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                 Landespokal Sachsen, Saison 06/07, 02.09.2006                               

 

   1:3  

 

Kickers 94 MarkkleebergChemnitzer FC

 

Markkleeberg, Sportpark Camillo Ugi (500 Zuschauer)

 

 

Die eigentlich für heute anvisierte Partie im Landespokal Sachsen-Anhalt zwischen Zeitz und Völpke (für alle Interessierten, Zeitz verlor mit 1:3) fiel leider der Verlegung auf Sonntag zum Opfer und aus dem bunten Strauss der Alternativen wurde dann obige Partie gezogen. (…und wieder…) Eigentlich sollte der Ausflug nach Markkleeberg mit drei Gestalten von „Mitfahrgelegenheit.de“ bestritten werden, aber diese Reisegruppe erschien nicht am vereinbarten Treffpunkt und eine telefonische Kontaktaufnahme scheiterte daran, dass am anderen Ende keiner den grünen Kopf drückte. Um mal wieder abzuschweifen, in 80 % der Fälle klappt es mit den Mitfahrern, aber wenn es mal nicht klappt, dann sind es immer Leute mit osteuropäischem Akzent. Aber auch die Telefonate im Vorfeld dieser Mitfahrgelegenheiten sind eigentlich eine Radio-Show wert. Da schreibt man z. B.: „Biete Mitfahrgelegenheit von Markkleeberg (Treffpunkt Bahnhof Großstädteln, zu erreichen von Leipzig mit der S2 über Connewitz) bis Berlin-Charlottenburg (S-Bahnhof Westend, direkt an der Ringbahn) an.“ Abfahrtszeitpunkt und Kostensatz selbstverständlich mitgeliefert. Anruf am Nachmittag von einer anscheinend verwirrten Leipziger Studentin.

Sie: Ich hab gelesen, Du fährst von Connewitz nach Berlin!
Ich: Ne, ich fahre von Markkleeberg nach Berlin.
Sie: (nach langem Schweigen) Markkleeberg?
Ich: Ja, Markkleeberg – kommst Du aus Leipzig?
Sie: Ja, aber wo ist denn Markkleeberg!
Ich: Südlich von Leipzig!
Sie: Ich dachte, Du fährst von Connewitz.
Ich: Ne, ich fahre von Markkleeberg, nicht von Connewitz, aber das hatten wir schon!
Sie: Mmmmh, wie komme ich denn nach Markkleeberg?
Ich: Mit der S2, schrieb ich aber auch in meiner Anzeige!
Sie: Wann fährt die denn?
Ich: Weiß ich nicht!
Sie: Ich muss aber nach Berlin!
Ich: Dann komm um soundsoviel Uhr nach Markkleeberg.
Sie: Aber ich weiß nicht wo das ist!
Ich: Auch das hatten wir schon, guck doch einfach im Internet unter Leipziger Verkehrsbetriebe oder so nach.
Sie: Aber ich habe den PC schon runtergefahren.
Ich: Das ist natürlich ein Problem – am besten Du fährst ihn wieder hoch – guckst nach und rufst dann noch mal an, ok?
Sie: Weißt Du die Internetadresse von den Leipziger Verkehrsbetrieben, bei mir dauert das Einwählen immer so lange!
Ich: (Tief in Gedanken, was das Einwählen mit der Suche nach der Adresse zu tun hat). Ne, aber schau Dir noch mal meine ganze Anzeige an, damit das gleich fixer geht. Ok?
Sie: Ja, ok – wann willst Du noch mal losfahren?
Ich: (Verbindung beendet – Gerät ausgeschaltet)

Aber zurück zum eigentlichen Thema und genug der Abschweiferei. Auf dem Hinweg verließ ich die A9 an der Anschlussstelle Leipzig-West, um dann weiter auf Landstraßen nach Markkleeberg zu gelangen. Klappte aber nur bedingt und so erreichte ich den pompösen Vorort der Messestadt und kam mal wieder mit der Polizei ins Gehege, die den ganzen Verkehr aufhielt, indem sie die Chemnitzer Fußballanhänger zum Stadion begleitete. Das Auto wurde dann in einem nahe liegenden Wohngebiet abgestellt und die Zeit bis zum Anstoß vertrödelte ich dann mit der verwirrten Leipziger Studentin (Kann Telefonsex schöner sein?).

 

 

Spiel:

 

Das Spiel war gleich um Längen besser als das gestrige in Erkner, denn zum einem war der Klassenunterschied nicht so groß (5. Liga – 4. Liga) und zum anderen spielten die Hausherren ganz engagiert und gingen auch ziemlich clever in Führung. Bei einem Freistoß erklärte der Markkleeberger Mannschaftskapitän recht ausführlich seinem Kollegen wie er den Freistoß zu treten habe. Dann stürzte sich der Einweisende ins Getümmel und bekam den Ball genau dahin wo er ihn auch hin haben wollte – nämlich auf den Kopf, von dem er dann ins Tor segelte. Die Führung war zwar etwas glücklich, weil der CFC vorher zweimal die Festigkeit des Aluminiums testete, aber was soll’s. Mit dem Halbzeitpfiff gab es dann gleich den zweiten Aufreger, als plötzlich der Linienrichter auf dem Platz zusammenbrach. Auslöser war wohl ein China-Böller aus dem CFC-Block, der zu nah am Assistenten hoch ging. Kurz darauf verlangte der Stadionsprecher nach einem Arzt, welches schon Schlimmste vermuten ließ. Ging dann aber doch weiter, allerdings wurden die Gästeanhänger mehrfach ermahnt, das Spielen mit knallendem Material zu unterlassen. In diesem Viertelstündchen wurden die Zuschauer bei recht hohen Temperaturen musikalisch auf das nächste Großereignis eingestimmt: „Last Christmas“ dröhnte durch die Beschallungsanlage. Sind ja schließlich nur noch knappe vier Monate bis zur fußballfreien Zeit.

Hochmotiviert kamen dann die Gäste vom Pausentee, erzielten drei Treffer und zogen verdient in die zweite Runde ein.

Tore: 1:0 (40. Min.) Goly, 1:1 (50. Min.) Kellig, 1:2 (80. Min.) Kellig, 1:3 (85. Min.) Bachmann

 

 

Stimmung:

 

Einzig der Gästeanhang war supportwillig, leistete sich aber einige längere Pausen. Aber wer will es ihnen verdenken, Pokalspiele gegen unterklassige Gegner sind auch nicht unbedingt die Highlight-Spiele der Saison.

 

Vereine:

 

Viel gibt es über die Kickers 94 Markkleeberg nicht zu berichten, da dieser Verein gerade mal 12 Jahre alt ist. Grund für die Neugründung war der Konkurs des 1. FC Markkleeberg (als Nachfolger der TSG) und da keiner bereit war die Schulden zu übernehmen, strich man den 1. FC aus dem Vereinsregister und gründete ihn unter geändertem Namen neu.

1946 wurde der CFC als SG Chemnitz-Nord gegründet und später in BSG Fewa und BSG Chemie umbenannt. Als am 10. Mai 1953 aus Chemnitz Karl-Marx-Stadt wurde, hieß der Verein von da ab logischerweise BSG Chemie Karl-Marx-Stadt und ab 1956 SC Motor. 1963 wurde das Motor aus dem Namen gestrichen und als am 15. Januar die Fußballabteilung auch bei den Karl-Marx-Städtern aus dem Verein ausgegliedert wurde, hieß sie bis zur Wende FC Karl-Marx-Stadt. 1954 stieg der Klub zum ersten Mal in die Oberliga auf und drei Jahre später wieder ab. 1962 gelang dem SC Karl-Marx-Stadt die Rückkehr in die Oberliga und er spielte wenige Jahre später zum ersten Mal in den himmelblauen Trikots. 1967 wurde der FC Karl-Marx-Stadt zum ersten Mal DDR-Meister. Nur drei Jahre später folgte dann der Sturz in die Zweitklassigkeit, allerdings gelang dem Verein der sofortige Wiederaufstieg. Bis zur Wende blieb er dann erstklassig und wurde in der vorletzten Saison (1990) Vizemeister hinter Dynamo Dresden. Am 13. Juni erfolgte dann die Rückbenennung in Chemnitzer FC, nachdem wenige Tage zuvor auch die Stadt ihren Namen verlor. Platz 5 in der Abschlusssaison der DDR-Oberliga reichte für die Qualifikation zur 2. Bundesliga. Nach fünf Jahren in Liga Zwei, stieg der CFC in die Regionalliga ab. 1999 kehrten sie in die 2. Bundesliga zurück, konnten sich aber nur zwei Spielzeiten dort halten. Bis zur Saison 05/06 spielten sie dann in der Regionalliga Nord.

 

Stadion:

 

Seit wenigen Wochen heißt der ehemalige Zentralsportpark Markkleeberg „Camillo-Ugi-Sportpark“ (Der ehemalige Nationalspieler wurde 1884 als Sohn einer Deutschen und eines Italieners in Leipzig geboren und starb 1970 in Markkleeberg. 1906 wurde er mit dem VFB Leipzig Deutscher Meister, spielte danach beim Dresdner SC, Olympique Marseille, FSV Frankfurt und später wieder beim VFB in Leipzig). Zwar ist das Stadion nur auf den beiden Längsseiten ausgebaut, aber dafür ganz ordentlich. Auf der einen, überdachten Seite gibt es 5 Reihen mit Schalensitzen bzw. Sitzbänken und auf der anderen Seite eine sehr beachtliche Stehplatztribüne mit mindestens zehn breiten Stufen und nicht wenigen Wellenbrechern. Für einen Landesligisten eine sehr feine Anlage.

 

 

 

 

 

Ca. eine Stunde nach Abpfiff ging es mit zwei Mitfahrern zurück gen Berlin, diesmal allerdings erst über die B2 nach Süden und dann über die A38 und A9 weiter nach Berlin. Auf diesem kurzen Stück wurde man Zeuge dreier Unfälle. Der erste ereignete sich kurz nach Leipzig als einem Kleintransporter mit Hänger ein Reifen platzte. Hier kam man aber noch gut vorbei, weil noch eine Spur befahrbar war. Ca. 70 km vor Berlin ging dann gar nix mehr. Vollsperrung der A9 aufgrund eines brennenden LKWs und als man dann nach ca. zwei Stunden daran vorbei war, gab es zum Abschluss noch einen Unfall auf der Stadtautobahn Berlin als sich zwei PKWs ins Gehege kamen. Drei Unfälle an einem Samstagabend – auch mal was Neues!

 

Tageskilometer:               420 km mit dem KFZ von Berlin nach Markkleeberg und zurück

Saisonkilometer:          5.883 km (4.041 km KFZ und 1.842 km mit der Bahn)

zum Vergleich 05/06: 46.387 km (10.984 km Flugzeug, 24.473 Km Bahn, 11.183 km KFZ, 288 km Schiff, 690 km Bus)

 

 

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