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Orange Ekstraklasa, Saison 07/08, 31.08.2007

 

   

MKS Zaglebie Lubin – KP Legia Warszawa

0:2

 Lubin, Stadion Górniczego Ośrodka Sportu (12.000 Zuschauer)

 

Bei der Bekanntgabe der Spielpläne für die höchste polnische Spielklasse stach diese Partie gleich ins blaue Äuglein. Aus sportlicher Sicht bedeutete das Spiel zwischen Zaglebie und Legia den Kampf des amtierenden Meisters gegen den aktuellen Tabellenführer und für Freunde gepflegten Supports und optischer Kurvenleckerbissen war der Kick auch nicht gerade ein Murmelspiel. Die Vorfälle der letzten Wochen setzten allerdings viele Fragezeichen. Erst drehte der Legia-Anhang in Litauen frei, dann der polnische Fußballverband, der nicht nur dem Legia-Anhang ein Fahrverbot für alle Auswärtsspiele erteilte, sondern auch durch weitere unsinnige Maßnahmen auffiel. Bytom muss zum Beispiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit spielen und das obendrein noch im Stadion des Konkurrenten von Ruch Chorzow. Diese wiederum durften zum Spiel gegen Kielce nur 3.800 Zuschauer ins (diesmal eigene) Stadion lassen und das nur wegen Vorfällen (das Zünden von Bengalen) die lange zurücklagen. Aber der Witz schlechthin ist, dass man sich seit dieser Saison beim Kauf eines Billets in eine Liste eintragen muss, was natürlich dauert und beim heutigen Spiel standen die Leute noch rund eine Stunde nach Spielbeginn für ein Billet an. Die Namen werden am Eingang dann allerdings nicht mehr kontrolliert, dafür darf man sich einer peniblen Durchsuchung erfreuen. Zurück zu Legia, die also nicht mehr zu Auswärtsspielen anreisen dürfen, dies aber dann doch tun, obwohl die Vereine bei diesen Spielen die Gästeblöcke nicht öffnen dürfen. Beim Spiel bei Gornik Zabrze Anfang August setzte sich der Heimverein darüber hinweg und durfte daraufhin ein paar Tausend Euro Strafe an den Verband zahlen. Dadurch aufgeschreckt ließ LKS zwei Wochen später den Gästeblock zu und die Legia-Leute mit auf die Heimtribüne. „Hallo Verband – wir sind hier!“ adressierte der Legia-Anhang im freudigen Gesang an die Offiziellen. Das kann zukünftig noch richtig spaßig werden im Land des (halben) EURO 2012-Ausrichters.

Nachdem ich Berlin um 14:30 Uhr den Rücken gekehrt hatte, erreichte ich gut drei Stunden später das ehemalige Lüben in Niederschlesien. Das Stadion liegt ein wenig außerhalb, ist aber gut ausgeschildert, so dass dem Eintrittskartenkauf nichts mehr im Wege stand. Rund zwei Stunden vor dem Anpfiff war noch nicht viel los und das Billet gab es sogar ohne Eintragung in eine Liste, weil der Erwerber die äußerst attraktive Dame nicht verstand. 15 Zloty kostete der Eintritt und dazu gab es ein kostenloses Programmheft und eine kleine Broschüre die über den Stadionneubau informierte. Das neue Stadion soll an gleicher Stelle erbaut werden (ähnlich wie das Zentralstadion in Leipzig, denn ein Teil der existierenden Aufschüttungen sollen bleiben), nur wann weiß wohl keiner so genau. Laut der Broschüre sollen 16.300 Zuschauer dort Platz finden, das ist ungefähr die Hälfte der heutigen Kapazität. Schade, denn aufgrund des etwas ranzigen Zustandes ist die Heimat von Zaglebie Lubin ein richtig schönes Stadion.

Nach dem Erwerb des orangenen Stück Kartons war die Zeit zu kurz um noch eine Stadtbesichtigung in Angriff zu nehmen und die Alternative hieß Kielbasa, die fortan recht schwer im Magen lag. Danach betrat ich das  Stadion Górniczego Ośrodka Sportu über den Eingang der Gegengeraden. Aufgrund der bereits erwähnten unsinnigen Personalienaufnahmen füllte sich das wirklich weite Rund sehr zögerlich. In einem Block versammelten sich einige Leute die körperlich äußerst robust aussahen; da waren sie also, die von meinen Informanten versprochenen Legia-Leute. 400 dürften es gewesen sein und das ohne einen Hauch der sonst üblichen Fanutensilien.

 

 
Spiel und Stimmung:
 

Gleich zu Beginn präsentierte die Haupttribüne eine kleine Choreo mit roten und weißen Zetteln und zeigte sich obendrein als äußerst stimmgewaltig. Der „Auswärtsblock“ versuchte gleich dagegen zu halten, aber sobald er sich zu Wort meldete stimmte die Heimseite ein und übertönte ihn. Dieses Schauspiel ging bis zur Halbzeitpause. Das Spiel selber war auch ganz unterhaltsam, denn Lubin versuchte das Spiel zu diktieren, musste aber beim ersten Gegenangriff den Rückstand hinnehmen. In der zweiten Halbzeit rannte Lubin dem Rückstand hinterher und Legia zog ein feines Konterspiel auf, lediglich die mangelhafte Chancenverwertung verhinderte eine frühzeitige Entscheidung, zumindest bis zur Schlussminute. Dauerhaften Support gab es im zweiten Abschnitt nur von den „Auswärtsfahrern“ (irgendwie ziemlich genial), die Heimseite hingegen war nur noch mit sporadischen Anfeuerungsversuchen zu hören. In den zweiten Halbzeit hängten beide Fangruppen identische Spruchbänder mit der Aufschrift „OE – PRZESTANCIE (NAS) KARAC – ZACZNIJCIE ROZMAWIAC“ auf, welche sich wohl gegen die unsinnigen Verbandsstrafen richtete und man Gerechtigkeit fordert (Übersetzung ohne Gewähr). 

Tore: 0:1 (15. Min.) Gomes (ET), 0:2 (90. Min.) Korzym

 
 
 
 
 
Vereine:
 

Międzyzakładowy Klub Sportowy Zagłębie Lubin wurde 1945 gegründet und heißt soviel wie „Zwischenbetrieblicher Sportklub Hüttenrevier“. Die Vereinsfarben sind Kupferfarben, Weiß und Grün, wobei sich das kupferfarbene auf die im Umkreis von Lubin liegende Kupferbergwerke bezieht. Die größten sportlichen Erfolge waren die beiden Meistertitel in den Jahren 1991 und 2007.

Legia Warszawa wurde im Jahre 1916 als WKS Legia gegründet und fuhr den ersten großen Erfolg mit der Meisterschaft im Jahre 1955 ein. Es folgten sieben weitere, zuletzt 2006. Daneben gewann Legia 12-mal den polnischen Pokal (zuletzt 1997, zum ersten Mal 1955).

 
Stadion:
 

Das Stadion Górniczego Ośrodka Sportu (kurz GOS) ist das größte Stadion in der polnischen Ligalandschaft und das zweitgrößte (nach dem Stadion Slaski in Corzow) des Landes. Ursprünglich als Mehrzweckanlage gebaut, ist hier heute nur noch Fußball zu bewundern. Die alte Laufbahn ist mittlerweile mit Gras ausgelegt und noch die ovale Form erinnert an die Leichtathletik. Die Haupttribüne ist nur im oberen Teil überdacht, während der untere Bereich, die Kurven und die Gegengerade den Widrigkeiten des Wetters preisgegeben sind. Sitzschalen findet man nur auf der Haupttribüne (die auch den Schriftzug Zaglebie Lubin tragen) und auf der Gegengeraden. Die restlichen Blöcke haben nur etwas merkwürdig anmutende Sitzbänke aufzuweisen. Hinter einem Tor befindet sich noch eine recht wuchtige Anzeigetafel und über den Sitzplätzen gibt es noch eine Art kombinierte Presse- und VIP-Tribüne.

 
 
 
 
 
 
 

Tageskilometer:                612 km mit dem KFZ von Berlin nach Lubin und zurück

Saisonkilometer:            2.058 km (davon 682 km KFZ, 1.376 km Bahn)

zum Vergleich 06/07: 44.890 km (21.098 km KFZ, 15.117 km Bahn, 7.284 km Flugzeug)

Dank und Gruß an den Informanten

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