[zurück zur Übersicht]

 

                  II. liga, Saison 05/06, 05.11.05             

 

    2:2 

 

GKS Piast Gliwice - Ruch Chorzow

 

Gliwice, Stadion Piast (2.500 Zuschauer)

 

 

Zu fünft im Kleinwagen japanischer Bauart ging es von Ruda Slaska ins ca. 20 km entfernte Gliwice. Dreimaliges Nachfragen war nötig um das Piast-Stadion zu finden. Den entscheidenden Hinweis gab übrigens eine Rentnerin in astreinem Deutsch mit schlesischem Akzent.

Am Stadion war die Parkplatzsituation total unübersichtlich und unser Fahrer mit schwäbischem Akzent versuchte es auf einen höchstoffiziellen Abstellplatz mit seinem, sagen wir mal, „Schwerbehinderten-Ausweis“. Aber irgendwie verstanden die Parkplatzwächter weder unser Ansinnen noch Spaß. Es folgte eine wilde Schreierei, deren Zielperson der „schwerbehinderte“ Schwabe war. Aufgrund der hinter uns stehenden Autos gab es kein Zurück sondern nur noch ein Vorwärts. Die ganze Diskussion zog sich ellenlang hin. Zwei aus der anderen Reisegruppe verdrückten sich zwischenzeitlich ganz geschickt und als wir beim Parkplatzkommandeur, wo es übrigens auch Eintrittskarten gab, drei von diesen kaufen wollten (war von vornherein unsere Absicht) kriegten wir vier und wurden noch bei der Herausgabe des Wechselgeldes beschissen. Verbuche ich jetzt mal auf das Konto Lehrgeld. Im Stadion angekommen versuchten einige Fußballfreunde über die Friedhofsmauer den Weg auf die Tribünen abzukürzen. Die humorlosen Ordner unterbanden aber dieses Ansinnen rustikal. Die Friedhofsmauer hat durch die ganze Aktion ein wenig an Höhe verloren.

Im Stadion lief uns dann noch Maxi aus Berlin über den Weg. Der war übrigens mit gleicher Zugverbindung wie wir in Poznan, fuhr dann aber mit einem total überfüllten Nachtzug in den polnischen Pott. Im Schlepptau hatte er noch einen Frankfurter und zwei Offenbacher (schon lustig in welchen Konstellationen Fußballfreunde durch Europa reisen).

Eine Viertelstunde vor dem Anpfiff war der Gästeblock schon prächtig gefüllt und ein Wassertransportwagen der staatlichen Ordnungsmacht wartete direkt davor auf seinen Einsatz. Übrigens vergebens.

 

 
Spiel:

Das Spiel hatte Rasse und auch ein bisschen Klasse.

Tore: 0:1 (23. Min.) Srutwa, 1:1 (62. Min.) Solnica, 1:2 (63. Min.) Bonk, 2:2 (73.  Min.) Kaszowski.

Stimmung:

Fangen wir bei den Gästen an. Dort gab es zwar keine optischen Aktionen zu bestaunen, dafür wird das lang gezogene „Ruuuch!“ noch lange in meinen Ohren hallen. Der heimische Anhang wusste aber auch zu gefallen. Supporttechnisch ganz ok und obendrein mit sehr schönen optischen Aktivitäten. Zum Intro gab es einen Kassenrollenwurf. Später sogar noch eine herrliche pyrotechnische Einlage.

   

   

   
Vereine:

Offiziell wurde Gliwicki Klub Sportowy Piast Gliwice im Jahre 1945 gegründet. Zwar gab es davor schon einen recht erfolgreichen Fußballverein in der Stadt (SC Vorwärts Rasensport Gleiwitz, gegründet 1926 und mehrfacher Teilnehmer an der Endrunde zur Deutschen Meisterschaft), aber eine direkte Verbindung zu den beiden Vereinen wäre wohl zu weit hergeholt. Eine Aufzählung aller Vereinsnamen der letzten 60 Jahre schenke ich mir an dieser Stelle.

Ruch Chorzow ist im Jahre 1920 unter dem Namen KS Wielki Hajduki gegründet worden. Hajduki, genau wie Chorzow, war Anfang der 20er Jahre ein Teil von Königshütte. 1923 fusionierte der Verein mit dem Bismarckhütter Ballspielclub zum KS Ruch BBC Wielki Hajduki, der kurze Zeit später in KS Ruch Wielki Hajduki umbenannt wurde. Ruch heißt wörtlich übersetzt Bewegung. Von 1939 bis 1945 wurde aus Chorzow wieder Königshütte und der Fußballverein wurde erst aufgelöst und kurze Zeit später aus dem alten Verein (Ruch) und dem TS Jahn neu gegründet. 1945 folgten die erneute Auflösung und eine direkte Neugründung unter dem Namen KS Ruch Chorzow. Zwar wechselte noch einige Mal der Vereinsname, doch das „Ruch“ blieb stets dessen Bestandteil. Mit neun Meistertiteln (1951, 1952, 1953, 1960, 1968, 1974, 1975, 1979 und 1989) und drei nationalen Pokalsiegen (1951, 1974 und 1996) gehörte Ruch Chorzow zu einem der erfolgreichsten Vereinen in Polen. Der Abstieg Ruchs ist eng mit dem Niedergang des Bergbaus verbunden.

   
Stadion:

Das Stadion Piast ist wohl im Jahre 1926 für den SC Vorwärts Rasensport Gleiwitz errichtet worden. Es besticht zunächst einmal durch die klaren Formen. Die Zuschauerbereiche laufen ovalförmig um die Laufbahn. Auf beiden Seiten der Geraden gibt es mit Schalensitzen ausgestattete unüberdachte Tribünen. Diese Sitze sind in den Vereinsfarben blau und rot gehalten. Direkt an die Haupttribüne ist das Vereinsheim inklusive Gaststätte und Umkleidekabinen gebaut. In den Kurven gibt es ein paar Stufen auf den man sitzen und stehen kann. Einzig der Gästeblock wirkt durch die Nähe zur Haupttribüne ein wenig deplaziert. Fußball- und Stadionpuristen dürften ihre Freunde am Stadion Piast haben. Die offizielle Kapazität liegt übrigens bei 6.000 Zuschauern.

Wer sich mal nach Gliwice verirren sollte, dem sei das Bigos (eine Kombination aus verschiedenen Kraut- und Fleischsorten) ans Herz gelegt. So lecker, dass es einem die Schuhe auszieht und mit 4 Zloty auch sehr preiswert.

 

 

Tageskilometer:                    20 km mit dem Auto von Ruda-Slaska nach Gliwice

Saisonkilometer:           17.274 km (5.900 km Flugzeug, 7.834 Km Bahn, 3.127 km KFZ, 170 km Fähre, 650 km Bus)

zum Vergleich 04/05: 39.952 km (23.213 km PKW, 5.677 km Bahn, 10.962 km Flugzeug)

 

Fortsetzung
 
Grüße an Gallendieter, VfB-Markus und See
 
[zurück zur Übersicht]