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Bei der Bekanntgabe der Spielpläne für die
höchste polnische Spielklasse stach diese Partie gleich ins blaue Äuglein.
Aus sportlicher Sicht bedeutete das Spiel zwischen Zaglebie und Legia den
Kampf des amtierenden Meisters gegen den aktuellen Tabellenführer und für
Freunde gepflegten Supports und optischer Kurvenleckerbissen war der Kick
auch nicht gerade ein Murmelspiel. Die Vorfälle der letzten Wochen setzten
allerdings viele Fragezeichen. Erst drehte der Legia-Anhang in Litauen frei,
dann der polnische Fußballverband, der nicht nur dem Legia-Anhang ein
Fahrverbot für alle Auswärtsspiele erteilte, sondern auch durch weitere
unsinnige Maßnahmen auffiel. Bytom muss zum Beispiel unter Ausschluss der
Öffentlichkeit spielen und das obendrein noch im Stadion des Konkurrenten
von Ruch Chorzow. Diese wiederum durften zum Spiel gegen Kielce nur 3.800
Zuschauer ins (diesmal eigene) Stadion lassen und das nur wegen Vorfällen
(das Zünden von Bengalen) die lange zurücklagen. Aber der Witz schlechthin
ist, dass man sich seit dieser Saison beim Kauf eines Billets in eine Liste
eintragen muss, was natürlich dauert und beim heutigen Spiel standen die
Leute noch rund eine Stunde nach Spielbeginn für ein Billet an. Die Namen
werden am Eingang dann allerdings nicht mehr kontrolliert, dafür darf man
sich einer peniblen Durchsuchung erfreuen. Zurück zu Legia, die also nicht
mehr zu Auswärtsspielen anreisen dürfen, dies aber dann doch tun, obwohl die
Vereine bei diesen Spielen die Gästeblöcke nicht öffnen dürfen. Beim Spiel
bei Gornik Zabrze Anfang August setzte sich der Heimverein darüber hinweg
und durfte daraufhin ein paar Tausend Euro Strafe an den Verband zahlen.
Dadurch aufgeschreckt ließ LKS zwei Wochen später den Gästeblock zu und die
Legia-Leute mit auf die Heimtribüne. „Hallo Verband – wir sind hier!“
adressierte der Legia-Anhang im freudigen Gesang an die Offiziellen. Das
kann zukünftig noch richtig spaßig werden im Land des (halben) EURO
2012-Ausrichters.
Nachdem ich Berlin um 14:30 Uhr den Rücken
gekehrt hatte, erreichte ich gut drei Stunden später das ehemalige Lüben in
Niederschlesien. Das Stadion liegt ein wenig außerhalb, ist aber
gut ausgeschildert, so dass dem Eintrittskartenkauf nichts mehr im Wege
stand. Rund zwei Stunden vor dem Anpfiff war noch nicht viel los und das
Billet gab es sogar ohne Eintragung in eine Liste, weil der Erwerber die
äußerst attraktive Dame nicht verstand. 15 Zloty kostete der Eintritt und
dazu gab es ein kostenloses Programmheft und eine kleine Broschüre die über
den Stadionneubau informierte. Das neue Stadion soll an gleicher Stelle
erbaut werden (ähnlich wie das Zentralstadion in Leipzig, denn ein Teil der
existierenden Aufschüttungen sollen bleiben), nur wann weiß wohl keiner so
genau. Laut der Broschüre sollen 16.300 Zuschauer dort Platz finden, das ist
ungefähr die Hälfte der heutigen Kapazität. Schade, denn aufgrund des etwas
ranzigen Zustandes ist die Heimat von Zaglebie Lubin ein richtig schönes
Stadion.
Nach dem Erwerb des orangenen Stück
Kartons war die Zeit zu kurz um noch eine Stadtbesichtigung in Angriff zu
nehmen und die Alternative hieß Kielbasa, die fortan recht schwer im Magen
lag. Danach betrat ich das Stadion Górniczego Ośrodka Sportu über den
Eingang der Gegengeraden. Aufgrund der bereits erwähnten unsinnigen
Personalienaufnahmen füllte sich das wirklich weite Rund sehr zögerlich. In
einem Block versammelten sich einige Leute die körperlich äußerst robust
aussahen; da waren sie also, die von meinen Informanten versprochenen
Legia-Leute. 400 dürften es gewesen sein und das ohne einen Hauch der sonst
üblichen Fanutensilien. |
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Gleich zu Beginn präsentierte die
Haupttribüne eine kleine Choreo mit roten und weißen Zetteln und zeigte sich
obendrein als äußerst stimmgewaltig. Der „Auswärtsblock“ versuchte gleich
dagegen zu halten, aber sobald er sich zu Wort meldete stimmte die Heimseite
ein und übertönte ihn. Dieses Schauspiel ging bis zur Halbzeitpause. Das
Spiel selber war auch ganz unterhaltsam, denn Lubin versuchte das Spiel zu
diktieren, musste aber beim ersten Gegenangriff den Rückstand hinnehmen. In
der zweiten Halbzeit rannte Lubin dem Rückstand hinterher und Legia zog ein
feines Konterspiel auf, lediglich die mangelhafte Chancenverwertung
verhinderte eine frühzeitige Entscheidung, zumindest bis zur Schlussminute.
Dauerhaften Support gab es im zweiten Abschnitt nur von den
„Auswärtsfahrern“ (irgendwie ziemlich genial), die Heimseite hingegen war
nur noch mit sporadischen Anfeuerungsversuchen zu hören. In den zweiten
Halbzeit hängten beide Fangruppen identische Spruchbänder mit der Aufschrift
„OE – PRZESTANCIE (NAS) KARAC – ZACZNIJCIE ROZMAWIAC“ auf, welche sich wohl
gegen die unsinnigen Verbandsstrafen richtete und man Gerechtigkeit fordert
(Übersetzung ohne Gewähr).
Tore: 0:1 (15. Min.) Gomes (ET), 0:2 (90.
Min.) Korzym |
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Międzyzakładowy Klub Sportowy Zagłębie
Lubin wurde 1945 gegründet und heißt soviel wie „Zwischenbetrieblicher
Sportklub Hüttenrevier“. Die Vereinsfarben sind Kupferfarben, Weiß und Grün,
wobei sich das kupferfarbene auf die im Umkreis von Lubin liegende
Kupferbergwerke bezieht. Die größten sportlichen Erfolge waren die beiden
Meistertitel in den Jahren 1991 und 2007.
Legia Warszawa wurde im Jahre 1916 als WKS
Legia gegründet und fuhr den ersten großen Erfolg mit der Meisterschaft im
Jahre 1955 ein. Es folgten sieben weitere, zuletzt 2006. Daneben gewann
Legia 12-mal den polnischen Pokal (zuletzt 1997, zum ersten Mal 1955).
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Das Stadion Górniczego Ośrodka Sportu
(kurz GOS) ist das größte Stadion in der polnischen Ligalandschaft und das
zweitgrößte (nach dem Stadion Slaski in Corzow) des Landes. Ursprünglich als
Mehrzweckanlage gebaut, ist hier heute nur noch Fußball zu bewundern. Die
alte Laufbahn ist mittlerweile mit Gras ausgelegt und noch die ovale Form
erinnert an die Leichtathletik. Die Haupttribüne ist nur im oberen Teil
überdacht, während der untere Bereich, die Kurven und die Gegengerade den
Widrigkeiten des Wetters preisgegeben sind. Sitzschalen findet man nur auf
der Haupttribüne (die auch den Schriftzug Zaglebie Lubin tragen) und auf der
Gegengeraden. Die restlichen Blöcke haben nur etwas merkwürdig anmutende
Sitzbänke aufzuweisen. Hinter einem Tor befindet sich noch eine recht
wuchtige Anzeigetafel und über den Sitzplätzen gibt es noch eine Art
kombinierte Presse- und VIP-Tribüne. |