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Primera Division, Saison 07/08, 16.09.07

 

   

C. F. America - Club Tigres de la U. A. N. L.

1:1

Mexico-City, Estadio Azteca (ca. 40.000 Zuschauer)

 

Während der Pumas-Partie lernte ich ein Skin-Pärchen  kennen, das mich nach einem sportlich unbedeutenden Club aus Hamburg befragte. Beide studierten an der UMA und waren (warum auch immer) St.Pauli-Sympathisanten. Schalke cero cuatro kannten sie aber skandalöserweise nicht, wissen jetzt aber dass dies ein real working club ist (ok, war). Da bis zum Anstoß der nächsten Partie noch massig Zeit war, nahm ich deren Einladung zum sinnlosen Rumlungern mit weiteren Kumpels in einem Park an. Leider sprach nur einer ganz gut Englisch, zwei zumindest leidlich, und so war die Kommunikation doch sehr dünne. Später stießen noch zwei Punks dazu und als die Kollegen anfingen sich gegenseitig in die Schnauze zu hauen, war es an der Zeit die Szenerie Richtung Aztekenstadion zu verlassen. Für diesen Transfer musste wieder ein Taxi herhalten, da ich an irgendeiner Hauptstraße stand und keinen Plan hatte wo hier die nächste Metrostation sein sollte. Endlich hatte ich einen grün-weiß-kultigen Käfer erwischt, in dem der Beifahrersitz zum besseren Ein- und Aussteigen ausgebaut war. Dieses Mal hatte ich nicht richtig aufgepasst und siehe da, der Typ hat mich doch glatt beim Wechselgeld beschissen. Der Verlust von 40 Pesos wog natürlich schwer und während ich das Stadion umrundete, stieß ich auf eine Fankneipe von America. Die Fernseher übertrugen gerade ein NFL-Spiel, also rein in die gute Stube und ein paar Nachos plus Getränk bestellt. Groß zum Gucken kam ich aber nicht, weil ich das Interesse der Gestalten am Nebentisch geweckt hatte, die alsbald das Gespräch mit dem extranjera suchten. Ich erfuhr, dass America ist der der número uno club in Mexiko ist und alle anderen natürlich total kacke sind (ganz besonders Civas und Pumas). Diese Vormachtsstellung wurde dahin gehend begründet, dass man schließlich nicht umsonst im zweitgrößten (müsste aber eher das dritt- oder viertgrößte sein) Stadion der Welt spielt. Und während man so erzählte, wurde ich weiter zum Trinken und vor allen Dingen zum Stadionbesuch eingeladen. Gegen viertel vor sechs (Anstoß 18:30 Uhr) mahnte ich zum Aufbruch und genau in diesem Moment wurden im Fernseher die ersten Livebilder aus dem Aztekenstadion gesendet. Helle Panik machte sich breit und nach einem kurzen Sprint über die Straße standen wir an den überfüllten Ticketschaltern. Die Jungs waren zu viert, hatten aber nur drei Karten und obendrein brauchte ich auch noch eine. Es folgten fünf hektische Minuten, in denen mit diversen Schwarzhändlern wild Karten getauscht wurden. Aus drei mach fünf und dann ging es ab in den Sicherheitsring. Gleich die erste Ordnerin wies mich darauf hin, das Rucksäcke nicht und Fotoapparate erst recht nicht erlaubt sind. Unauffällig und vor allen Dingen unkontrolliert kämpfte ich mich dann durch den Ordnerpulk und war erstmal froh, dass das so gut geklappt hatte. Während wir auf dem Weg zu unserem Block waren, der sich natürlich auf der anderen Seite befand, wurde die Partie um Punkt 18:00 Uhr angepfiffen, obwohl sämtliche Zeitungen, das Programmheft und die Eintrittskarte den Kickoff um 18:30 Uhr ausgewiesen hatten. Am Block gab es die nächste Kontrolle und natürlich Diskussionen wegen der Kamera, die aber schlussendlich mit Unterlegung eines internationalen Ausweises doch mit hinein kam. Total verschwitzt erreichten wir endlich den Block und es folgte der nächste Schocker. Alles total überfüllt, nur die Plätze in den ersten paar Reihen waren noch frei, dort behinderte jedoch ein Zaun die Sicht. Oh ne, wieder zurück – allerdings durften wir nicht in den recht freien Nebenblock. Obendrein fing es auch noch an sintflutartig zu regnen, so dass die Menschen noch näher zusammenrückten und man jetzt rein gar nix mehr sehen konnte. Zeit es auf eigene Faust zu versuchen und daher verließ ich den Block und versuchte am VIP-Eingang nebenan mein Glück. Dieses war auf meiner und ich befand mich nun genau zwischen dem ersten und zweiten Rang, wo nicht nur die Sicht gut, sondern es obendrein noch trocken war. Endlich Zeit sich den Darbietungen auf den Rängen und auf dem nassen Rasen zu erfreuen…

 

 
Spiel und Stimmung:
 

America ist neben den Chivas das wohl populärste Team des Landes, liest und hört man zumindest allerorts. Der Club wurde am 12. Oktober 1916 gegründet und da dieses Datum auf den Jahrestag der Entdeckung Amerikas fiel, nannten die Clubgründer ihn auch so. Seit den 60er Jahren bestimmt der Medienkonzern Televisa (ihm gehört auch das Aztekenstadion) die Vereinspolitik. Die Tigres hingegen sind Anhängsel einer Universität (wie häufig in Mexiko) und zwar der Universidad Autónoma de Nuevo León. Für diesen Club spielte übrigens Ailton ein paar Jahre bevor er von Werder Bremen in die Bundesliga verpflichtet wurde.

Das Spiel war zwar das Beste auf dieser Tour, allerdings nur weil es drei roten Karten gab und es am Ende sogar richtig spannend war. Der verdiente Ausgleich für America fiel erst kurz vor Schluss, doch schon vorher gab genügend Torraumszenen auf beiden Seiten. Die Gäste wurden unterstützt von ca. 200 Fans, während die Supporter der Heimmannschaft einen Dauersupport durchzogen und dabei die Ereignisse auf dem Feld unbeachtet ließen, denn selbst beim Tor wurde es nicht viel lauter als es zuvor war.

Tore: 0:1 (66. Min.) Gallo, 1:1 (86. Min.) Ortega.

 
 
 
 
Stadion:
 

Um es mal gleich vorweg zu nehmen: Hammer! Gerade wenn man recht weit unten steht oder sitzt und nach oben schaut wirkt alles total gigantisch. Auf drei (plus einen kleinen VIP-Rang) Rängen verteilen sich 105.000 Zuschauer. Eröffnet wurde das komplett privat finanzierte Stadion bereits im Jahre 1966 und es war für die Weltmeisterschaften 1970 und 1986 Austragungsort etlicher Spiele. Zwar sind offiziell alle Plätze überdacht, allerdings werden die Zuschauer gerade im ersten und zweiten Rang doch nass, falls es mal regnen sollte. http://www.esmas.com/estadioazteca/

 
 
 
 
 
 
 

Tageskilometer:            9.795 km mit dem Flugzeug von Mexico-City via Amsterdam nach Berlin

Saisonkilometer:         22.088 km (19.590 km Flugzeug,  682 km KFZ, 1.376 km Bahn, 440 km Bus)

zum Vergleich 06/07: 44.890 km (21.098 km KFZ, 15.117 km Bahn, 7.284 km Flugzeug)

Grüße an Carlos und Alexandra

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