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1. Bundesliga, Saison 10/11, 17.07.2010

 

SV Ried - SK Sturm Graz

0:3

 Ried, Arena (4.800 Zuschauer)

 

Pyrotechnik ist kein Verbrechen!

 Ein Ort zum Atemholen am Fuße des Böhmerwaldes – das ist Ulrichsberg in Oberösterreich, der uns wie im letzten Jahr Quartier für einen kleinen Kurzurlaub bot. „Malerisch liegt der Ort […] an einen sanften Hügel geschmiegt, der sich aus dem Tal der Großen Mühl erhebt. Bemerkenswert ist die noch gut erhaltene ursprüngliche Kulturlandschaft rund um Ulrichsberg mit kleinen Bauerndörfern und schmalen Streifenfluren.“ Anders ausgedrückt hier ist der Hund begraben bzw. hängt über dem Zaun. Nachts bekommt man hier als Großstädter kein Auge zu, weil es absolut geräuschlos ist. Weder Migranten mit ihren aufgemotzten BMW’s aus deren Boxen Kirmes-Hip-hop dröhnt noch irgendwelche Suffkies, die sich halb totschlagen sorgen hier für die notwendige Geräuschkulisse um sanft wie in der Großstadt einzuschlummern. Alternativ muss man selbst zur Flasche greifen (Empfehlung: Schlägl Kristall aus der einzigen Stiftsbrauerei Österreich, ein helles Spezialbier aus kristallklarem Wasser mit ausgeglichener Hopfenbettere). Aber einfach mal so ein- zwei Tage im Garten abhängen ist auch ganz nett und als Nahausflugsziel bietet sich die ehemalige Kulturhauptstadt Linz (ca. 50 km entfernt) oder der Moldaustausee in der tschechischen Republik an. In Linz waren wir im letzten Jahr und so galt es den erst vierzig Jahre alten Stausee zu überqueren und das Städtchen Cesky Krumlov anzusteuern. Das ehemalige Böhmisch Krumau war an diesem Wochenende der Hauptveranstaltungsort für eine Art Kanumarathon und voll mit Touristen. Die Stadt ist nicht umsonst Weltkulturerbe, bietet den Besuchern aus dem In- und Umland eine fette Burg und eine frisch renovierte Innenstadt. Die Stadt diente auch dem unterhaltungsarmen Film „Hostel“ als Kulisse. Eher zufällig fiel uns auf dem Rückweg das Hinweisschild zum lokalen Sportplatz auf und neugierig wie wir nun mal sind, setzten wir diesen ebenfalls auf die Liste schützenswerter Bauten. Eine sehr alte Holztribüne fanden wir vor und obendrein erhielten wir die Info, dass morgen sogar das erste Pflichtspiel des FK Slavoj Český Krumlov stattfinden sollte. Mit dieser frohen Botschaft ging es zurück zu unserer Hütte und nachdem alle den Ausgang aus dem KFZ gefunden hatte, ging es alleine (Mike war nicht zu überreden, weil absolutes Kackstadion) weiter ins ca. 100 km entfernte Ried.

Dank der etwas knappen Zeitplanung blieb keine Zeit sich Ried im Innkreis ein wenig genauer anzuschauen. Aber laut unserer oberösterreichischen Migrantin soll es in der ca. 12.000 Einwohner zählenden Stadt auch nicht sonderlich viel zum Gucken geben. Das Aushängeschild der Stadt ist der 1912 gegründete Sportverein, der bis Anfang der 90er Jahre nur in Oberösterreich einige Erfolge feiern durfte. Nachdem der Club ein paar Jahre in der zweithöchsten Spielklasse Österreichs spielte, stieg er 1995 in die erste Liga auf. Bis 2003 hielt man die Klasse und stieg nach nur zwei Jahren in der 2. Liga wieder dorthin auf. Der größte Erfolg der Vereinsgeschichte war der Pokalgewinn im Jahre 1998 (gegen Sturm Graz) und die anschließende Teilnahme am Europapokal, wobei die Heimspiele damals noch in Linz ausgetragen werden mussten. Am ersten Spieltag gastierte mit Sturm Graz der Pokalsieger Club in Ried, der von Franco Foda trainiert wird und schon dreimal die Gruppenphase der Champions League erreichte. Unter den 4.800 Zuschauern waren ca. 500 Gästefans, die für einen ganz ordentlichen Support sorgten. Der von der Heimseite war auch nicht so schlecht, aber bis auf das seit ein paar Monaten in Österreich verbotene Abfackeln pyrotechnischen Materials, ging die Post im Gästeblock ab. Das Spiel lief für die Rieder aber auch dermaßen beschissen, dass außer dem harten Kern niemand in Feierlaune war. Bereits nach fünf Minuten köpfte Neuzugang/Heimkehrer Imre Szabics (spielte zuletzt beim FC Augsburg) zur Führung für die Grazer. Nach dem 0:2 nach etwa einer halben Stunde war das Spiel praktisch entschieden, da Ried zwar mindestens gleichwertig war, aber vor dem Tor rein gar nix zustande brachte. Richtig sehenswert war das 0:3 wieder durch Szabics in der Schlussminute, als er mit einem Hammer aus 25 Metern in den Winkel traf. Unterm Strich waren Spiel und Stimmung ganz ok, wenn nicht dieses recht öde Stadion (Marke Holland 2. Liga) gewesen wäre.

Tore: 0:1 (7. Min.) Szabics, 0:2 (32. Min.) Standfest, 0:3 (90. Min.) Szabics

 
 
 
 
 
 

Tageskilometer:                       663 km mit dem Kfz von Berlin nach Ried

Saisonkilometer:                    1.135 km (1.135 km KFZ) 

zum Vergleich 09/10: 59.940 km: (8.914 km Flugzeug, 24.610 km Bahn, 21.416 KFZ)