|
|
|
|
|
|
|
|
|
Der Nachtzug – neudeutsch CityNightline – hatte die Ehre mich zum Länderspiel nach Wien zu bringen. Mehr oder minder zufällig lief mir BK, ein Gladbach-Fan, der ganz besonderen Art über den Weg. BK neigt dazu andere Gladbach-Fans zu fragen, ob sie auch wirklich richtige Fans seien. Wird diese Frage dann bejaht, folgt seine Gegenreaktion: Komisch, ich habe Dich 1977 in Lodz gar nicht gesehen! So isser halt, der Klausi. Seine Frage woher wir uns denn nun kennen, musste ich Ihm ca. zehnmal beantworten. Aber so war es auch nicht langweilig und die Umsätze im Speisewagen müssten die Rekordmarke erreicht haben. Um zwei Uhr schloss dieser und ich kurze Zeit später meine Äuglein auf meiner Luxuspritsche. Erstaunlicherweise war der Schlaf recht fest und gegen halb acht in der Früh kroch ich aus meiner Falle. Zwar mit argen Kopfweh, was mir aber eigentlich immer passiert wenn ich zu lange und zu fest schlafe. Der Zug kam pünktlich am Westbahnhof an und so irrte ich erst mal durch die große Stadt, in der einst Mozart lustig vor sich hin musizierte, mit der Konsequenz, dass heute eine Süßigkeit aus Schokoladenabfällen nach ihm benannt ist. Mein Tourbegleiter Harry (quasi ein Arbeitskollege) war auch schon in der Stadt und verantwortlich für das Hotelzimmer. Großes Lob für diese Leistung, denn das Holiday Inn war nicht gerade eine Bruchbude. Allerdings kann diese Meisterleistung nicht den Fauxpas des Tages kompensieren: T-Shirt mit schwarz gelben Lettern (!!!). Kurz die Sachsen abgelegt und dann ging es ab in den 1. Bezirk, wo wir mit vier Schalkern verabredet waren. Klar, dass Harry an diesem Tag nur noch übelste Pöbeleien über sich ergehen lassen musste. Aber umgezogen hat er sich auch nicht. Gegen Mittag sprengte sich die Gruppe, weil die Herren erst mal ein Nickerchen machen mussten. So zog ich alleine weiter Richtung Prater und wem lief ich als erstes über den Weg: „Woher kenne ich Dich!“ So saß man dann in einem Wirtshaus mit dem klangvollen Namen „der englische Reiter“. War auch eine ganze nette Runde mit Anhänger des HSV, Gladbach und dem einzigen Verein aus dem Westen, bei dem sich die Fans so benehmen als kämen sie aus dem Osten (O-Ton...sach ich nicht). Später verlegten wir den Treffpunkt in das „Schweizer Haus“ in dem ein ganzer Bereich für die „deutschen“ Gäste reserviert wurde. War auch ein kluge Entscheidung, denn unser erster Biergarten war Treffpunkt für die „Erlebnisorientierten“ Österreicher. Im Schweizer Haus war dann auch mächtig Party angesagt, während vor den Türen schon die ersten Gegenstände durch die Luft flogen. Aber hier waren wir sicher wie in Abrahmens Schoss. Die Schalker waren auch schon da und Borussentom nebst Gattin rundeten die feine Gesellschaft ab. Gegen 18.30 Uhr verließ schlagartig die Mehrheit (ich tippe mal so auf ca. 5.000 Jahre Knast in Summe) den gastlichen Biergarten und strömte Richtung Stadion. Erfahren wie man nun mal ist, warteten wir noch eine Stunde, was auch wesentlich gesünder war, denn für die bereits erwähnte Mehrheit ging es im Laufschritt Richtung Stadion. Die Nachhut hatte es schon wesentlich besser und schlenderte gemütlich zur Sportstätte und durfte eine halbe Stunde vor Anpfiff die Plätze einnehmen.
Noch kurz ein Blick in die Tagepresse
Wien, die noch mal ausführlich auf die Ereignisse vom letzten Länderspiel in
Wien (1994) einging. Zitat aus dem Kurier (Mittwoch, 18. August 2004 – Seite
7): |
|
|
|
|
| Spiel: |
Hat eh jeder gesehen und war für ein Länderspiel gar nicht mal so schlecht... Tore: Alle Kuranyi, außer eins. |
|
|
|
|
|
|
| Stimmung: |
Entweder ist die Akustik im Ernst-Happel-Stadion so schlecht, oder der Anhang der Heimelf war wirklich so leise. Der deutsche Support mau wie immer, mal abgesehen von der Anfangsphase. An das Absingen der deutschen Nationalhymne während des Spiels kann ich irgendwie nicht gewöhnen. Der am meisten gefeierte deutsche Spieler war Gerald Asamoah, für den es mittlerweile schon ein eigenes Liedchen gibt. |
| Stadion: |
Das einstige Prater-Stadion wurde 1931 erbaut und fasst normalerweise 48.000 Zuschauer. Ein Verein spielt hier selten, es sei denn ein Wiener Verein trifft auf einen international einigermaßen bekannten Gegner. So ist das Ernst-Happel-Stadion so was wie das österreichische Nationalstadion. Es ist ein klassisches Mehrzweck-Stadion für Fußball, Leichtathletik und Konzertveranstaltungen. Grob unterteilt ist das Stadion in vier Bereiche, wobei jeder eine unterschiedliche Farbe hat. Auf drei Ebenen verteilen sich die Zuschauer. |
|
|
|
|
|
|
|
Tageskilometer: 1.658 km Frankfurt - Wien - Berlin (940 km Zug, 620 km Flugzeug) Saisonkilometer: 5.311 km (3.034 km Auto, 1657 km Auto, 620 km Flugzeug) |
|
|
Chaos pur, war die Devise nach dem Spiel. Zunächst einmal gab es unsinnigerweise eine Blocksperre bei dem die im Stadion verbliebenen Zuschauer noch mit einem Feuerwerk (Marke: Schützenfest in Butzbach) belästigt wurde. Dann ging es doch raus, aber erst mal für einen ersten Schwung. Eigentlich hätte man geradeaus gemusst, wurde aber so dämlich rumgeführt, dass man letztlich genau da stand wo man nicht hin sollte, nämlich inmitten der österreichischen Schlachtenbummler. Dann der Nonsens pur: Jetzt musste man quer durch den dunkeln (teilweise stockfinsteren) Prater laufen und das ohne Beleuchtung. Nach gut zwanzig Minuten kam man dann eine erste Bierbude, vor der sich ca. 40 einheimische Jugendliche (so will ich sie mal nennen) versammelten und einen Wettkampf der ganz besonderen Art veranstalteten: Böse gucken – leider verpasste ich das Finale und kann an dieser Stelle den Sieger nicht würdigen. Klar war aber, alles was nach uns kam und irgendwie deutsch aussah (wobei ich mich gerade frage, worin sich Deutsche und Österreicher außer an Sprache und Bildungsgrad unterscheiden) sich noch sportlich betätigen durfte. Wie gesagt, wo die stattliche Anzahl von Sicherheitskräften war, bleibt mir ein Rätsel. Viel Spaß beim Spiel in zwei Wochen gegen England. Harry und ich verfingen uns noch im Wiener U-Bahnnetz und fielen kurz nach Mitternacht erschöpft in die Falle. Am folgenden Tag war ich wieder voll in meinem Element und spielte für Thomas und Anja die Reiseleiterin. Die (Tor)-tour dauerte satte sechs Stunden bei brütender Hitze und zu Fuß. Während ich mich am Abend zum Flughafen Schwechart absetzte, dürften die Beiden immer noch unter dem Sauerstoffzelt liegen. Aber schön war es! |
|
|
|
|
| [zurück zur Übersicht] | |