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          Regionalliga Ost, Saison 06/07, 16.03.07                       

 

    3:4

First Vienna FC 1894SKN St. Pölten

 

Wien, Stadion Hohe Warte (1.500 Zuschauer)

 

 

Als wir Ende des vergangenen Jahres diese Tour planten, konnte trotz guter Platzierung zur Winterpause keiner ahnen, dass das Spiel gegen den VfB Stuttgart für den ehemals kleinen Arbeiterverein so wichtig sein würde. Und da die Fahrkarten schon ausgedruckt und damit bezahlt auf dem Schreibtisch lagen, gab es praktisch gar keine Alternativen. Gemeinsam mit Union-Jakob, im weiteren Tourverlauf nur noch „Der Fuchs“ genannt, brachen wir am Bahnhof Zoologischer Garten gen Wien auf. Die 12-stündige Nachtzugfahrt wurde im ersten Viertel mit Müdemachen unter Zuhilfenahme diverser internationaler Brauereiprodukte und in den letzten drei Vierteln mit dünne-schlafen-unterbrochen-von-Harnblasenentleerung verbracht. Dabei waren die Vorraussetzungen für eine erholsame Nacht auf Schienen gut, denn zunächst machte die K&K-Schaffnerin aus dem gebuchten 6er- ein 4erabteil und die beiden in Leipzig Zugestiegenen erwiesen sich als unkomplizierte Gesellen.

Ziemlich übermüdet erreichten wir am nächsten Morgen den Wiener Westbahnhof. Nach einer ersten Melange und der Verfrachtung des überflüssigen Gepäcks in unserem schicken Hostel nutzten wir das sonnige Wetter für kulturelles Zeugs. Fünf Euro kostete die Tageskarte für den Wiener Linienverkehr und unser erstes Ziel war (Na, wenn das keine Überraschung war) der Stephansdom. Via Heldenplatz, Parlament und Rathaus gönnten wir uns am Nachmittag eine Führung durch die Oper. Zur Entschuldigung sei gesagt, dass die Idee vom Fuchs kam. Für 6,50 Euro bekommt man eine kompetente Führerin und ich würde jetzt fast schreiben, könnte sich allein wegen der optischen Eindrücke lohnen (Oper, nicht Führerin). Aber wo Licht ist gibt es bekanntlich auch Schatten und den gleich in dreißigfacher Form deutscher Touristen, die wieder alles besser wussten und auch mit pseudolustigen Kommentaren auffielen.

Da der Mitfahrer vom Fuchs (Name nur mir bekannt) sein Ersatzakku für die Kamera im Hostel vergessen hatte, mussten wir den Praterbesuch auf einen noch unbestimmten Zeitpunkt verschieben und fuhren dann über diesen „kleinen“ Umweg mit der Straßenbahn in den 19. Bezirk (Döbling). Unterwegs verzehrten wir jenseits der Touristenpfade das obligatorische Schnitzel und erreichten Hohe Warte kurz vor 18 Uhr. Die Tram musste sich auf den letzten Metern schon ziemlich mühen um die Endhaltestelle zu erreichen. Oben auf dem Hügel standen wir inmitten eines Villenviertels. Alternativ könnte man auch mit der U4 bis zur Endstadion Heiligenstadt fahren. Nach dem Verlassen der Station steht man vor einem ziemlich wuchtigen Wohnblock, der Karl-Marx-Hof heißt und das längste Wohnhaus der Welt ist. Der potentielle First-Vienna- (von den Eingeborenen auch liebevoll Erstgeborener genannt) Besucher braucht dann bloß nur noch durch einen der Innenhöfe zugehen und gelangt dann auf eine Hauptstraße, welcher er nach rechts folgt und kurz danach wieder nach links verlässt. Wir kamen allerdings von oben, quasi dem Reichenviertel und das Flutlicht wies uns den richtigen Weg, der dann erst mal wieder bergab ging. Eine Stunde vor dem Anpfiff erreichten wir den Haupteingang und zu unserer Verwunderung mühten sich schon 22 Akteure auf dem Platz ab. Dabei handelte sich aber „nur“ um das Vorspiel zwischen der U23 von First Vienna und Fenerbahce Wien in der 1. Klasse B (Endstand 4:1). Wir blieben allerdings noch etwas vor den Stadiontoren und kauften im hiesigen Fanshop ein. Für den Fuchs gab einen Pin und für mich die DVD mit dem etwas philosophischem Titel „Es geht sich immer nicht aus!“ (absolut empfehlenswert). Acht Euro kostete das Billet und eine Viertelstunde vor Spielbeginn betraten wir das Stadion, das an sich nichts Besonderes wäre, gäbe es da nicht diesen riesigen Hang gegenüber der Haupttribüne.

 

 

Spiel & Stimmung:

 

Die Tabellenkonstellation in der Ostliga versprach Spannung: Erster First Vienna (40 Punkte), dahinter der Wiener Sportclub (38) und Dritter der ASK Schwadorf (37). Das Spitzenspiel steigt nächste Woche, wenn der Wiener Sportklub First Vienna empfängt. St. Pölten hat mit dem Aufstieg nix mehr am Hut und nimmt mit 27 Punkten einen gesicherten Mittelfeldplatz ein. Erwartungsgemäß ging Vienna früh in Führung und der Jubel auf der Haupttribüne konnte sich hören lassen. Diesen Vorsprung konnten die Hausherren aber nur zehn Minuten lang verteidigen und auch hier war der akustische Jubel der ca. einhundert mitgereisten Gästeanhänger beachtlich. Bis zur Halbzeitpause blieb das Spiel extrem unterhaltsam. Vienna ging wieder in Führung, St. Pölten glich erneut aus, kurz vor der Pause fiel das 3:2 für Vienna, der Support heimseits eher oldschool britisch angehaucht, während die Gäste durchsangen und auch ein paar rote Fackeln zündeten. In der zweiten Halbzeit war das Spiel nicht minder interessant. SKN St. Pölten ahnte wohl, dass hier heute Punkte durchaus drin waren und verstärkte die Offensivbemühungen. Das 3:3 Mitte des zweiten Durchgangs war somit nur die logische Konsequenz. Das Heimteam war fortan nur noch verunsichert, spielte nach vorne ziemlich planlos und wirkte hinten ziemlich kopflos. Das 3:4 resultierte letztlich aus einer Ecke für Vienna. Der Ball flog in den einen Strafraum und wurde von da aus über drei Stationen in den Anderen befördert.

Tore. 1:0  (2. Min.)Fading, 1:1 (13. Min.) Wojtanowicz , 2:1 (22. Min.) Pusic, 2:2  (23. Min.) Wojtanowicz, 3:2 (44. Min.) Król , 3:3 (63. Min.) Wojtanowicz , 3:4 (85. Min.) Thürauer.

Fazit: Nur positiv – tolles Spiel, geiles Stadion und dazu noch ordentlich Stimmung unterm Dach.

 
 
 
 
 Vereine:
 

Der First Vienna Football Club wurde im Jahre 1894 von ein paar englischen Gärtnern des Baron Rothschild gegründet und ist somit (wenn auch nicht ganz unumstritten) der älteste Fußballverein in der Alpenrepublik. Seit 2002 spielt der sechsfache österreichische Meister nur in der dritthöchsten Spielklasse des Landes. Neben den Meisterschaften (1931, 1932, 1942, 1943, 1944 und 1955) wurde der Club dreimal österreichischer Pokalsieger (1929, 1930 und 1937), einmal deutscher Pokalsieger (1943) und einmal Mitropapokalsieger (1942). Mehr dazu hier http://de.wikipedia.org/wiki/First_Vienna_FC_1894

Der SKN St. Pölten entstammt aus der Fusion vom FCN St. Pölten und des BNZ St. Pölten.

 

 Stadion:

 

Mehr als 100.000 Zuschauer sollen hier einst der österreichischen Nationalmannschaft zugejubelt haben. Heute passen hier offiziell nur 3.500 rein, da die riesige Naturtribüne nicht mehr „begehbar“ ist. Die letzten Sitzplätze wurden im Sommer 2005 entfernt. Dafür gibt es dort eine mobile Zusatztribüne für ca. 1.000 Zuschauer. Die Haupttribüne ist wohl neueren Datums und ein eher schlichter Bau. Erbaut wurde das Stadion im Jahre 1921 auf einem ehemaligen Fabrikgelände. Bis zum Bau des Praterstadions (1932) trug hier auch das österreichische Wunderteam seine Länderspiele (u. a. 5:0 gegen Schottland oder 8:2 gegen Ungarn) aus. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Hohe Warte noch mal renoviert, doch da es mit First Vienna spätestens ab den 70er Jahre bergab ging, verfiel auch die Spielstätte.   

 

 

 

 

Tageskilometer:              1.005 km mit der Bahn von Berlin nach Wien

Saisonkilometer:          32.530 km (16.688 km KFZ und 7.558 km mit der Bahn und 7.284 km mit dem Flugzeug)

zum Vergleich 05/06: 46.387 km (10.984 km Flugzeug, 24.473 Km Bahn, 11.183 km KFZ, 288 km Schiff, 690 km Bus)

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