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Champions League, Saison 07/08, 03.10.07

 

   

Rosenborg BK Trondheim - FC Schalke 04

0:2

Trondheim, Lerkendal (21.361 Zuschauer ausverkauft)

 

Manchmal muss man einen Schritt zurückgehen, um wieder zwei nach vorne zu kommen – oder anders formuliert, erst musste ich ein paar hundert Kilometer in den Süden (Prag) fahren, um von dort Richtung Norden (Trondheim) zu kommen. Diese zugegeben etwas absonderliche Streckenführung gründete sich auf rein wirtschaftliche Gesichtspunkte, denn der Flug von Berlin direkt nach Trondheim (und zurück) hätte 300 Euro vom Konto genommen und da sich auch die zusammen gefummelte Variante via London und Oslo als a) noch zu teuer und b) mit zu vielen Risiken ob der kurzen Zeiten für die Umstiege erwies, musste die Variante über Prag herhalten. 99 Euro plus 58 Euro für das „Prag-Spezial“ der deutschen Bahn kostete der Spaß. Später vor Ort in Trondheim wurden natürlich die verschiedenen Anfahrtswege diskutiert und nur die Gruppe um den Kölner kam günstiger (via Stockholm und dann zweimal 11 Stunden mit dem Mietwagen) weg. Die Reisegruppen aus Gelsenkirchen nutzten entweder den Tagesflieger (270 Euro), Individualflieger  (Düsseldorf – Oslo – Trondheim zu 240 Euro) oder Bus (zweimal 24 Stunden zu 129 Euro). Den Vogel im wahrsten Sinne des Wortes schoss allerdings die Gruppe ab, die gewöhnlich bei internationalen Spielen nationale Flughäfen meidet, denn sie musste in Summe und pro Person satte 750 Schleifen berappen, weil Rainer-Air kurzerhand den Flug von Charleroi nach London strich und die Jungs via Taxi und Linienflug von woanders nach England fliegen mussten. Das nenn ich Einsatz, meine Herren. Mein Rückflug wurde so gebucht, dass er mir noch einen dringenden und 24stündigen Aufenthalt in Oslo bescherte (dazu im nächsten Bericht mehr) und schon stand der Partie mit den Meistern, Vizemeistern, Dritt- und sogar Viertplatzierten nix mehr im Weg.

3:30 Uhr zeigte der Wecker als er tutete und kurz danach ging es mit Bus und S-Bahn einmal quer durch die Hauptstadt zum Ostbahnhof, um dort den Nachtzug nach Prag zu besteigen. Bis Dresden hatte ich das Abteil für mich und nutzte die zwei Stunden dazu noch ein wenig Schlaf nachzuholen. In Sachsen bevölkerten dann erst Tagestouristen das Abteil, hinter der Grenze kamen tschechische Arbeitnehmer hinzu. Eigentlich sollte der Zug in Prag nur am Hauptbahnhof (Praha hlavní nádraží) halten, aber glücklicherweise hielt er auch schon in Holešovice. Kurz ein paar Kronen abgehoben und gefrühstückt und schon saß ich im Bus Richtung Airport, der ein paar Kilometer westlich des Stadtzentrums liegt. 45 Kronen kostete diese Direktverbindung (ca. 1,70 Euro) und ging auch ganz fix. Da bis zum Abflug noch zwei Stunden Zeit waren, nutze ich das kostenlose Angebot zum Surfen im weltweiten Netz. Nach der reibungslosen Sicherheitskontrolle bedurfte es noch eines kurzen Zwischenstopps im zollfreien Einkaufsparadies, um günstig ein Stängchen Kippchen zu erwerben. Norwegian Air hieß die Fluggesellschaft und war so eine mit ohne kostenlosem Speis und Trank an Bord. Der Flieger war fast voll und hauptsächlich mit Norwegern (welch Wunder) besetzt und die gut 2 ½ Stunden bis zum Ziel verbrachte ich größtenteils lesend.

 

 

Der Anflug auf Trondheim (genauer Værnes, liegt ca. 35 km nördlich) war gleich das erste optische Highlight, welches wahrlich schwer zu beschreiben ist (und ich es daher auch lasse). Der Flughafen ist klein und schnuckelig und auch die Einlasskontrolle in das Land „dessen Natur ein Geschenk an die Menschheit ist“ ging zügig vonstatten, so dass ich eine Zigarettenlänge später und um 80 (diesmal norwegische) Kronen (ca. 10,50 Euro) leichter im Flughafenbus Platz nehmen durfte. Verdammt sauber in Norwegen – so der erste Gedanke. 35 Minuten dauerte die Fahrt und da der Fahrer dankenswerterweise für den deutschen Touristen die Haltstelle noch mal extra aufrief bedurfte es nur noch eines kleinen Fußmarsches zum vorgebuchten „Hotel“ Vandrerhjem, wo die Kreditkartenabrechnung einen Preis von 350 NOK (ca. 45 Euro) offenbarte. Als Gegenwert bekam ich jeglichen Schnickschnack wie Champions-League-Zuschlag, Frühstücksbuffet (*hust*), Handtuch und Bettwäsche. Die winzige Zelle galt es zu teilen mit einem Tanzschüler um die 50, einem UGEler und einem Unbekannten, den man nachts nur roch und letztlich nie zu Gesicht bekam (und er mich nicht – sozusagen ein klassisches Win-Win-Situation!). Die leidigen Aufgaben Bettbeziehen und Sachen auspacken wurden fix erledigt und danach ging es bergab in die City, die auf einer Art Insel liegt. Auf dem Weg dorthin (ca. 15 Minuten per pedes) wurde die Zeit geschickt genutzt und mir von Jörg den Weg zum allgemeinen Treffpunkt erläutern zu lassen. Der Dachverband hatte eine Kneipe angemietet bzw. die Bierpreise ausgehandelt die den typisch norwegischen Namen Three Lions trug. 47 Kronen (ca. 6,50 Euro) kostete eine Einheit entopischer Brauereikunst. Normal war das natürlich nicht, in anderen Pubs zahlte man zwischen 60 und 90 NOK. Den Stoff musste man sich natürlich erstmal verdienen und dazu diente die am Prager Flughafen erstandene Stange Fluppen. Zwei Bierchen in geselliger Runde mussten reichen für den weiteren Durst durfte der Rucksackinhalt von Matthias erhalten. Kneipe war zwar ganz gesellig, allerdings herrschte strengstes Rauchverbot und draußen vor der Schänke strengstes Alkoholverbot. Die kettenrauchenden Alkoholiker haben sich natürlich strategisch äußerst klug im Türrahmen platziert. Nach ein bisschen Smalltalk hier und da wusste man schnell wer wie wann und womit anreiste und wer noch weitere Pläne hatte. Matthias war schon seit Freitag im Land, hatte sich in gleicher Nobelherberge wie ich eingebucht und wollte auch noch morgen nach Oslo zu Valerenga. Irgendwann schlichen dann die Blauen in Groß- und Kleingruppen Richtung Stadion, so auch wir und zwar mit dem öffentlichen Nahverkehr, aber 22 NOK (fast drei Euro) für noch nicht mal 10 Minuten Fahrzeit waren alles andere als angemessen. Nun gut, zurück sind wir dann gelaufen. Das Stadion ist von außen ziemlich modern und damit nicht sonderlich attraktiv, aber man gewöhnt sich ja mittlerweile an fast alles. Die Tickets sollte es im Campingwagen vom SFCV geben, dumm nur, dass er gerade wegfuhr als wir um die Ecke bogen. Wir sahen ihm erst verzweifelt hinterher und guckten noch dämlicher aus der Wäsche, als dieser keine fünf Minuten später in unserem Rücken auftauchte. Egal, wir nahmen die ersehnten Tickets in Empfang, für die der Verein schon zwei Wochen vorher 60 Euro vom Konto abgebucht hatte. Nachdem WM-Halbfinale Deutschland gegen den Weltmeister das teuerste Spiel meiner Karriere. Die Einlasskontrolle war löblicherweise total entspannt und schon war man drin im Lerkendal, welches von innen wesentlich besser aussah als von außen. Der Gästeblock war gut gefüllt, allerdings auch nicht ganz voll, so dass schwer zu schätzen wie viele wirklich drin waren (grob geschätzt 1.000, wobei im Vorverkauf angeblich noch mal dreihundert mehr abgesetzt wurden). Vor der Partie hat es eigentlich wie immer mächtig Theater gegeben, weil ganz viele nach Trondheim wollten und eine Woche vor dem Spiel ganz viele ihre Karten wieder los werden wollten.

 

 
Spiel und Stimmung:
 

Stimmung ja, aber eher von der Heimseite die ihr Team oft und laut mit „Ruu-sen-borg“ unterstützen. Auffällig das megalange Vereinslied der Rosenborger und die beiden Spruchbänder „Chelsea 06, Schalke 58, Valencia 04 – Champions-League? „ und “1958, das wahr jo schon ewig her!“ Von den Rechtschreibfehlern mal abgesehen (ich darf ja erst recht nicht meckern) ein durchaus wahrer Satz. Der Gästeblock war nur in der ersten Halbzeit und nach den Toren der Anhang akustisch präsent. Das Spiel war ok, ich würde mal sagen: routiniert runter gespielt.

Tore: 0:1 (62. Min.) Jones, 0:2 (89. Min.) Kuranyi

 
 
 
 
 
Vereine:
 

Rosenborg Ballklub Trondheim wurde im Jahre 1917 unter dem Namen Odd gegründet und ist 20facher norwegischer Meister. 1927 erfolgte die Umbenennung in den derzeitigen Namen Rosenborg Ballklub, abgekürzt RBK. Ab 1992 feierte der Verein 13-mal nacheinander die norwegische Meisterschaft. Mit dem Spiel von heute absolvierte Rosenborg 146 Spiele (davon 118 im EC1) auf europäischer Bühne. Mit Schalke hatten sie es heute dabei erst zum dritten Mal mit einer deutschen Mannschaft zu tun. Zweimal waren die Bayern Gegner und einmal ein unbedeutender Club vergessen von wo.

Im Mai 1904 (ob es wirklich der 4. Mai war ist historisch nicht belegt) wurde der SC Westfalia 04 Schalke gegründet. Im Jahre 1912 schloss sich kurzzeitig (bis 1913) die Fußballabteilung dem TV 1877 Schalke an. 1919 erfolgte die Fusion des TV 1877 Schalke zum TuS 1877 Schalke an. Ab 1924 nannte sich die Fußballabteilung FC Schalke 04. Insgesamt sieben Mal Deutscher Meister (1934, 1935, 1937, 1939, 1940, 1942 und 1958), viermal Pokalsieger (1937, 1972, 2001 und 2002) und einmal UEFA-Cup Sieger (1997). Die ganze Geschichte ist hier zu finden.

 
Stadion:
 

Außen pfui, innen besser! Erst vor ein paar Jahren bekam das Stadion sein heutiges Gesicht und wurde mit VIP-Logen, die sich zwischen den beiden Haupträngen auf allen vier Seiten befinden, ausgestattet. Offiziell wurde das Stadion im Jahre 1947 eröffnet und in den 60er Jahren mit einer Flutlichtanlage ausgestattet.

 
 

Tageskilometer:            1.905 km (Berlin - Prag (370 km Bahn), Prag - Vaernes (1.500 km Flug) Vaernes - Trondheim (35 km Bus))

Saisonkilometer:        23.993 km (21.090 km Flugzeug,  682 km KFZ, 1.746 km Bahn, 475 km Bus)

zum Vergleich 06/07: 44.890 km (21.098 km KFZ, 15.117 km Bahn, 7.284 km Flugzeug)

Grüße an alle, insbesondere Jörg, Matthias, Olaf nebst Gattin, die Stockholmer Mietwagenbesatzung, "Sektion Hagen :) " und Mr. „scheiß auf die Kohle, ich penn im Radison!“

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