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                  1. Bundesliga, Saison 05/06, 19.03.06                                 

 

   3:0  

 

FC Bayern München - FC Schalke 04

 München, Allianz-Arena (69.000 Zuschauer, ausverkauft)

 

 

Eigentlich sollte es nach dem Damen-Spiel zum Tabellenletzten Srbija München gehen, da aber deren Spiel auch den Bodenverhältnissen zum Opfer fiel, konnte ich Holger überreden in die Stadt zu fahren, um im Augustiner gepflegt Mittag zu essen. Holger, sonst ja eher auf seine Figur bedacht, fand die Idee ganz hervorragend und eine halbe Stunde saßen wir bei Diät-Eisbein mit Diat-Sauerkraut und natürlich Diät-Bier.

Recht früh ging es danach raus zur Allianz-Arena und während der Fahrt machte ich mir erst die Hosen voll (nicht wörtlich nehmen) und anschließend mein Testament. Aber trotz der angersteinischen Fahrweise erreichten wir das arenaeigene Parkhaus lebend. Zwei Stunden vor dem Anpfiff wurden die extrem laschen Sicherheitskontrollen passiert, um schon mal den ersten Eindruck der Arena, die „Fußball in einer neuen Dimension“ verspricht, zu gewinnen.  Erste Auffälligkeit war, dass man sich recht ungehindert im Stadion (ähh Arena) bewegen konnte und nicht von irgendwelchen Blockabsperrungen oder ähnlichem daran gehindert wurde. Die Ordner zeigten sich freundlich und hilfsbereit, fast schon ein Novum in bundesdeutschen Stadien.

 

 

Für den Konsumenten (altdeutsch Fan) stehen auch zwei Lokalitäten, die die Namen lokaler Brauereien tragen, zur Verfügung. Auf der Südseite, also eher für die Fans (neudeutsch Konsumenten) der Gastmannschaft, ist das der Hacker-Psycho-(oder so)-Treff. Beim ersten Anblick eher grauenhaft, entpuppt sich doch bei genauer Inspektion diese Einrichtung als gar nicht mal so übel. Auf den Leinwänden lief die Berichterstattung zur zweiten Liga und das Bier wurde zudem noch in Gläsern ausgeschenkt. Nur die Preise ließen beim Verzehr keine Freude aufkommen.

Die Zaunfahnencrew war löblicherweise auch schon da und so gab es bis zum Anstoß eigentlich nur ein Thema: Sofia! Direkt mal wieder UEFA-Cup Blut geleckt und so weit sind ja 2.000 km auch nun wieder nicht, zumal im Ostblock. Aber noch sind es ein paar Tage bis dahin.

Eine Viertelstunde vor Anpfiff ging es dann hoch in den 3. Rang, wo sich die Gästeblöcke bei den Bayern-Heimspielen befinden.

 
Spiel:

Eins war mal klar, entweder gewinnen und noch um Platz zwei kämpfen oder untergehen und dann wenigstens noch den dritten Platz klar machen. Daher durften heute keine Gefangenen gemacht werden.

So dachten wahrscheinlich auch die Spieler, denn gerade die erste Halbzeit war geprägt von Nickeligkeiten, Rudelbildungen und sonstigen unschönen Szenen. Ein typisches Spitzenspiel also, denn atemraubende Torraumszenen gab es mal gar nicht. Trotzdem konnte man aus königsblauer Sicht recht zufrieden sein (sieht man mal von dem Blindfisch in Schwarz ab, der Poulsen die gelbe Karte zeigte), denn die Mannschaft spielte zumindest defensiv recht gut. Froh gelaunt ging man dann zum Halbzeitbierchen in der Hoffnung, dass man sich heute keinen fängt und irgendein krummer Torschuss hinter Oliver Kahn einschlägt.

Aber, Aber…man war noch nicht ganz im Block zurück, da schlug einem der rote Jubel entgegen. Im Prinzip war das schon der Genickschuss, denn die Bayern wurden zusehends stärker, während die Gäste aus dem schönen Gelsenkirchen im gleichen Maße abbauten.  Keine zehn Minuten später schlugen die Bayern erneut zu und die Niederlage (von Meisterschaft will ich gar nicht reden, die haben wir schon im ersten Saisondrittel verspielt) besiegelt. Schalke spielte bis zum ersten Tor eigentlich ganz gut mit, hatte vielleicht auch leichte Feldvorteile. Aber danach konnte die Mannschaft nicht mehr zulegen.

Fazit: Letztlich verdiente Niederlage, einziges Ärgernis ist nur, dass heute auch ein Sieg drin gewesen wäre, denn so stark waren die Hausherren nun auch wieder nicht.

Tore: 1:0 (48. Min.) Salihamidzic, 2:0 (56. Min.) Pizarro, 3:0 (89. Min.) Makaay

Stimmung:

Konservativ geschätzt waren mindestens 12.000 Schalker in München und das ist für ein Sonntagsspiel ganz beachtlich. Auf optische Intros haben beide Seiten verzichtet, sieht man mal von der Fahnenwinkerei im Unterrang der Bayernkurve ab (denn die Winkerei setzte sich später fort, also im Prinzip so eine Dauerfähnleinschwenkerei). Aufgrund der akustischen Entfernung (verstanden?) zum Heimblock, kann man den dortigen Support nicht bewerten. Im Gästeblock ist zumindest nix angekommen. Die Unterstützung für die Gastmannschaft würde ich als überdurchschnittlich bezeichnen. Es war laut und so manches Liedchen kam ganz gut rüber. Im zweiten Durchgang wurde dann wenigstens durch gesungen, was aufgrund der sportlichen Darbietung nicht selbstverständlich war. Sicherlich trug der Platz direkt unter dem Dach auch zu dieser Lautstärke bei.

 

 
Vereine:

Am 27.02.1900 traten einige Spieler aus dem MTV 1879 München (wo seit 1897 Fußball gespielt wurde) aus und gründeten am gleichen Tag Bayern München (blau-weiße Vereinsfarben). 1906 fusionierten die Bayern mit dem Münchner Großverein MSC und trugen fortan rot-weiße Spielkleidung. Neun Jahre später lösten sich die Bayern aus der Fusion und schlossen mit TV Jahn zum TuSpV Jahn München zusammen. Aber auch diese Fusion wurde nach nur vier Jahren gelöst. Der FC Bayern München ist der erfolgreichste Verein in Deutschland: 18 Mal Deutscher Meister (erstmalig 1932), 11 mal Pokalsieger, Vier mal Gewinner des Europapokals der Landesmeister (2001 CL), dazu noch je einmal Gewinn des Europapokals der Pokalsieger und des UEFA-Pokals sowie zweimaliger Weltpokalsieger (eine sehr gute Fanseite ist hier zu finden).

Im Mai 1904 (ob es wirklich der 4. Mai war, ist historisch nicht belegt) wurde der SC Westfalia 04 Schalke gegründet. Im Jahre 1912 schloss sich kurzeitig (bis 1913) die Fußballabteilung dem TV 1877 Schalke an. 1919 erfolgte die Fusion des TV 1877 Schalke zum TuS 1877 Schalke an. Ab 1924 nannte sich die Fußballabteilung FC Schalke 04. Insgesamt sieben Mal Deutscher Meister (1934, 1935, 1937, 1939, 1940, 1942 und 1958), viermal Pokalsieger (1937, 1972, 2001 und 2002) und einmal UEFA-Cup Sieger (1997). Die ganze Geschichte ist hier zu finden.

Stadion:

Schlappe 340 Millionen Euro hat die Allianz-Arena gekostet und gehört zu gleichen Teilen dem TSV 1860 München und dem FC Bayern München. Standort dieser neuen Spielstätte ist Fröttmaning und damit ziemlich abseits irgendwelcher Amüsiermöglichkeiten. Außer ca. 10.000 Parkplätzen und einer nicht gerade nahe gelegen U-Bahn-Station gibt es hier nur plattes Land.

Die offizielle Zuschauerkapazität liegt bei 69.901 (bei Umbau der Steh- in Sitzplätze 66.000) Plätzen, die sich wie folgt aufteilen: 20.000 im Unterrang, 24.000 im mittleren Rang und 22.000 im Oberrang. Wobei, wie gesagt, die Kapazitäten schwanken. Dazu kommen noch mal 2.200 Businessseats und 400 Presseplätze. Für die Konsumenten gibt es 28 Fress- und Trinkenbuden, zwei restaurantähnliche Stätten und sage und schreibe 550 WC-Kabinen. Lange Schlangen wie in ähnlichen Etablissements haben sich zumindest nicht gebildet. Auch die Wartezeiten an den Kiosken waren erfreulich kurz. Kürzer zumindest als in Gelsenkirchen. Kulinarisch waren die dort feilgebotenen Waren allerdings nicht sonderlich empfehlenswert und dazu noch ziemlich teuer. Auch das Bezahlsystem erinnert an ähnliche Sportarenen, denn auch hier muss man sich Guthaben auf eine Chipkarte laden, um damit im Stadion bezahlen zu können. Der Restbetrag kann nach dem Spiel wieder in Bares umgetauscht werden. Wer allerdings im Parkhaus parkt (was soll man auch sonst dort machen) muss fünf Euro dafür bezahlen. Unklar ist mir allerdings, ob nun bar oder eben mit dieser Karte.

Der Baubeginn war im Oktober 2002 und die Bauzeit betrug weniger als drei Jahre. Mal abgesehen von der ziemlich beschissenen Lage und der damit verbundenen mühsamen An- und Abreise ist die Allianz-Arena so schlecht nun nicht. Das Innenleben ist nüchtern und praktisch und die Sicht selbst vom Oberrang aus noch ganz gut. Sehr positiv zu bewerten sind die zahlreichen und zumeist recht freundlichen Ordnungskräfte sowie die Bewegungsfreiheit gerade für die auswärtigen Fans. Was der Arena fehlt, was letztlich aber allen Arenen fehlt, ist das gewisse Etwas. Sie wirkt doch ein bisschen steril und man sucht vergeblich optische Reize. Aber nun gut, das sind die Stadien der Neuzeit. Wer noch schöne alte Haupttribünen mit Holzbänken sucht, der wird sie in den Oberligen oder im Ausland finden.

 

 

 

 

 

 

Tageskilometer:                 640 km mit der Bahn von München nach Berlin

Saisonkilometer:           32.399 km (10.984 km Flugzeug, 14.658 Km Bahn, 5.887 km KFZ, 180 km Fähre, 690 km Bus)

zum Vergleich 04/05: 39.952 km (23.213 km PKW, 5.677 km Bahn, 10.962 km Flugzeug)

 

Dank an Familie T. aus M. für die Verköstigung, Gruß an Harry, Björn und die königsblauen Pappnasen aus Berlin. Dank auch Angerstein-Holger für Mitnehmen und keinen Dank für diese desolate Fahrweise, Grüße an die Zaunfahnenmenschen aus Palermo und herrlichen Dank an Freddy und Konsorten, dass der rückwärtige Nachtzug einen Sambawagen hatte. 

 
 
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