[zurück zur Übersicht]

 

                   IV liga, Grupa Sląska II, Saison 05/06, 05.11.05             

 

    2:3

 

GKS Grunwald Ruda Slaska - AKS Mikolow

 

Ruda Slaska-Halemba, Stadion Grunwald (ca. 350 Zuschauer)

 

 

Als der Schlusspfiff im Stadion Lecha ertönte machten wir uns sofort auf in Richtung Stadionkneipe um die Sucht nach leckerem Lech(z) zu stillen. Allerdings lachte uns kurz vor dem Eingang der Schenke der Spielertunnel an und so turnten wir noch ein bisschen auf dem heiligen Rasen rum und schossen ein paar Erinnerungsfotos für die Lieben daheim.  

Nachdem der Durst notdürftig gestillt worden war, machten wir uns auf um eine Übernachtungsmöglichkeit (alternativ ein Abendprogramm) zu finden. Da wir auf dem Hinweg kein Hotel oder ähnliches entdeckten, versuchten wir es in der anderen Richtung. Natürlich stellte sich jetzt der Leser die Frage warum wir uns nicht im Vorfeld darum gekümmert haben. Hatte aber einen triftigen Grund, denn wir wollten wenigstens noch ein bisschen flexibel sein.

Nach ca. 2 km fanden wir dann eine Herberge. Kurz die Preise abgecheckt (eigentlich zu teuer, aber egal) und schon drückte uns die sehr nette Dame am Empfang einen Zimmerschlüssel in die Hand. Exakt fünf Stunden, der kleine Zeiger stand auf der Fünf, bekam sie diesen wieder mit den Worten „Do widzenia!“ zurück.

Das Taxi zum Bahnhof brauchte eine Viertelstunde und die Zeit bis zur Abfahrt unseres reservierungspflichtigen Zuges um 5:50 Uhr nach Zabrze vertrieben wir uns mit dem Spiel „von polnischen Bahnbeamten verarschen lassen!“ Ist eigentlich ganz einfach, man braucht dazu nur einen Bahnschalter mit ein paar Leuten davor. Dort muss man sich einfach anstellen und warten bis man dran kommt. Ist man dann endlich an der Reihe, sagt man „dwie rezerwacja!“ und schiebt einen Zettel mit der gewünschten Zugverbindung hinterher. Die Dame hinter der Glasscheibe muss den Regel zufolge jetzt mit dem Finger auf eine andere Kasse zeigen, wo natürlich auch eine Schlange davor steht. Hat sie auch, in dem Fall Kasa 1 – international. Wir uns also wieder angestellt, noch hatten wir ja Zeit, und als wir endlich an der Reihe waren, machten wir genau das was wir zuvor schon an Kasa 9 gemacht haben. Diese Dame beherrschte das Spiel aber noch besser und verwies uns mit englischen Worten zur Kasse 9. Wir ganz multilingual, erzählten der Bahnbeamtin, dass wir von 9 nach 1 geschickt wurden. Ihre Reaktion darauf: „She told you wrong!“ – ungefähr in dem Tonfall: „Die Alte hat euch totalen Mist erzählt und ihr seid so bescheuert euch von der Trulla durch die Gegend zu jagen lassen!“ Dass der Dialog damit beendet war, deutete sie damit an, in dem sie die Vorhänge zu zog. Aber Gott sei Dank war ja noch Kasa 2 auf und da ging es ganz flott mit dem Drankommen. Wieder: „dwie rezerwacja!“ plus Zettel. Reaktion des Beamten war diesmal ein wortkarges Achselzucken in Verbindung mit einem Fingerzeig Richtung Kasa 1 und als Krönung das Zuziehen der Vorhänge gepaart mit dem Verschwinden ins Nirvana des Poznan Glowna. Trotzdem ging die polnische Staatsbahn nicht als Sieger aus diesem ungleichen Duell hervor. Wir bekamen zwar nicht die so sehnlich gewünschten Reservierungen, die Bahn aber auch nicht unsere Kohle. Diese investierten wir dann lieber in starken Kaffee.

Kaum im Zug Platz genommen kam natürlich das was kommen musste. „Rezerwacja?“ die etwas plumpe Frage des Schaffners. „Nie“ darauf unsere Antwort. Er zog daraufhin mit meinem Eurodomino-Ticket ab und kam erst nach einer Viertelstunde und gab es mir kommentarlos zurück. Den Rest der Zeit verbrachten wir dann dösend.

Als wir dann endlich den polnischen Kohlenpott, genauer Zabrze (welche sinnigerweise Partnerstadt von Essen ist) erreichten,  mussten wir einfach am Bahnhofsausgang ein paar Meter nach links gehen und schon standen wir inmitten des Busbahnhofes.

Die Fahrscheine muss man in Polen übrigens nicht im Bus, sondern in einen Kiosk kaufen. Mit dem Bus 198 ging es dann zum Teddy-Möpschen-Gedächtnisspiel (Insider) in Ruda Slaska. Nach kurzen 25 Minuten im Bus stiegen wir an der Haltestelle Osiedle I aus und fragten einen jungen Mann, der mit uns aus dem Bus verließ, nach dem Weg zu Grundwald Ruda Slaska. Der verstand aber weder englisch noch deutsch und wir leider kein polnisch. Wir konnten ihm noch klar machen, dass wir zum Fußball wollten, worauf der junge Mann erst den Kopf schüttelte, laut lachte und uns dann zu verstehen gab, dass er wir ihm einfach folgen sollen. Nach zehn Minuten erreichten wir den Sportplatz, den wir ohne fremde Hilfe nie gefunden hätten, und bedankten uns bei unserem Wegweiser. Jetzt dachten wir, dass er sich auch das Derby zwischen Ruda Slaska und Mikolow ansehen wollte. Aber er kehrte einfach um und ging den Weg zurück. War uns dann doch ein bisschen peinlich.

Der Eintrittspreis lag diesmal bei 6 Zloty und pünktlich zum Anpfiff betraten wir die Spielstätte. Ein kurzer Blick über die mit ca. 350 Zuschauern gefüllte Betontribüne reichte, um drei Fremdkörper auszumachen. Wie sich schnell herausstellte handelte es sich um die Reisegruppe Gallendieter und unsere Mitfahrgelegenheit zum Spiel in Gliwice.

 

 
Spiel:

Nicht das das Spiel so schlecht war, aber aus logistischen Gründen mussten wir es bei einer Halbzeit belassen.

Tore: 0:1 (33. Min.) Michalak, 1:1 (53. Min.) Starowicz, 1:2 (61. Min.) Kulisa, 2:2 (78. Min.) Tokarz, 2:3 (85. Min.) Lach.

Stimmung:

Vorwiegend Rentner saßen auf den grünen Sitzen, dazu noch links und rechts davon ein paar Kleingruppen von Jugendlichen. Der Gästeblock blieb leer. Stimmung kaum.

   
Stadion:

Das Stadion Grunwald hat nur auf einer Seite einen Ausbau. Ca. 15 Stufen erstrecken sich über die Länge des Spielfelds. In der Mitte dieser Tribüne befinden sich lt. Vereinsangabe 2.000 Sitzplätze. Meinen vorsichtigen Schätzungen zu Folge dürfte es aber maximal die Hälfte sein. Auf der anderen Seite gibt es nur einen Wall und einen umzäunten Gästeblock. Die Hintertorseiten sind nicht ausgebaut.

 

 

 

Tageskilometer:                 340 km mit der Bahn von Poznan nach Zabrze

Saisonkilometer:           17.254 km (5.900 km Flugzeug, 7.834 Km Bahn, 3.107 km KFZ, 170 km Fähre, 650 km Bus)

zum Vergleich 04/05: 39.952 km (23.213 km PKW, 5.677 km Bahn, 10.962 km Flugzeug)

 

Fortsetzung
 
[zurück zur Übersicht]