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Tag sechs – Spiel sechs…hätte es heißen können, da aber gestern Abend die Entscheidung zu Gunsten eines traditionellen Pubbesuchs fiel, mussten die Damen des A. F. C. Wimbledon (gegen die Arsenal Ladies) ohne meine Unterstützung auskommen. In vielen englischen Pubs wird an Donnerstagen ein Quiz veranstaltet. Dabei ist jeder Tisch, egal wie viele Leute daran sitzen, ein Team. Über eine Lautsprecheranlage werden die Fragen in den Saal getragen. Hat man dynn als Ausländer mal eine Frage verstanden, weiß man deren Antwort garantiert nicht. Selbst die eine Fußballfrage erntete meinerseits nur ein müdes Achselzucken. Spaß gemacht es aber trotzdem. Lee orderte den ganzen Abend diverse lokale Brauereiköstlichkeiten, die eins gemeinsam hatten: bitter! Diese waren wahrscheinlich auch der Grund, dass die Zugfahrt am nächsten Tag genau richtig für den ermatteten Geist war. Ziel dieser gut vierstündigen Bahnfahrt war der Jubiläumsländerpunkt (25) Wales. Obwohl Wales zum Dunstkreis des Mutterland des Fußball zählt, führt dieser ach so geliebte Sport im Land mit den schönsten Berg und Tal-Perspektiven ein Schattendasein. Obwohl der walisische Fußballverband schon 1876 gegründet wurde, gibt es eine eigene Liga erst seit 1992. Kein Wunder also, dass sich Wales nur einmal für eine Weltmeisterschaft qualifizieren konnte. Wenn ein walisischer Verein Interesse am Ligafußball hatte, musste er wie Wrexham, Swansea oder Cardiff (die wären fast sogar mal englischer Meister geworden, gewannen aber einige Jahre später den FA-Cup) nach England „auswandern“. Aber wenigstens blieb dem walisischen Fußballverband noch der eigene Pokalwettbewerb, bei dem allerdings auch vereinzelt ein paar englische Vereine mitmachen durften. 1934 standen sich im Finale zwei dieser Teams gegenüber und so wurde das Spiel auch gleich in England ausgetragen. Später wurde dieser Wettbewerb aber dadurch aufgewertet, dass der walisische Pokalsieger automatisch für den Europapokal der Pokalsieger qualifiziert war. Als später die UEFA nur noch Europapokalteilnehmer mit einer eigenen Liga zulassen wollte, wurde die walisische Nationalliga gegründet und der Verband zwang die Vereine, England den Rücken zu kehren. Nach einigem Hin und Her und Gerichtsprozessen kehrten alle, bis auf die drei Profivereine (Wrexham, Cardiff und Swansea) heim und spielen seitdem in der Welsh Premier League oder gar darunter. Die drei restlichen Vereine dürfen nun auch nicht mehr im nationalen Pokalwettbewerb antreten, weil Wales sonst die Startberechtigung auf europäischer Ebene verlieren würde. |
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Nach Umstieg in Swansea und gut halbstündiger Zugfahrt, teilweise am Meer entlang, kamen wir frühzeitig in Carmarthen (walisisch Caerfyrddin) an. Meine Leserschaft weiß natürlich, mit welcher Berühmtheit dieser Ort verbunden ist. Richtig, Merlin soll der Sage nach hier das Licht der Welt erblickt haben. Sofort steuerten wir die günstige Übernachtungsmöglichkeit gemäß dem Lonely Planet Reiseführer an, aber die „B&B-double-40-Pfund“-Variante war leider schon voll belegt. Also Nr. 2 auf Liste (auch 40 Pfund) angesteuert. Hier waren rein gar nix belegt, dafür war der Pub inklusive Pension gar nicht erst geöffnet. Damit waren wir erst mal mit dem Latein bzw. Walisisch am Ende und klapperten die Hotels ab. Am günstigsten erwies sich die Zweisternevariante die erstaunlicherweise billiger war als die Hotels mit drei Sternen. Manchmal müssen eben auch die einfachsten Naturgesetzte einer nochmaligen Überprüfung unterzogen werden. Es kann ja schließlich immer mal sein, dass manches eben doch nicht so ist wie es scheint. 58 Pfund betrug der Preis für ein Doppelzimmer mit Einzelbetten, was zwar deutlich über dem Budget lag, aber mittlerweile war auch alles egal. Jeden Abend habe ich Kassensturz gemacht und jeden Abend habe ich entsetzt festgestellt, dass ich entweder beklaut worden bin, mich einer beim Wechselgeld beschissen hat oder das ich die ein oder andere Pfundnote verloren haben muss. Jeden Abend die Ausgaben des Tages zusammenaddiert und festgestellt, dass keine meiner Vermutungen zutraf, sondern hier alles so arschteuer ist. Das ausgewählte Hotel hatte aber nicht nur schöne Zimmer, sondern auch noch einen richtig schönen alten Pub. Aber dazu später mehr. Nun aber zum eigentlich Grund der Reise. Vom Hotel aus schlenderten wir dann noch ein bisschen durch die Stadt hin zum Stadion. Dabei ist der Eingang gar nicht mal so einfach zu finden. Eigentlich ist er gar nicht zu finden, denn es gibt ihn praktisch gar nicht. Wer die gleiche amüsante Erfahrung machen will wie wir, der überliest jetzt die nachfolgenden Zeilen. Gegenüber einem Lidl-Markt stehen auf der anderen Straßenseite ein paar Häuser. Für eine Stadt jetzt nicht so sehr ungewöhnlich. Eines der Häuser beherbergt eine Kneipe. Wer sich nun in diese begibt und nach dem Eingang zum Ground fragt, der wird vorbei an den Toiletten in eine Art Hinterzimmer navigiert. Dort gibt es eine Tür, die ins Freie führt. Sesam öffne Dich – und nach ein paar Schritten lächelt dich der Kassierer an und verlangt fünf Pfund. Freiwillig kann dann noch für ein Pfund das für mich eh schon obligatorische Programmheft erwerben. |
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| Spiel: |
Dass es sich bei dem Spiel heute um die Partie des Fünften gegen den Vierten handelte wussten wir schon. Wir wussten auch, dass Llanelli (viel Spaß beim Aussprechen des Namens und äußerste Vorsicht beim Gegenüber) nicht weiß von Carmarthen entfernt ist. Aber dass es gleich ein Derby ist, wussten wir nicht. Es war ein unterhaltsames und spannendes Spiel. Von Beginn an spielten beide Mannschaften auf Sieg und verzichteten auf unnötiges Ballgeschiebe im Mittelfeld. Einzig die mangelhafte, gar ungenügende Chancenauswertung wurde dieser Partie nicht gerecht. Der Treffer des Tages fiel erst wenige Minuten vor dem Ende. Dafür sorgte aber der Linienrichter für Unterhaltung, da er in ständigem Dialog mit den Spielern stand. Tore: 0:1 (85. Min.) Harrhy |
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| Stimmung: |
741 Zuschauer waren ungefähr doppelt so viele wie gewöhnlich bei den Heimspielen. Die ca. 100 Gästefans gaben ihre Identität erst beim Torjubel preis. Obwohl es keine Anfeuerungsrufe oder dergleichen gab, war die Stimmung trotzdem ganz gut, denn jede gute Szene (und davon gab es verdammt viele) wurde akustisch von den Zuschauern unterlegt. |
| Stadion: |
Eine kleine, aber feine überdachte Sitzplatztribüne findet der Stadionbesucher auf der einen Seite, während gegenüber ein Gebäude steht, welches die Umkleideräume im Untergeschoss und eine Art VIP-Bereich in der oberen Etage beherbergt. Wer stehen möchte, kann dies entlang des Spielfelds. Es gibt sogar einen kleinen Fanshop wo allerlei Devotionalien und vor allem alte Programmhefte angeboten werden. Allein hier kann man schon etliche Zeit verbringen. Alles in Allem ein wirklich netter Ground. |
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Tageskilometer: 340 km mit der Bahn von London nach Carmarthen Saisonkilometer: 23.736 km (6.842 km Flugzeug, 10.534 Km Bahn, 5.847 km KFZ, 170 km Fähre, 650 km Bus) zum Vergleich 04/05: 39.952 km (23.213 km PKW, 5.677 km Bahn, 10.962 km Flugzeug) |
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