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Regionalliga Süd, Saison 08/09, 15.08.2008

 

   

SSV Reutlingen - SSV Ulm 1846

1:2

Reutlingen, Stadion an der Kreuzeiche (5.000 Zuschauer)

 

Das (zugegeben ungewollte) Motto des Wochenendes lautete: Einmal kreuz und quer durch die Regionalligen und vom Osten ging es am Freitagmittag zunächst Richtung Süden, genauer nach Reutlingen. Da der Wetterdienst im weltweiten Datensalat hinter den graphisch sehr gelungenen Wölkchen noch ein plumpes Ausrufezeichen setzte und damit eine Unwetterwarnung signalisierte, durfte sich die Dame in der Geschäftsstelle des Reutlinger Sport- und Schwimmvereins über mein zartes Stimmchen erfreuen. Auf die Frage, ob womöglich das Spiel auf der berühmten Kippe stehen würde, antwortete die forsche Madame, ich solle nicht alles glauben was in der Zeitung steht. Wäre dies jetzt ein Comic (was er Gott sei Dank nicht ist, denn ich kann noch schlechter malen als schreiben) würde auf den bunten Bildchen ein Gedankenblase mit folgendem Inhalt zu sehen sein: „?!?“. Meine Frage wurde dann ein bisschen deutlicher und bekundete mein meteorologisches Interesse. Grund für das Missverständnis waren ein paar Schlagzeilen in den regionalen Gazetten, dazu aber später mehr.

Der ereignislosen Nonstopfahrt nach Stuttgart stand nun nix mehr im Weg und auch der leicht verspätete Regionalexpress erreichte ohne nennenswerte Zwischenfälle den Zielbahnhof. Eine mittelkurze Busfahrt vollendete die an Dramatik und Aufregung nicht zu überbietende Anreise wenige Minuten vor dem Anstoß. Auf dem Weg zum Stadion wurde noch eine Gruppe „sogenannter“ Fans (so mit Trikots und Schals am Arm) von „sogenannten“ Polizeibeamten (so mit Helm und Knüppel in der Hand) am Weiterlaufen gehindert. Wie später der lokalen Presse zu entnehmen war, sollen die ca. 50 eher minderjährigeren Sportfreunde soziale Kontakte zu den Gästen aus Ulm gesucht haben. Augenzeugen hingegen berichteten später, dass diese Gruppe eher zufällig bzw. unwissend hinter den Bussen mit Gästen herlief. Aufgrund dieser Vorfälle hat die Reutlinger Kurve nach einem ganz ordentlichen Intro auf einen Support in der ersten halben Stunde verzichtet (Achtung, meine Vermutung). Die Ulmer Kurve war allerdings auch nicht viel lauter. Zuvor durfte sich noch ein Offizieller des Heimvereins bei Gästen für ein in der lokalen Presse veröffentlichtes Bild, welches die Mannschaft hinter einem Plakat und der Aufschrift „Gruppo anti Ulm“ entschuldigen. Überflüssig, wie ich finde und meine damit den Sermon des Offiziellen. Die Reaktion des Publikums war zumindest geteilt, der sitzende Anhang klatschte, der Stehende eher nicht. Dafür rumste es nach dem Spiel noch ein bisschen und so hatten nachher alle was zum Aufregen.

5.000 Zuschauer sahen das Spiel, was ein bisschen enttäuschend war, da hatte ich doch mit ein paar mehr gerechnet. In der ersten Halbzeit gingen die Reutlinger verdient in Führung und da es von der Stimmungsfront nicht sonderlich viel zu berichten gab, war die Freude auf die Halbzeitpause groß. In der zweiten Halbzeit wurde alles viel besser, da sich der Heimanhang nun auch ins Spiel einbrachte und für einen ganz ordentlichen Support sorgte. Ganz nett war der Wechselsingsang mit dem Sport- und Schwimmverein. Ulm glich irgendwann unverdient aus und brachte die Hausherren damit voll aus dem Konzept. Fünf Minuten vor dem Abpfiff sicherte sich der SSV aus Ulm den Sieg, was natürlich auch deren Anhang freute.

Tore: 1:0 (35. Min.) Macchia, 1:1 (65. Min.) Schmid, 1:2 (85. Min.) Treske

 
 
 
 
 

Vereine:

Der SSV Reutlingen wurde am 9. Mai 1905 unter dem Namen FC Arminia 1905 gegründet und wurde zweimal (1974 und 1997) deutscher Amateurmeister. Der heutige Name entstand 1938 aus der Fusion mit dem 1. Schwimmverein 1911. Nach dem zweiten Weltkrieg spielte der SSV Reutlingen in der Oberliga Süd, in der er 1955 einen hervorragenden zweiten Platz belegte und sich damit zur Endrunde für die Deutsche Meisterschaft qualifizierte. Nach Auflösung der Oberligen (1963) fanden sich die Reutlinger in der Regionalliga Süd wieder. 1965 wurde man hinter Bayern München Zweiter, scheiterte aber in der Aufstiegsrunde zur 1. Bundesliga (wieder Zweiter hinter Borussia Mönchengladbach). Danach ging es für den SSV ab ins Amateurlager.  Der Aufstieg in die Zweite Bundesliga gelang trotz zahlreicher Teilnahmen an den Aufstiegsrunden nur zweimal - im Jahr 1975 (Abstieg nach nur einer Spielzeit) und als Meister der Regionalliga Süd im Jahr 2000. Nach drei Jahren in der zweiten Bundesliga folgte der direkte Sturz in die Oberliga, da der Verein keine Lizenz für die Regionalliga Süd bekam.

Die eigentliche Geschichte des SSV (Schwimm- und Sportverein) Ulm 1846 begann am 5. Mai 1979 als sich die beiden Vereine TSG Ulm 1846 und der 1. SSV Ulm zusammenschlossen. Fußball gespielt wurde in Ulm aber schon seit dem Jahre 1894 als beim Turnerbund Ulm (1846 gegründet) die Fußballabteilung ins Leben gerufen wurde. 1939 fusionierte man mit dem Ulmer FV (Fußballabteilung des Ulmer Privat TV), TV 1868 Ulm und der SpVgg Ulm von 1889. 1979 stiegen die Ulmer in die 2. Bundesliga Süd auf, mussten diese aber drei Jahre später wieder verlassen, weil sie die Qualifikation zur eingleisigen 2. Bundesliga knapp verpassten. Aber nur zwei Jahre später kehrten die Ulmer wieder in die Zweitklassigkeit zurück, konnten die Klasse sogar eine Saison halten, ehe es dann mit Pauken und Trompeten (letzter Platz, und 29 Spiele ohne damals noch doppelten Punktgewinn) zurück in die Oberliga ging (1985). Nach einem Jahr in dieser Liga gelang der direkte Wiederaufstieg und auch diesmal konnte man die Klasse zwei Jahre lang halten. Danach spielte der SSV Ulm 1846 bis zum Aufstieg in die Regionalliga Süd (1994)  in der Oberliga Baden-Württemberg. 1997 erfolgte der Aufstieg in die 2. Bundesliga und nur ein Jahr später in die höchste Spielklasse, aus der man sich aber nach nur einer Saison (2000) verabschieden musste. Nur ein Jahr später folgte der direkte Absturz aufgrund „finanzieller Schwierigkeiten“ in die Verbandsliga Württemberg. Seit 2002 kicken die „Spatzen“ wieder in der Oberliga.

 

Stadion:

5.000 Sitzplätze und 10.000 Stehplätze hat das Stadion der Kreuzeiche zu bieten. Letztere sind eher unspektakulär, dass heißt sie verlaufen oval um den Platz. Die Haupttribüne ist erst ein paar Jahre alt (Einweihung Januar 2003), vollständig überdacht und wirkt aufgrund ihrer Höhe etwas überproportioniert. 

 

 

 

Tageskilometer:                 836 km mit der Bahn von Berlin nach Reutlingen

Saisonkilometer:          13.123 km: 5.350 km Flugzeug, 7.197 km Bahn, 476 km KFZ, 100 km Bus

zum Vergleich 07/08: 63.094 km: (34.822 km Flugzeug, 15.407 km KFZ, 10.895 km Bahn, 1.157 km Bus, 490 km Schiff)

Grüße nach Balu und Gallendieter

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