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            Vyscha Liga, Saison 04/05, 13.07.2005                      

 

   1:1  

 

FK Dynamo Kiev - PFK Metalurh Zaporizhzhya

 

 Kiev, Valeriy Lobanovskiy (14.000 Zuschauer)

 

 

 

Nach dem dramatischen Kick in Odessa zog es uns direkt in eine Kneipe neben unserem Hotel, um noch ausgiebig das heute Erlebte aufzuarbeiten. Die Bedienung, die unsere Bestellung entgegennahm, war ein wahrer Vulkan an Freundlichkeit und knallte uns die zwei Gläser voll ukrainischer Braukünste auf den Tisch. Bei der zweiten Order ging sie mit den armen kleinen Bierchen nicht sanfter um und bei der dritten finalen Gerstensaftdublette wurden diese fast schon auf den Tisch geworfen. Da wir dieses Phänomen in der Ukraine des öfteren zu beobachteten, entstand die mehr als zutreffende Umschreibung „Servicewüste Ukraine!“ Wobei man relativierend sagen muss, dass die Bedienung schon mittags um 12 Uhr wirbelte und auch noch nachts um zwei auf ihren wohlgeformten Beinen war. Und bei Bierpreisen von umgerechnet 65 Cent pro halber Liter wird der Job sicherlich nicht gerade hoch bezahlt sein. 

Zwei Stunden nach Mitternacht hieß es dann Äuglein zu und um kurz vor neun schrillte uns das rote Telefon aus dem Schlaf: Wake Up! Wake Up! At ten you must leave the hotel!“ Oh, wie war das schön, von sanfter Stimme geweckt zu werden. Also ab unter die doppelköpfige Dusche (aus einem Duschkopf kam eiskaltes Wasser und aus dem anderen kochend heißes). Wir verließen mit Erfrierungen und Verbrennungen die Hütte und durften an der Rezeption die Frühstücksgutscheine in Empfang nehmen. Da die Empfangsdame mit Weckfunktion alsbald den Tresen in Richtung obere Stockwerke verließ, vermuteten wir, dass sie fix (eben bis ten o’clock) das Zimmer herrichtete und es uns niemals in diesem Hotel gegeben hat. Egal, wer braucht schon eine Rechnung und schließlich freuten wir uns auf die erste Mahlzeit des Tages. Diese Freude war aber nur von kurzer Dauer, denn diese undefinierbare Masse an Nudeln mit so einer Art Hackfleischsoße schmeckte verdammt süß und damit auch ziemlich abscheulich.

 

Um kurz vor zehn ging es dann raus auf die Straße und bei brütender Hitze schlenderten wir erst mal zur Potemkim-Treppe, um Versäumtes von gestern nachzuholen. Unterwegs machten wir noch in einem recht noblen Cafe halt, um selbigen zu trinken. Neben uns saßen fünf scheinbar recht wohlhabende Ukrainer, die sich anscheinend die komplette Speisekarte hatten auftischen lassen. Als dann ein armes Ömchen mit einem Plastikbecher um Almosen bat, war dieses Bild bezeichnend für die ukrainische Gesellschaft. Auf der einen Seite die Neureichen, die keine bzw. kaum Steuern zahlen, ihr Vermögen mit dubiosen Geschäften machen und das Geld aus Sicherheitsgründen im Ausland anlegen und auf der anderen Seite die Rentner, die vom Staat kaum etwas bekommen, weil eben eine Elite die Kassen plündert und oder keine Steuern zahlt. Aber genug mit den Sozialstudien. An der Potemkim-Treppe angekommen, wurde uns erstmal allerlei Nazizeugs angeboten. Danach erstmal die 192 Stufen runter und wie von Zauberhand genau die gleiche Anzahl von Stiegen wieder rauf. Die Treppe diente dem angeblich „besten Film aller Zeiten“ Panzerkreuzer Potemkin als Kulisse. Sergej Eisenstein drehte diesen Film im Jahre 1925 anlässlich des 20. Jahrestages der ersten russischen Revolution und er erzählt die Geschichte vom Aufstand der Matrosen gegen die Offiziere.

 

Danach musste Martin erstmal die Anstoßzeit und die Spielstätte für das  am Montag stattfindende Reversespiel von Odessa gegen wen weiß ich nicht mehr in Erfahrung bringen. Also schlugen wir wieder den Weg Richtung Stadion, vorbei am Museum der Schwarzmeerflotte und der hiesigen Oper, ein. Dort angekommen, wurde uns der Einlass zur Geschäftsstelle wegen eines unheimlichen Wichtigtuers verweigert. Also erstmal ab zum Strand und hinein ins kühle Nass. Deutlich erfrischt setzten wir dann unsere Erkundungstour fort und steuerten das Dinamo-Stadion an, welches sich aber als reine Leichtathletikanlage präsentierte. Also weiter zum CKA-Stadion, welches zwar deutlich mehr nach Fußballplatz aussah (ca. 15.000 Zuschauer und ganz ansehnlich), aber ob des ruinierten Rasens nicht auf ein Spiel in den nächsten Tagen hoffen ließ. Nach kurzer Verschnaufpause ging es dann weiter zum Krajan- und Spartak-Stadion, wo aber auch die Informationen spärlich gesät waren. Während es dann Martin zum Bahnhof zog, um sich weitere Zugtickets zu besorgen, konnte ich meine müden Glieder zum Gasthaus mit den goldenen Bögen schleppen. Mit viel Herzschmerz trennte sich dann das Duo, denn der Greifswalder wollte noch einen Ort weiter ziehen und ich musste zurück zum Flughafen.

 

Die folgenden Tage in Kiew wurden ausschließlich zum Sightseeing genutzt. Alternativ gab es noch das Spiel von Dnjepr Dnjpropetrowsk am Dienstag, das dann endlich mit der hiesigen Eisenbahn besucht werden sollte, doch ein fieser kleiner Virus legte das eh schon ziemlich ruinierte Nervensystem lahm (und stellte in Aussicht die endlose Zugfahrt auf einer postsowjetischen Zugtoilette zu verbringen) und verdrängte diesen Stadionbesuch. Also, dann doch in Kiew bleiben.  Für eine Vier-Millionenstadt ist Kiew erstaunlich entspannend, lediglich die Art und Weise wie sich hier die KFZ durch die Stadt bewegen lässt einen Angst und Bange werden. Die Stadt ist voll von Sehenswürdigkeiten und lässt sich trotz der kyrillischen Buchstaben einigermaßen einfach erkunden. Die Preise sind absolut niedrig, sieht man mal von denen im Zentrum ab. Einzig mit der englischen Sprache kommt man hier kaum zurecht.

Zum Abschluss dieser kleinen Reise stand das erste richtige Meisterschaftsspiel in der Saison auf dem Programm. Fast schon schlafwandlerisch konnte das ehemalige Dinamo-Stadion angesteuert werden und sogar der Kartenkauf für den richtigen Sektor klappte ohne Schwierigkeiten. 15 H. (unter drei Euro) zahlt man für einen Platz auf der Haupttribüne. Im Sektor 2 angekommen, saß Martin schon an seinem Platz und hatte drei Dynamos aus der sächsischen Landeshauptstadt im Schlepptau.  

 

 
Spiel:

Einen klassischen Fehlstart legte Dynamo (und das auch noch ziemlich dämlich) hin. Erst verschossen sie in der Anfangsphase einen Elfmeter, gingen aber dennoch in Führung, um sich dann mit der einzigen echten Chance für die Gäste den Ausgleich einzufangen. In der zweien Halbzeit war ein Spiel auf eine Tour und trotz der fast schon überragenden technischen Fähigkeiten der Dynamo-Spieler vermochten sie es nicht, trotz bester Möglichkeiten und dazu noch in Überzahl, das Spiel siegreich zu gestalten. Herausragend war übrigens der Gästetorwart, der so manche Glanztat vollbrachte. 

Tore: 1:0 (14. Min.) Belkevich, 1:1 (35. Min.) Bredun

Stimmung:

Von Dynamo-Seite kam trotz des spannenden Spielverlaufs kaum Unterstützung und wenn dann doch mal, dann eher vereinzelt. Ganz anders hingegen der Gästeanhang, der mit ca. 300 Mann angereist war. Supporttechnisch absolut überzeugend.

Die offizielle Zuschauerangabe von 14.000 ist viel zu hoch gegriffen, denn schätzungsweise die Hälfte davon dürften heute im Stadion gewesen sein

Vereine:

Dinamo Kiev wurde im November 1927 als Verein der Elektrikergewerkschaft gegründet (später Polizeisportverein) und spielte seit Gründung der sowjetischen Fußballliga immer in der höchsten Spielklasse. Der erste Meistertitel wurde im Jahre 1961 errungen und dies als erster Verein der nicht aus Moskau kam. Es folgten weitere Meisterschaften in den Jahren 1966, 1967, 1968, 1971, 1974, 1975, 1977, 1980, 1981, 1985, 1986 und 1990. Auch die erste internationale Trophäe errangen die Kiewer für den sowjetischen Fußballverband (1975 Europapokalsieger der Pokalsieger, den gleichen Titel errangen sie dann noch mal 1986). Nebenbei gewann Dynamo Kiev auch noch neun nationale Pokalsiege (1954, 1964, 1966, 1974, 1978, 1982, 1985, 1987 und 1990). Die bekanntesten Spielerpersönlichkeiten dürfte Oleg Blochin, Valeri Lobanowski und Igor Belanow gewesen. Seit dem Zusammenbruch der Union der sozialistischen Sowjetrepubliken geriet der Verein in finanzielle Schwierigkeiten und der Staat musste mit Finanzspritzen helfen. Seit 1993 ist der mittlerweile in Fudbalski Klub Dinamo Kiev umbenannte Verein fast immer Landesmeister geworden (einzig 2002, 2004 und 2005 wurde Schachtjor Donezk ukrainischer Meister). Pokalsieger wurde Dinamo „nur“ viermal (1993, 1996, 1998, 1999)

Auch der Futbolnij Klub Metalurg Saporischja war quasi Gründungsmitglied der Vyscha Liga und ist bislang noch nie abgestiegen. Gegründet wurde der Verein im Jahre 1931, schaffte es in der Sowjetunion aber nie bis in die erste Liga.

 

Stadion:

Das ehemalige Dinamo-Stadion ist ein kleines und recht modernes Stadion welches, im Khreschatyt Park unweit des Dnjepr liegt. Auch hier findet der Stadionbesucher einen reinen All-Seater vor, das ganz ohne Überdachung auskommt. Zwar verfügt das Stadion über eine ovale Form, allerdings ist von einer Laufbahn nichts mehr zu sehen. Das Fassungsvermögen liegt bei fast 17.000 Zuschauern.

 

 

 

 

 

Tageskilometer:             1.950 km mit dem Flugzeug von Odessa nach Kiew und von Kiew nach Berlin

Saisonkilometer:            6.178 km (3.900 km Flugzeug, 1.764 Km Bahn und 514 km mit dem KFZ)

zum Vergleich 04/05: 39.952 km (23.213 km PKW, 5.677 km Bahn, 10.962 km Flugzeug)

 

Grüße an die drei Dresdner und natürlich den Greifswalder!

 

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