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Bereits vor den Barcelona-Spielen war klar, dass der FC Schalke im Falle eines Weiterkommens bei Slavia Prag oder dem U. S. Palermo antreten wird. Prag hätte den Vorteil der kurzen Anreise gehabt, Palermo hingegen den Vorzug, dass es im fußballerischen Traumland liegt. Nun ja, Palermo ist es dann schlussendlich auch geworden und bescherte mir unzählige Stunden im weltweiten Netz. Wie kommt man recht günstig von Berlin nach Sizilien? Eigentlich gar nicht, zumindest nicht so kurzfristig. Die „Zaunfahnen-Crew“ wählte die Route Weeze-London-Palermo, diese schied für mich aber leider aus, weil es keine günstigen Flüge in die englische Hauptstadt gab. Auch die Variante über Neapel oder Malta und dann weiter mit der Fähre nach Sizilien erwies sich als viel zu teuer. Letztlich war dann klar, dass es über Pisa und Rom nach Palermo gehen sollte. Später fand ich dann aber noch eine kleine italienische Billigairline, wodurch ich nicht nur acht Euro und den Zwischenhalt in Rom sparte, sondern auch das frühe Aufstehen. Los ging es also am Mittwochabend von Berlin-Schönefeld nach Pisa und bis auf die nervigen orangefarbenen Saftschubsen war der Flug recht ereignislos. Zur Einstimmung wurde in der Vorbereitungsphase der MP3-Player mit herrlicher italienischer Volksmusik á la Derozer, Attarassia Gröp, Ramiccia und Los Fastidios voll gepumpt. In der Stadt mit dem schiefen Türmchen angekommen, ging es mit dem Bus (für 0,85 Euro) in die Stadt. Danach erst mal standesgemäß eine feine Pizza mit einem halben Liter Rotwein runtergespült, war der letzte Stopp des Tages das vorgebuchte Hotel. Gemütlich wurde dann der nächste Morgen angegangen. Zeitig aufgestanden und dann noch ein bisschen durch Pisa bei angenehmen Temperaturen und viel Sonnenschein gelaufen. Obwohl ich es eigentlich vermeiden wollte, stand ich dann doch irgendwann vor dem schiefen Turm (zum dritten Mal, Pisa ist halt doch recht klein), um zur Mittagszeit dann wieder den nur einen Kilometer entfernt liegenden Flughafen anzusteuern. Nach der Gepäckaufgabe ging es dann zum ersten Mal an diesem Tag durch die Sicherheitsschleuse. Der kleine Flughafen verfügt über nur acht Flugsteige und einer recht kleinen Abflughalle, in der sich ca. zwei Millionen Menschen zusammenquetschten. Kurz auf den Monitor geguckt und schon lüftete sich das Geheimnis dieser Zusammenrottung, denn jede zweite Maschine war 2-3 Stunden verspätet und die andere Hälfte der Flüge gestrichen. Bei meinem Flug fehlte jeglicher Hinweis, genau genommen war er gar nicht angeschlagen. Na dann wird er ja wohl pünktlich um 12:50 Uhr starten, so mein recht naiver Gedanke. An meinem Gate standen aber noch die Reisenden nach München, deren Flug um 10:30 Uhr starten sollte. Die Zeit verging, mittlerweile war es 12:50 Uhr und natürlich gab es keine einzige Infofigur in der Halle. Also kurz mal den Typ gefragt, der Bustickets für London verkaufte und als Antwort bekommen, dass heute Vormittag die all monatliche Reinigung der Landebahn durchgeführt wurde! Hallo? Geht’s noch? Da in der Halle keine Infofigur aufzutreiben war, ging es dann erstmal rückwärts durch die Sicherheitskontrolle um eine zweite Meinung einzuholen. Wundersamerweise die gleiche Antwort bekommen (so richtig glauben kann ich das bis heute nicht). Und wo ich gleich so beim Fragen war, gleich mal die zweite hinterher geschoben, wann denn mit meinem Abflug Richtung Palermo zu rechnen ist. Die nette Dame am Info-Stand meinte dazu, dass wohl vor 16:30 Uhr nicht damit zu rechnen sei. Diese Antworte kollidierte natürlich mit der Anstoßzeit um 18 Uhr, denn mit dem Bus vom Flughafen in die Stadt braucht man ja mindestens eine Dreiviertelstunde. Nach diesem zweiten Schock habe ich dann erstmal das Flughafengebäude zwecks Nikotinaufnahme verlassen und als ich dieses wieder betrat, erblickten meine königsblauen Äuglein am Monitor: Palermo 13:50 Uhr! Ha, na geht doch. Also zum zweiten Mal durch die Sicherheitsschleuse und als ich mich durch die Milliarden von Menschen zu meinem Gate vorgekämpft hatte, gab es wieder eine neue Zeitangabe. 14:15 Uhr! Mio Dio! Zum Glück hatte ich noch ein paar Fanzines gegen die Langeweile eingepackt und so durfte ich in Klönschnack Nr. 2 und 3 von den Europapokaltouren des HSV lesen. Trotz der durchaus interessanten Lektüre beschlich mich dann doch langsam die Angst, dass das heute wohl nix mehr werden könnte. Nach ein paar Seiten wanderten die Augäpfel vom Heftchen hin zum Monitor und dort gab es gleich den nächsten Schocker: 14:45 Uhr! Wieder wurde der Rückwärtsgang eingelegt um nach einem Büro der Billgairline Ausschau zu halten. Vergebens. Folglich wurde zum dritten Mal an diesem Tag das Handgepäck durchleuchtet. Mittlerweile war es auch schon 14:15 Uhr und als ich wieder an meinem Gate angelangte, passierte natürlich genau dass womit jetzt jeder an dieser Stelle rechnet. Richtig, neue Abflugszeit 15:15 Uhr! Irgendwas musste jetzt passieren! Flugzeugentführung, Geiselnahme oder ähnlich blinder Aktionismus. Ich habe mich dann dazu entschieden die Halle erneut zu verlassen und weitere Informationen zu sammeln. Nicht, dass das irgendwas an der Abflugzeit geändert hätte, aber tatenlos in der Ecke sitzen bringt genauso viel. Als erstes habe ich dann die Arrival-Time mit der Departure verglichen und dort durchaus eine gewisse Logik feststellen können (z. B. Arrival Munich 1500, Departure Munich 1530). Aber ausgerechnet bei Palermo passte diese Gesetzmäßigkeit überhaupt nicht, denn dort stand bei Arrival 1650 und Departure 1515. In Ermangelung eines Auskunftsbüros habe ich mich in irgendeine Schlange bei der Gepäckaufgabe eingereiht und als ich endlich dran war, habe ich der dort sitzenden Dame diese Unlogik vorgetragen. Darauf erwiderte diese, dass meine Maschine gar nicht aus Palermo, sondern aus Bologna kommt und 15:15 Uhr jetzt wirklich stimmt. Dann möge sie doch bitte dort anrufen und fragen, ob der Vogel da wirklich abgehoben hätte, so meine recht unverschämt vorgetragene Bitte. Und siehe da, dass machte sie auch gleich und versicherte mir mit einem sympathischen Lächeln, dass er dies getan habe. Es folgte die vierte Durchleuchtung des Handgepäcks und als ich endlich an meinem Gate ankam wurde dort wie wild geboardet. Der erste Bus war schon auf dem Weg zur Maschine und brauchte dann eine unendliche Viertelstunde um zurückzukommen. Was macht der Italiener in solchen Situationen? Der lässt sich Zeit als ob es kein Morgen bzw. ein UEFA-Cup-Spiel gibt. Schwätzchen hier, Schwätzchen da, nur keine Hektik aufkommen lassen. Irgendwann war der zweite Bus dann auch endlich voll und fuhr die Meute zum 20 Meter (!) entfernten Flugzeug. So ein Unsinn! Wer als Letzter den Bus betritt, darf bekanntlich als Erster aussteigen. Gleich mal vorbildlich die Treppe hochgeschossen in der Hoffnung, dass es der Rest mir gleich tut (tat er natürlich nicht, erstmal muss man ja in Ruhe zu Ende telefonieren) und als ich endlich die Maschine enterte, folgte gleich der nächste Schock. Jetzt hatte die erste Busladung über 20 Minuten Zeit um die Ärsche in die Sitze zu quetschen, aber nix da, alles stand kreuz und quer in den Gängen rum. Gleich in der ersten Reihe versuchte ein Ehepaar ca. eine Tonne Handgepäck in die Fächer zu quetschen und schnitt so der Hälfte der Passagiere den Weg zu ihren Sitzplätzen ab. Mio Dio! Wieder verging eine endlose Viertelstunde, bevor sich endlich die Türen schlossen, der Vogel rollte und in den blauen Himmel startete. Mittlerweile war es 15:45 und noch genau 2 Stunden 15 Minuten Zeit bis zum Anstoß. Genau eine Stunde später setzte das Fahrwerk in Falcone-Borsellino (ca. 40 km westlich von Palermo) auf. Die erste Tat auf dem sizilianischen Boden war die fernmündliche Kontaktaufnahme mit dem Fanbeauftragten (Karten wurden erst vor Ort ausgeben) und die zweite ein Stoßgebet, dass doch bitte mein Rucksack als Erstes auf dem Gepäckband landen möge (Chance ca. 1 zu 100). Diesmal geschah Unglaubliches, denn mein Gebet wurde erhört. Mit Gepäck und strammen Schritten ging es dann hinaus in die Taxifahrermeute. Auf die ziemlich sinnlose Frage „Quanta costa per lo stadio palermo?“ antworteten gleich drei Kameraden mit „45 Euro“. Als ob ich große Alternativen gehabt hätte, willigte ich ein und gab dem Fahrer zu verstehen, dass er genau 30 Minuten Zeit hat. Der Typ gab auch wirklich alles, inklusive Überholmanöver in der Auffahrt zur Autobahn und rasanten Abkürzungen durch den Gegenverkehr. Am Stadion angekommen zeigte das Taxameter gerade mal 32 Euro an. Während ich nach der Kohle in meinen Hosentaschen kramte und meinem Chauffeur 35 Euro in die Hand drücken wollte, zeigte das Taxameter plötzlich und wundersamerweise 47,99 Euro (kein Witz) an. |
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Direkt vor der ersten Zugangskontrolle stand dann auch der Fanbeauftragte und drückte mir die Karte in die Hand. Vielen Dank an dieser Stelle fürs Warten. Die Ordner schickten mich dann erst rechts ums Stadion rum und als man dort ankam, wieder zurück. Dann also doch links rum (Unfähige Ordner, merda!). Vor dem eigentlichen Gästeblock befand sich eine kleine Stahltür, hinter der sich die Polizei breit machte. Sofort stürzten sich drei der Kameraden auf meinen Rucksack, aber außer Schlüpfer und Socken gab es dort nicht viel zu holen. Das flatschneue Taschenmesser blieb bei der „gründlichen“ Kontrolle löblicherweise unentdeckt. Durch eine Stahlröhre gelangte man dann endlich zum Gästeblock, der mit ca. 300 Schalker äußerst dürftig gefüllt war. Danach durfte ich dann gefühlte 299-mal die Frage beantworten, warum ich mein Gepäck nicht vorher ins Hotel gebracht habe. Ach ja, für die meteorologisch interessierten Leser: Sonne satt bei ca. 20 Grad. |
| Spiel: |
Das Spiel war zumindest von Schalker Seite ziemlich schwach. Palermo wirkte irgendwie entschlossener und hatte auch die deutlich besseren Möglichkeiten. Erst kurz vor Schluss landete ein Kopfball von Larsen am Pfosten. Aber das 1:1 wäre nicht leistungsgerecht gewesen. Eher das Gegenteil, Schalke konnte froh sein, nur 0:1 verloren zu haben. Tor: 1:0 (15. Min.) Franco Brienza |
| Stimmung: |
Die Stimmung im Gästeblock war in der ersten Viertelstunde, also bis zum Tor, noch ganz gut, danach kam eigentlich nix mehr. Der Großteil der Anhänger vegetierte ziemlich teilnahmslos im Block rum. Der Anhang des U. S. Palermo präsentierte sich allerdings ganz stimmgewaltig und sang die komplette Spielzeit durch. Trotz der „offiziell“ nur 10.000 Zuschauer (ich hätte eigentlich auf mind. 15.000 getippt) gaben die Jungs ordentlich Gas. |
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| Vereine: |
Der Unione Sportive Città die Palermo, so der vollständige Name, wurde offiziell erst im Jahre 1987 gegründet, nachdem sich U. S. Palermo kurz vorher aufgelöst hatte. Die Wurzeln des Vereins reichen bis in das Jahr 1898 zurück und er hieß zunächst Anglo-Panorimitan Athletic and FC Palermo, später Palermo FBC. Im Jahre 1927 fusionierte Palermo FBC mit Vigor Palermo und 1941 mit Juventina Palermo zum AC Palermo. Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges hieß der Verein bis 1967 US, dann bis 1977 SS und danach schließlich SSC Palermo. Zum ersten Mal in den Analen der ersten italienischen Fußballliga tauchte der Verein im Jahre 1922 auf (allerdings nur in der abtrünnigen Confederazione Calcistica Italiana (CCI), die aufgrund von Streitigkeiten eine eigene Liga gründete). Von 1932 bis 1936 spielte dann Palermo zum ersten Mal in der Serie A. Auch nach dem zweiten Weltkrieg stiegen die Sizilianer einige Male in die erste Liga auf, genauso häufig allerdings wieder ab. Im Mai 1904 (ob es wirklich der 4. Mai war, ist historisch nicht belegt) wurde der SC Westfalia 04 Schalke gegründet. Im Jahre 1912 schloss sich kurzeitig (bis 1913) die Fußballabteilung dem TV 1877 Schalke an. 1919 erfolgte die Fusion des TV 1877 Schalke zum TuS 1877 Schalke an. Ab 1924 nannte sich die Fußballabteilung FC Schalke 04. Insgesamt sieben Mal Deutscher Meister (1934, 1935, 1937, 1939, 1940, 1942 und 1958), viermal Pokalsieger (1937, 1972, 2001 und 2002) und einmal UEFA-Cup Sieger (1997). Die ganze Geschichte ist hier zu finden. |
| Stadion: |
Das Stadio Renzo Barbera ist ein richtig schönes Stadion. Die Form ist oval, obwohl es nicht über eine Laufbahn verfügt. gibt über zwei Ränge und eine sehr wuchtige überdachte Haupttribüne. Zwischen dem oberen und unteren Teil dieser Haupttribüne findet der Betrachter ziemlich stilvolle Bögen vor. Das Stadion ist benannt nach dem ehemaligen Vereinspräsidenten. Die Spielstätte liegt westlich der Innenstadt und ist am besten mit dem Bus (z. B. der Nr. 101) zu erreichen. Vom Flughafen aus gesehen liegt es vor der Stadt, wo auch normalerweise der Zubringerbus hält. |
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Tageskilometer: 980 km Berlin - Pisa, 620 km Pisa - Fallcone-B. und 40 km von Fallcone-B. - Palermo Saisonkilometer: 28.358 km (9.384 km Flugzeug, 12.574 Km Bahn, 5.887 km KFZ, 170 km Fähre, 650 km Bus) zum Vergleich 04/05: 39.952 km (23.213 km PKW, 5.677 km Bahn, 10.962 km Flugzeug) |
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Grüße an den Cobuger, Benny-Hagen, Neubeckum-Tobi, Angerstein-Holger und den Kölner! |
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