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Superettan, Saison 2009, 13.06.09

 

IFK Norrköping – Landskrona BOiS 

2:4

Norrköping, Idrottspark (2.846 Zuschauer)

 

Man will ja nicht verallgemeinern, aber für den Deutschen an sich gibt es zwei Grundsätze im Leben: a) nur viel, dat hilft und b) wenn wat nix kost, dann bitte viel! Konsequente Anwendung dieser beiden Regeln heißt zum Beispiel: Wenn ein Flug von A nach B nur einen lumpigen Euro kostet, dann bucht man eben bis zum völligen Zusammenbruch der telekommunikativen Verbindungen. Das übliche Prozedere „Erst-Spielpläne-ausbaldowern-dann-buchen“ fand somit in umgekehrter Reihenfolge statt. An diesem Wochenende sollte es zumindest nach Schweden gehen und das, obwohl deren höchste Spielklasse Allsvenskan pausierte, dafür aber die Superettan („Die Supereins“ und zweithöchste Spielklasse) einige ganz brauchbare Kicks offerierte. Die Entscheidung fiel nach der Feinplanung letztlich auf Norrköping, da sich neben dem Heimspiel von IFK gegen Lanskrona auch endlich die Gelegenheit ergeben würde der langjährigen Brieffreundschaft Joacim – heute würde man wohl eher „emailship“ sagen – ein Gesicht zu geben. Freddy 04 buchte sich kurzerhand als echte Belastung mit ein und investierte die Wahnsinnssumme von zwei Euro für die gleiche Flugstrecke. Total relaxt starteten wir am Samstagmorgen von Schönefeld und landeten 75 Minuten später mitten im Herzen der schwedischen Hauptstadt. Zumindest wenn diese Skavsta und nicht Stockholm heißen würde. Zarte 100 km trennen diese beiden Metropolen, aber das war uns herzlich egal, da wir ohnehin in das entgegensetzte Norrköping wollten. Der Bustransfer ins schwedische Manchester kostete ca. 13 Euro (ca. 70 km) und dauerte ziemlich exakt 45 Minuten. Auf den ersten Blick präsentierte sich die südschwedische Hafenstadt als sehr gemütlich, und nachdem wir uns aktiv als Fußgänger in den Straßenverkehr eingebracht hatten, fanden wir nach einer kurzen Phase der Orientierungslosigkeit unser vorgebuchtes Hotel. Dieses bestand aus kleinen Bungalows und war rein optisch betrachtet fast perfekt für unsere ziemlich hohen Lowbudgetansprüche. Es hatte allerdings den Nachteil, dass es erst um 17 Uhr öffnen sollte. Da wir noch ein paar edle Tropfen (99-Cent-Holsten-Pilsnern-Dosen) aus dem Duty-free-Shop dabei hatten und die Chancen, diese mit ins hiesige Stadion mitnehmen zu dürfen, eher gering einschätzten, hatten wir den ersten großen Konflikt auf diesem Kurztrip auszustehen. Freddy wollte das Problem eher unkonventionell mit den Worten frei Goethe „Nit lang schnacken, Kopp in Nacken“ lösen, während der Verfasser dieser unsinnigen Zeilen die Leichtmetalldosen irgendwo im Gebüsch verstecken wollte. Macht ja eigentlich auch nicht viel Sinn, die gerade in Skandinavien wertvollen Alkoholika erst quer durch halb Europa zu transportieren um dann diese innerhalb von zwei Stunden wegzuputzen und sich mit 3,5 Atü im Turm das erste Spiel zu geben. Nach einer ersten Geländebesichtigung fiel uns ein stadionähnliches Gebilde auf der anderen Straßenseite auf, und beim genauen Betrachten stellte es sich als die Heimspielstätte des Drittligisten IF Sylvia heraus. Das Stadion war, wie in Schweden meist üblich, offen und nach kurzer Sondierung der Lage, verstauten wir unsere Beutel unter der kleinen Pressetribüne. Aber der alsbald auftauchende Platzwart durchkreuzte unsere Pläne und so baten wir via modernster Kommunikationsmittel Joacim um Abholung. Alter Schwede bzw. Gamla Svenska, das sind Probleme!

Völlig unbeschwert watschelten wir nun als Trio durch Norrköpping und entspannten in einem sehr netten Cafe direkt am Motala Ström, der früher die Energie für die zahlreichen Textilfabriken lieferte und heute zum einfachen Verweilen einlädt. Nach lecker Kuchen und einem Kännchen Kaffee rückte alsbald das Hauptereignis des Tages in den Fokus des allgemeinen Interesses. Der Idrottspark liegt am Rande der Innenstadt und ist von allen Punkten der Stadt per pedes gut zu erreichen. Das Stadion beheimatet neben dem 12fachen Schwedischen Meister (zuletzt 1989) das kürzlich installierte Damenfußballteam und den IK Sleipner, der im Jahre 1938 Landesmeister wurde. Die Spielstätte gibt es schon seit 1903 und 1958 wurde anlässlich der WM 1958 die heute noch existente Haupttribüne installiert. Ende der 80er Jahre wurde die heutige Osttribüne umgebaut. Im Moment finden auch wieder Umbauarbeiten statt, und der Finanznot sei Dank bleibt die hübsche, unüberdachte Stehplatztribüne den Besuchern erhalten.

Keine 3.000 Zuschauer wollten die Partie des 12. (Nörrköping, das übrigens schon einmal im Europokal der Pokalsieger-Wettbewerb gegen den glorreichen FC Schalke 04 antreten durfte und selbstverständlich verlor) gegen den 10. der Superettan sehen. Ein Grund für diese schwache Zuschauerzahl mag vielleicht die Liveübertragung im TV gewesen sein, ein anderer sicherlich die bislang in der Saison gezeigten dürftigen Leistungen (ein Sieg, sechs Remis und vier Niederlagen). Trotz einer durchaus ausreichenden Anzahl an Toren war der Kick ziemlich niveaulos. Die Gastgeber gingen zweimal in Führung und konnten diese Vorteile nicht nutzen. So spazierten die Mannen von den Landskrona BoIS einige Male durch den recht losen und unsortierten Deckungsverband vom Idrottsföreningen Kamraterna und konnten so die Maximalausbeute an Punkten erzielen. Das freute die Gästeanhänger, während der Heimanhang (inklusive ca. zwei Dutzend Supportwilliger) ziemlich entsetzt den Nachhauseweg antrat. Gefallen hat es uns trotzdem, da Joacim uns mit den wichtigsten Informationen zum schwedischen Fußball versorgte. Die bekanntesten Fußballer vom IFK Norrköping waren Tomas Brolin, Nils Liedholm und Gunnar Nordahl. Letztere spielten in den 50er Jahren erfolgreich für den AC Milan und wurden dabei mehrfach Landesmeister und Gunnar Nordahl auch fünfmal (!!!) Torschützenkönig der Serie A.

 

Tore: 1:0 (12. Min.) Cakic, 1:1 (35. Min.) Cederqvist, 2:1 (52. Min.) Racu, 2:2 (53. Min.) Cederqvist, 2:3 (82. Min.) Persson, 2:4 (88. Min.) Zaim

 
 
 
 
 

Nach dem Spiel verweilten wir noch ein wenig in Stadionnähe, ehe es unseren schwedischen Freund zu seiner hochschwangeren Frau zog. Wir holten zunächst Versäumtes nach und füllten die Anmeldeformulare in unserem Hotel/Hostel/Jugendherberge aus. Unser Zimmer war zwar klein, dafür stilvoll eingerichtet und hatte als kleines Extra sogar den Thron inklusive. Allerdings fehlte der Schließeinrichtung eine entscheidende Funktion, nämlich das Öffnen und Verriegeln. Der anschließende Zimmertausch brachte uns den weiteren Vorteil, dass wir für die beiden Nächte den Bungalow mitsamt Küche ganz für uns hatten. Nach soviel Hektik stand als finaler Tagesordnungspunkt die Nahrungsaufnahme auf dem Programm. Zurück im Städtchen konnten wir keine vernünftige und bezahlbare Lokalität finden und so sondierten wir die Auslagen im hiesigen Supermarkt. Nachdem sämtliche Zutaten für unser Gourmetmahl „Pasta con uovo al tegamino e pomodoro“ (für alle Nichtfeinschmecker: Nudeln mit Spiegelei und Ketchup) in unseren  Einkaufskorb gewandert waren, zockelten wir zurück in unsere Herberge und setzten diese anschließend fast in Brand. Aber als wir uns endlich in die elektronischen Kniffe des E-Herdes ein gearbeitet hatten, war der Weg des Inhaltes unserer Einkaufstüte hin zum herrlich duftenden und geschmacklich interessanten Gericht nicht mehr weit. Dem Himmel sei Dank konnten wir wenigstens dank der milden Temperaturen draußen sitzen und mit den Holsten Pilschen die Geschmacksnerven wieder neutralisieren. Recht zeitig schlüpften wir unter die Deckchen und dösten den nächsten Tag herbei.

 

Tageskilometer:                 814 km: 744 km Flug Berlin - Skavsta, 70 km Bus Skavsta - Norrköpping

Saisonkilometer:          56.405 km: 14.711 km Flugzeug, 29.049 km Bahn, 12.355 km KFZ, 290 km Bus

zum Vergleich 07/08: 63.094 km: (34.822 km Flugzeug, 15.407 km KFZ, 10.895 km Bahn, 1.157 km Bus, 490 km Schiff)

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