverein auf einem sensationellen zweiten Tabellenplatz. Unser Top-Stürmer verließ uns freiwillig, für den musste Ersatz her. Ein zusätzlicher „echter“ Spielmacher wäre eine sinnvolle Ergänzung gewesen und schon hätte man eine schlagkräftige und eingespielte Truppe für die neue Spielzeit beisammen gehabt. Mit ein paar Kaderleichen weniger hätte man sogar noch die Gehaltskosten senken können. Im Prinzip fing es eigentlich noch ganz gut an (Asamoah nach St. Pauli, Holtby, Moravek und Zambrano zum Reifen nach Mainz bzw. Kaiserslautern bzw. St. Pauli ausgeliehen, Ze Roberto und Großmüller weg) und endete in einem Desaster, da mit Westermann, Bordon und Rafinha alle defensiven Führungsspieler den Verein verließen. Betrachtet man jede Personalie einzeln, durchaus sinnvoll, aber eben nicht alle auf einen Schlag, zumal der verpflichtete Ersatz zwar langfristig Potential (Escudero, Papadopoulos) haben wird, aber die, die erst mal richten müssen (Uchida und der Bankdrücker aus Madrid) dazu wahrscheinlich gar nicht in der Lage sein werden. Die Panikkäufe Sarpei und Plestan runden das desolate Bild ab. Im Mittelfeld stehen offiziell 12 (!) Spieler, davon allerdings keiner der auch nur ansatzweise nach echtem „10er“ riecht. Bliebt zu hoffen, dass die nicht gerade billigen Stürmer schnellstmöglich einschlagen werden. Der Torwart kann auch nicht alles richten.

Aber als ob es nicht genug mit dem Kader zu tun gäbe, machte der Kaiser von Schalke mitten in der Vorbereitung das nächste Fass auf und sägte den Fanbeauftragten mit fadenscheinigen Begründungen ab. Meiner Meinung nach handelte es sich dabei einzig um ein ganz übles Nachtreten, da die von F. M. gewünschte Satzungsänderung nach mehr finanziellen Handlungsspielraum für den Vorstand auf der Mitgliederversammlung abgelehnt wurde. F. M. vermutete wohl, dass eine einzige Person Stimmung zur Ablehnung dieser Änderung gemacht hatte. Dass es sich dabei in Wirklichkeit um ganz schlechte Kommunikation handelte, will heute keiner wissen. Der Verein verschickt Empfehlungen für drittklassige Möbelhäuser oder überteuerte Bezahlfernsehangebote an seine Mitglieder, unterlässt aber den notwendigen Informationsfluss bei derlei wichtigen Dingen. Hier wird ein Keil in die Fanszene getrieben die sich in Hamburg tief gespalten präsentierte. Auf der einen Seite die, die F. M. blind vertrauen und zu bedenken gaben, dass wir nur so eine echte Chance auf die Meisterschale haben werden. Und auf der anderen Seite die „kleine Gruppe“, für die Erfolg eben nicht alles ist und sich für „Demokratie und Nachhaltigkeit“ einsetzen.

Diskussionswürdige Spielertransfers, Erhöhung der Eintrittspreise und Einmischung in die Fankultur des Vereins – spätestens beim letzten Punkt muss die rote Karte gezückt werden. Das gelang in Hamburg zumindest in Ansätzen. Diejenigen denen es um die Nachhaltigkeit ging zogen sich die vor der UGE angefertigten und vom SFCV verteilten Shirts mit der Aufschrift „kleinen Gruppe“ über.

Fußball gespielt wurde an diesem Abend ja auch noch und das noch schlecht: Die Königsblauen brachten offensiv so gut wie gar nix zustande, während der HSV nicht viel besser, aber effektiver war. Der HSV war defensiv schwach besetzt, während die Knappen auf derlei taktischen Schnickschnack komplett verzichteten. Der Chinese war auf seiner Seite hoffnungslos überfordert und die eigentlich absichernde Innenverteidigung immer einen Schritt zu spät. Der einzig echte Verteidiger Höwedes wurde leider zu früh vom Schiedsrichter des Feldes verwiesen und so konnte auch unser Supertorwart die einschlagenden Bomben nicht mehr entschärfen. Einziger Lichtblick war der überraschende Ausgleich von Farfan durch eine Standardsituation (!). Hat letzte Saison so schön oft geklappt, aber da standen ja noch ganz andere Akteure auf dem Platz. Auch an einer kleinen Choreo sollte es in Hamburg nicht mangeln. Im Unterrang (Gästesteher) gab es einen Boxring zu bestaunen, wo der Schalker Faustkämpfer dem Kontrahenten der DFL die Fresse polierte. Im Oberrang wurden viele bunten Pappen mit allerlei lustigen und ernst gemeinten Sprüchen präsentiert. Die Stimmung war zwar nicht so pralle wie im letzten Jahr, aber gemessen am Spiel und der derzeitigen unbefriedigenden Situation ganz ok. Auf Hamburger Seite wusste vor allem der obere Eckblock gut zu gefallen, der mit dem Spruchband „ Meine Gedanken, mein Herz, meine Seele, mein Block!“, unterlegt von Luftballons und einheitlichen T-Shirts, zu bewundern war. Der anschließende Support war mehr als ordentlich.

Tore: 1:0 (46. Min.) van Nistelrooy (46., Rechtsschuss, Elia); 1:1 (80. Min.) Farfan, 2:1 (83. Min.) van Nistelrooy.

 
 
 
 

Tageskilometer:                             

Saisonkilometer:                    16.355 km (1.478 km Flugzeug, 3.174 km KFZ, 11.703 km Bahn) 

zum Vergleich 09/10: 59.940 km: (8.914 km Flugzeug, 24.610 km Bahn, 21.416 KFZ)