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Während der Pumas-Partie
lernte ich ein Skin-Pärchen kennen, das mich nach einem sportlich
unbedeutenden Club aus Hamburg befragte. Beide studierten an der UMA und
waren (warum auch immer) St.Pauli-Sympathisanten. Schalke cero cuatro
kannten sie aber skandalöserweise nicht, wissen jetzt aber dass dies ein
real working club ist (ok, war). Da bis zum Anstoß der nächsten Partie noch
massig Zeit war, nahm ich deren Einladung zum sinnlosen Rumlungern mit
weiteren Kumpels in einem Park an. Leider sprach nur einer ganz gut
Englisch, zwei zumindest leidlich, und so war die Kommunikation doch sehr
dünne. Später stießen noch zwei Punks dazu und als die Kollegen anfingen
sich gegenseitig in die Schnauze zu hauen, war es an der Zeit die Szenerie
Richtung Aztekenstadion zu verlassen. Für diesen Transfer musste wieder ein
Taxi herhalten, da ich an irgendeiner Hauptstraße stand und keinen Plan
hatte wo hier die nächste Metrostation sein sollte. Endlich hatte ich einen
grün-weiß-kultigen Käfer erwischt, in dem der Beifahrersitz zum besseren
Ein- und Aussteigen ausgebaut war. Dieses Mal hatte ich nicht richtig
aufgepasst und siehe da, der Typ hat mich doch glatt beim Wechselgeld
beschissen. Der Verlust von 40 Pesos wog natürlich schwer und während ich
das Stadion umrundete, stieß ich auf eine Fankneipe von America. Die
Fernseher übertrugen gerade ein NFL-Spiel, also rein in die gute Stube und
ein paar Nachos plus Getränk bestellt. Groß zum Gucken kam ich aber nicht,
weil ich das Interesse der Gestalten am Nebentisch geweckt hatte, die
alsbald das Gespräch mit dem extranjera suchten. Ich erfuhr, dass America
ist der der número uno club in Mexiko ist und alle anderen natürlich total
kacke sind (ganz besonders Civas und Pumas). Diese Vormachtsstellung wurde
dahin gehend begründet, dass man schließlich nicht umsonst im zweitgrößten
(müsste aber eher das dritt- oder viertgrößte sein) Stadion der Welt spielt.
Und während man so erzählte, wurde ich weiter zum Trinken und vor allen
Dingen zum Stadionbesuch eingeladen. Gegen viertel vor sechs (Anstoß 18:30
Uhr) mahnte ich zum Aufbruch und genau in diesem Moment wurden im Fernseher
die ersten Livebilder aus dem Aztekenstadion gesendet. Helle Panik machte
sich breit und nach einem kurzen Sprint über die Straße standen wir an den
überfüllten Ticketschaltern. Die Jungs waren zu viert, hatten aber nur drei
Karten und obendrein brauchte ich auch noch eine. Es folgten fünf hektische
Minuten, in denen mit diversen Schwarzhändlern wild Karten getauscht wurden.
Aus drei mach fünf und dann ging es ab in den Sicherheitsring. Gleich die
erste Ordnerin wies mich darauf hin, das Rucksäcke nicht und Fotoapparate
erst recht nicht erlaubt sind. Unauffällig und vor allen Dingen
unkontrolliert kämpfte ich mich dann durch den Ordnerpulk und war erstmal
froh, dass das so gut geklappt hatte. Während wir auf dem Weg zu unserem
Block waren, der sich natürlich auf der anderen Seite befand, wurde die
Partie um Punkt 18:00 Uhr angepfiffen, obwohl sämtliche Zeitungen, das
Programmheft und die Eintrittskarte den Kickoff um 18:30 Uhr ausgewiesen
hatten. Am Block gab es die nächste Kontrolle und natürlich Diskussionen
wegen der Kamera, die aber schlussendlich mit Unterlegung eines
internationalen Ausweises doch mit hinein kam. Total verschwitzt erreichten
wir endlich den Block und es folgte der nächste Schocker. Alles total
überfüllt, nur die Plätze in den ersten paar Reihen waren noch frei, dort
behinderte jedoch ein Zaun die Sicht. Oh ne, wieder zurück – allerdings
durften wir nicht in den recht freien Nebenblock. Obendrein fing es auch
noch an sintflutartig zu regnen, so dass die Menschen noch näher
zusammenrückten und man jetzt rein gar nix mehr sehen konnte. Zeit es auf
eigene Faust zu versuchen und daher verließ ich den Block und versuchte am
VIP-Eingang nebenan mein Glück. Dieses war auf meiner und ich befand mich
nun genau zwischen dem ersten und zweiten Rang, wo nicht nur die Sicht gut,
sondern es obendrein noch trocken war. Endlich Zeit sich den Darbietungen
auf den Rängen und auf dem nassen Rasen zu erfreuen… |
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America ist neben den Chivas
das wohl populärste Team des Landes, liest und hört man zumindest allerorts.
Der Club wurde am 12. Oktober 1916 gegründet und da dieses Datum auf den
Jahrestag der Entdeckung Amerikas fiel, nannten die Clubgründer ihn auch so.
Seit den 60er Jahren bestimmt der Medienkonzern Televisa (ihm gehört auch
das Aztekenstadion) die Vereinspolitik. Die Tigres hingegen sind Anhängsel
einer Universität (wie häufig in Mexiko) und zwar der Universidad Autónoma
de Nuevo León. Für diesen Club spielte übrigens Ailton ein paar Jahre bevor
er von Werder Bremen in die Bundesliga verpflichtet wurde.
Das Spiel war zwar das Beste
auf dieser Tour, allerdings nur weil es drei roten Karten gab und es am Ende
sogar richtig spannend war. Der verdiente Ausgleich für America fiel erst
kurz vor Schluss, doch schon vorher gab genügend Torraumszenen auf beiden
Seiten. Die Gäste wurden unterstützt von ca. 200 Fans, während die Supporter
der Heimmannschaft einen Dauersupport durchzogen und dabei die Ereignisse
auf dem Feld unbeachtet ließen, denn selbst beim Tor wurde es nicht viel
lauter als es zuvor war.
Tore: 0:1 (66. Min.) Gallo,
1:1 (86. Min.) Ortega. |