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A lyga, Saison 2010/2011, 23.07.2009

 

FK Banga Gargždai - FC Klaipeda

1:1

Gargždai, Gargždu Miesto Stadionas  (ca. 750 Zuschauer)

 

Memel

Ziemlich auf den Tag genau vor fünf Jahren war ich zuletzt im Baltikum und so kam das Tourangebot eines gewissen Herrn S. aus G. gerade recht um längst verblichene Erinnerungen wieder vorzuholen. Im Vorfeld gab es einige unüberbrückbare Kommunikationsschwierigkeiten, die sich einzig und allein um die definitive Teilnehmerzahl der Reisegruppe drehte. Erst waren wir nur zu viert, dann fünf und somit eigentlich zu viele für eine gemütliche Tour mit dem Leihwagen. Am Ende buchten wir dann doch zwei Karren um dann doch wieder zu fünft in einer Karre zu sitzen. Aber eins nach dem anderen. Am Freitagmorgen versammelten sich die Reisenden am Airport Schönefeld (das Ehepaar S. aus G., ein weiterer Patient aus dem Dunstkreis der Widerwärtigen, der Harza und ich) und sehr zu meiner Freude erblickten meine Sehorgane noch Maxi, der mit einem Kumpel eine etwas größere Tour über Litauen, Lettland, Estland, Finnland und Russland anging. Der Flug mit Ryanair für schlanke 30 Euro (inklusive Retoure) war wie üblich unspektakulär und brachte uns überpünktlich (natürlich nicht ohne die obligatorische Fanfare an Bord) nach Kaunas. Nachdem die Mietwagen in Empfang genommen waren, wurden die Reisenden auf die Fahrzeuge verteilt. Harza und ich zogen natürlich das absolute Traumlos in persona Oli B. aus H. inklusive gelbschwarzer Agitationsversuche. Von Kaunas ging es direkt nach Klaipeda mit dem Ziel sich dort erstmal schön am Strand abzulegen und am Abend die Partie in Gargzdai zu besuchen. Während es auf den ca. 200 km dort hin richtig heiß war, empfing uns das ehemaligen Memel mit deutlich kühleren Temperaturen und sehr bedecktem Himmel. Der Harza und ich hatten uns ein Hotel unweit des Bahnhofs vorgebucht, während die Sparfüchse auf das örtliche Hostel auswichen, welches aber auch nur ein paar hundert Meter von unserem Etablissement entfernt lag. Ansgar nebst Gattin zog es hingegen etwas weiter nördlich nach Palanga, wo es angeblich den schönsten Strand der Ostsee geben soll. Nachdem schließlich alle ihre Sachen verstaut hatten, gingen wir (ohne die Partylöwen aus Palanga) das Projekt Stadterkundung an. In der drittgrößten Stadt Litauens lebten bis vor 100 Jahren Deutsche und Litauer friedlich nebeneinander und gerade der Altstadt rund um den Theaterplatz sieht man dies auch noch an. Schnuckelige kleine Häuschen die mit Gassen aus Kopfsteinpflaster verbunden sind. Wir nutzten diese Atmosphäre und schoben in einem Cafe unser verspätetes Mittagessen nach. Ein erstklassiges Mahl wurde uns zu einem kleinen Preis serviert, allerdings waren die Portionen etwas mickrig. Obwohl sich der Himmel mittlerweile bedrohlich zugezogen hatte wollten wir noch die Kurische Nehrung mit unserem Besuch beglücken. Unweit der Altstadt gibt es dafür eine Fähre zur dieser Landzunge, die die Ostsee vom Kurischen Haff trennt. Der nördliche Teil gehört zu Litauen und der südliche zu Russland. Angeblich kann man dort auch mit einem Tagesvisum für umgerechnet sieben Euro über die Grenze, aber diese Angabe ist ohne Gewähr. Wir setzten mit der Personenfähre über (ca. 80 Cent für den Hin- und Rückweg) und nach einer Viertelstunde waren wir auf der anderen Seite. Um von dort an die Ostsee zu kommen muss man noch mal eine weitere Viertelstunde durch einen Kiefernwald laufen und dabei kräftig frische Luft in die Lungen pumpen. Der Strand sah sehr geil aus und war obendrein auch noch menschleer, aber kein Wunder, mittlerweile regnete es. Der Harza musste natürlich wieder mit seinen Schweißmauken die halbe Ostsee vergiften und sich dabei noch von dem Typen aus Hagen fotografieren lassen, nur um mit diesen Schmuddelbildchen seine Facebookseite zu verschandeln. Wat für’n Pärchen, die beiden Schnuckis. Im strömenden Regen traten wir dann schließlich den Rückweg an, da der Anpfiff unseres ersten Spiels frohlockte. Einer musste natürlich noch mal zum Hotel um sich umzuziehen und genau diese fünf Minuten fehlten am Ende um noch den Einlauf der Mannschaften zu sehen. 

 
 
 

Das Örtchen Gargzdai liegt etwa 20 Kilometer östlich von Klaipeda und beheimatet nicht nur den F. K. Banga Gargzdai sondern auch das größte Stadion des Landes (lt. GH-Informer, aber das ist ja auch fast so gut wie offiziell). Das Stadion besteht aus einer überdachten Haupttribüne mit ausreichend Sitzplätzen und einer unüberdachten Gegengerade die man zusätzlich mit anscheinend übrig gebliebenen Schalensitzen ausgestattet hat. Nicht der Brüller, aber ok. Der Gast an diesem Abend kam aus Klaipeda (F.K.), so dass man, wenn man den Begriff nur weit genug fasst, getrost von einem Derby sprechen konnte. Und wie es sich für ein Derby gehört waren auch Gästefans (immerhin 12) zugegen, die aber nicht mit Eisenstangen bewaffnet die Heimseite stürmte. Die erlebnisorientierten Mitfahrer kompensierten diesen für sie elementarsten Bestandteil eines Fußballspiels mit Alus (deutsch: Bier) und altem Brot in Öl und Knoblauch (sehr lecker, kriegt man im Becher). Meine Erwartungen bezüglich der Zuschauerzahlen in Litauen wurden mit den ca. 800 Anwesenden deutlich übertroffen. Von allen drei baltischen Staaten ist der Fußball in Litauen am wenigstens entwickelt. Erst vor ein paar Jahren übernahmen einige seriöse Funktionäre die Liga und die Vereine und stellten einen ordentlichen Ligabetrieb auf die Beine. Davor waren nur Schurken und Halunken am Werk und die Spiele wurden munter verschoben. Basketball ist die absolute Nr. 1 in Litauen (Europameister, Bronzemedaillengewinner bei den Olympischen Spielen) und im Fußball konnten sie allenfalls Achtungserfolge (u. a. ein 1:1 in Deutschland oder ein 1:0 Sieg gegen Schottland) feiern. Das Spiel war natürlich totaler Hafer, wurde aber dennoch von ein paar Einheimischen Fans supportet. Aber das Beste wurde bis zum Schluss aufgehoben, der Schlusspfiff. Eine Stunde später saßen wir dann verstärkt durch einen weiteren Frankfurter Ultra in einer Kneipe und ließen die Ereignisse des Tages Revue passieren. Zwei Suffies mussten übrigens frühzeitig die Segel streichen, aber wer schon auf dem Hinflug das erste Bier ordert, bricht dann zusammen wenn es am schönsten ist.

Tore: 0:1 (60. Min.) Lukosius, 1:1 (90. Min.) Gudauskas

 
 
 
 
 

Tageskilometer:                         947 km, davon 739 km Flug Berlin - Kaunas & 208 km Kfz von Kaunas nach Gargzdai

Saisonkilometer:                    2.762 km (739 km Flugzeug, 2.128 km KFZ) 

zum Vergleich 09/10: 59.940 km: (8.914 km Flugzeug, 24.610 km Bahn, 21.416 KFZ)