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Liga haAL, Saison 09/10, 22.02.2010 |
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Maccabi Tel Aviv F. C. - Hapoel Tel Aviv F. C. 2:4 Tel Aviv, Bloomfield Stadium (15.000 Zuschauer, ausverkauft) |
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Auspennen war heute nicht drin, da wir vor dem Derby in Tel Aviv die relegiösen Eiferer in Jerusalem besichtigen wollten. Normalerweise kommt man in einer Stunde dorthin, allerdings verdoppelte sich die Zeit durch den wohl alltäglichen Stau vor und in der heiligen Stadt. Wir beschränkten unseren Besuch ausschließlich auf die Altstadt, in welche man durch sieben Tore gelangt. Grob lässt sich die Altstadt in vier Sektoren unterteilen (armenische, jüdische, muslimische und christliche), wobei das muslimische am interessantsten und das jüdische Viertel am schönsten ist (rein subjektive Betrachtung). Wir liefen erst ziemlich planlos durch die ganzen verwinkelten Gässchen, wo größtenteils irgendwelche Nippeslädchen untergebracht sind und folgten anschließend der Via Dolorosa. Eine japanische Reisegruppe war gerade damit beschäftigt ein Holzkreuz durch die Gegend zu schleppen um den Leidensweg Jesus nachzustellen, der am Ende dieses Weges angeblich zu Grabe gelegt wurde. Mein streng atheistischer Gefährte kriegte natürlich gleich erstmal einen Rappel und pöbelte wild in der Weltgeschichte (wobei Sockenschuss noch eine harmlosere Beschreibung der Pilgertruppe war) rum. Später an der Klagemauer wurde seine Laune auch nicht besser, zumal wir noch ein bisschen Stress mit den Sicherheitsonkels bekamen, die ziemlich akribisch die Touristen auf mögliche Sprengstoffgürtel untersuchten. Gesehen haben muss man die Mauer mit dem darüber befindlichen Felsendom (bzw. der Al-Aqsa-Moschee) dann doch, wo zudem an diesem Tag diverse Thorarollen geweiht wurden und wir so Zeuge dieses Spektakels wurden. Nachdem wir alle wichtigen Sehenswürdigkeiten abgegrast hatten, warfen wir noch ein bisschen Schawarma ein und machten uns am späten Nachmittag auf den Rückweg gen Tel Aviv, wo wir ziemlich exakt um 18:00 Uhr den Wagen direkt neben dem Bloomfield-Stadium abstellen durften. |
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Glücklicherweise lösten sich unsere Kartenprobleme nach ein paar Minuten und so hatten wir ausreichend Zeit die ganze Szenerie von einer Art Kneipe aus, die ausschließlich vom Hapeol-Anhang frequentiert wurde, auf uns einwirken zu lassen. Nachdem man uns erst für Russen aus Kazan (nächster und finaler Europapokalgegner) hielt, lernten wir endlich die Leute kennen mit denen wir in den vergangenen Tagen per SMS und Mail Kontakt hatten. Die Ultras Hapoel gibt es schon seit über zehn Jahren und diese haben sich Antirassismus auf die Fahne geschrieben (Konsequent, da das Klubwappen einen Arbeiter mit Hammer und Sichel ziert). Freundschaften pflegen die Ultras Hapeol mit St. Pauli, einem zypriotischen Verein (vergessen wen genau) und zu Bnei Sakhnin. Zu den Fan- und Ultragruppierung von Beitar Jerusalem und Maccabi Tel Aviv wird dagegen eine besondere Feindschaft gelebt. Uns fielen neben den üblichen „Ultras Hapoel“-Shirts noch Bekleidungsstücke mit den Logos von „Hapoel Ussishkin“ auf. Auf Nachfrage bei unseren Gesprächspartnern wurde uns erklärt, dass es sich dabei um einen Basketballklub handelt, der früher einmal zum Stammverein gehörte, sich dann aber, warum auch immer (Mutmaßung: Der schnöde Mammon) abspaltete, dann von den Fans neu gegründet wurde und sich aktuell wieder in die erste Liga hocharbeitet. Wie bereits erwähnt ist Basketball neben dem Fußball der Nationalsport schlechthin und allgemein unterstützen die hiesigen Ultragruppierungen auch ihre Brüdervereine bei der Jagd nach Körben. |
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Durch die ganze Quatscherei vergaßen wir völlig die Zeit und eilten eine Viertelstunde vor Anpfiff zu unseren Plätzen auf der Haupttribüne (einziger überdachter Bereich), wobei uns bei den recht laschen Sicherheitskontrollen ein bekanntes Gesicht über den Weg lief. Der Ordner, der am Tag eins unserer Tour schon seinen Dienst in Ram Gan verrichtete. Als wir endlich den richtigen Aufgang zu unseren Plätzchen gefunden hatten eröffneten beide Seiten mit sehr gefälligen Choreo’s die Partie. Die „Gästefans“ (das Stadion dient beiden Vereinen und Bnei-Yehuda Tel-Aviv F.C. als Heimspielstätte) bekamen an diesem Abend eine komplette Hintertorseite und eine halbe Gegengerade zugewiesen. Auf dieser wurde zu Spielbeginn eine riesige Blockfahne enthüllt und von den Leuten auf der Hintertorseite mit zahlreichen rot-weißen Schwenkern unterstützt. Maccabi konterte ebenfalls mit einer Blockfahne sowie gelben und blauen Fähnchen. Dabei wurde dieses farbenfrohe Spektakel akustisch beiderseits unterlegt. Im weiteren Spielverlauf gefiel vor allen Dingen der Support von Hapoel, während der von Maccabi eher enttäuschte. Dies mag primär am für die Hausherren eher suboptimalen Spielverlauf gelegen haben. In einer unterhaltsamen, phasenweise sogar recht rasanten Partie ging Hapoel schnell in Führung, während Maccabi gute Tormöglichkeiten (u. a. einen verschossenen Elfmeter kurz vor der Halbzeitpause) ausließ. Trotz zwischenzeitlichem Anschlusstreffer war der Auswärtssieg nie wirklich in Gefahr. Sofort nach und teilweise auch schon vor dem Abpfiff leerte sich das sehr gemütliche Stadion, welches noch nicht einmal 16.000 Zuschauer fasst, mit Ausnahme der beiden Gästeblöcke, die exorbitant den Sieg feierten. Die Feier setzte sich später vor den Stadiontoren fort. Ein halbes Stündchen gaben wir uns noch den allgemeinen Überschwänglichkeiten hin, ehe wir unter das Kapitel Fußball in Israel einen Schlussstrich zogen. Aber wir kommen wieder, keine Frage! |
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Der Weg vom Stadion, welches in Jaffa liegt, bis zu unserem Hotel dauerte allenfalls ein paar Minuten und nachdem wir ein weiteres Mal unsere mittlerweile kollektiv gehasste Leihkarre unvorschriftsmäßig abgestellt hatten, ließen wir bei einem letzten Bierchen den letzten Abend bei milden Temperaturen und einer leichten Meeresbrise ausklingen. Am nächsten Morgen hieß es schließlich Abschied von unserer ranzigen Bude nehmen und die letzten Stunden nutzten wir zum Postkartenschreiben, über den Markt schlendern und schließlich die giftgrünmetallic lackierte Reisschüssel zurückgeben. Natürlich nicht ohne vorher die reichlich angesammelten Knöllchen zu entsorgen! Eigentlich könnte man diesen Bericht mit einem positiven Fazit und einem ereignislosen Rückflug beenden, aber da gab es ja noch die Trulla von der Ausreisekontrolle. Warum die jetzt so ein Theater gerade bei der Ausreise anstatt beim Einlass in den Judenstaat machen, darüber gibt es viele Theorien, mir ist aber die final schlüssige bis jetzt immer noch verborgen geblieben. Letztlich standen wir da so munter in der Schlange und warteten bis eine der zwei Damen sich die Zeit nahm uns die üblichen Fragen (wieso, weshalb, warum, alleine, Kontakt mit Arabern, hat euch jemand was mit gegeben usw.) stellte. Da ich das (oder die?) Prozedere schon kannte, konnte ich Mike einigermaßen gut instruieren und ihn flehentlich bitten einfach mal die Schnauze zu halten (wer ihn kennt, weiß, dass dies ein eher unmögliches Unterfangen ist). Während wir uns also so langsam in der Schlange nach vorne schoben, spielten wir ein bisschen Lotto und hofften, dass uns die attraktive Staatsdienerin befragen würde und nicht die Bergziege. War aber auch klar wer den Sechser mit Zusatzzahl zog: Richtig, die Hippe. Auf unfreundliche Fragen antworteten wir zunächst freundlich und meist korrekt, wobei wir galant das Motiv unserer Reise (Fußball) verschwiegen, weil man den meisten Trotteln, und Frauen schon gar nicht, ein derlei kompliziertes Hobby nicht erklären kann, verstehen die eh nicht. Nach noch nicht einmal zweieinhalb Minuten waren wir dann endlich fertig und jeder bekam einen Aufkleber mit der Ordnungsnummer zwei auf den Pass geklebt. Im Nachhinein stellte sich raus, dass eine niedrige Ordnungsnummer (also eins oder zwei) ein sehr kleines Gefährdungspotential für den Staat Israel bedeutet (Kategorie orthodoxer Jude oder Mossad-Agent). Im Weggehen fragte die Ziege dann aber Mike eher belanglos ob wir ein Notebook dabei hätten und er antwortete folgenschwer: „Yes, my notebook is in his back!“ Alarmstufe Rot, da wir vorher die gerne gehörte Story vom selbst gepackten Gepäck erzählten. Die Sicherheitsparanoide entriss uns daraufhin wieder unsere Pässe und überklebte die Stelle wo so schön eine „2“ klebte mit den Ziffern „5“ (bei mir) bzw. „6“ (Mike), was ungefähr soviel bedeutete wie Sprengstoffgürtelträger und Mahmud Ahmadinedschad. Als Konsequenz wurden unser Gepäck von links auf rechts gedreht und die Inhalte mit einem Einwegsprengstofftüchlein alles sauber gemacht. Der mit der Nr. 6 durfte anschließend noch einen Strip hinlegen, während ich das gesamte Handgepäck einzeln auspacken und erklären durfte. So vergingen die 3 ½ Stunden bis zum Start unserer Maschine fast wie Fluge und so beschließe ich den Bericht mit dem obligatorischen ereignislosen Rückflug. Echt ne geile Tour! |
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Tageskilometer: 2.879 km von Tel Aviv nach Berlin Saisonkilometer: 40.874 km KFZ (8.914 km Flug, 19.494 km Bahn, 12.466 km KFZ) zum Vergleich 08/09: 59.549 km: (16.833 km Flugzeug, 30.001 km Bahn, 12.355 KFZ, 360 km Bus) |
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