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                   Serie A, Saison 04/05, 19.03.05                

 

 1:0

 

A. C. Siena - S. S. Lazio

 

Siena, Stadio Communale Artemio Franchi (10.491 Zuschauer)

 

 

Jedes Jahr das gleiche Spiel. Entsetzt stellt man fest, dass man noch Urlaubstage auf der Karte hat und diese tunlichst bis Ende März verballern muss. Und wie jedes Jahr dann die Frage: Wohin nur? Irgendwas was ganz exotisches, aber mit dem Auto zu erreichen und eine ordentliche Fußballliga vor Ort sollte es schon sein. Aber bevor man auch nur ansatzweise Gedanken an Bulgarien oder Albanien verschwenden konnte, entschied die bessere Hälfte: Italien! Nur bei der Region wurde dem vermeintlichen Familienoberhaupt ein gewisses Mitspracherecht eingeräumt. Spontan fiel dann die Wahl auf die Toskana, die dem Fußballuninteressierten durch seine Zypressenalleen und seiner sanften Hügel bekannt sein dürfte. Aber auch der A. C. Siena, Livorno Calcio oder Fiorentina stehen für die Region zwischen der Emilia-Romagna und Latium.

Also wieder auf nach Bella Italia, das ja auch mein Lieblingsland ist. Beim Studium der Spielpläne gab es mal wieder Hochs und Tiefs. Der erste Nackenschlag erfolgte bei der Planung des Osterwochenendes, denn die Serie A würde nicht spielen und dazu fand weder am Ostersonntag noch am Ostermontag irgendein sinnvoller Kick statt. 98% der Italiener sind Katholiken, die im weiteren Verlauf noch eine entscheidende Rolle spielen sollten. Das Hoch bei der Programmgestaltung kam dann erst kurz vor der Abreise mit der Veröffentlichung der genauen Spieltermine. Siena würde Samstagabend spielen und Livorno am Sonntagnachmittag. Somit war die erste Station Siena, die von vielen als die vielleicht schönste italienische Stadt bezeichnet wird. Kunst, Kultur und Sport standen somit im ausgewogenen Einklang.

 
Spiel:

Wenn der Vorletzte auf den 14. der Serie A trifft, kann man sich schnell ausmalen, dass dem Zuschauer keine fußballerischen Leckerbissen geboten werden. Der erste Durchgang kann also mit der Floskel Not gegen Elend (der Einheimische würde dazu wohl „bisogno contro miseria“ sagen) überschrieben werden. Aber dem Fußballgott sei Dank, erschuf dieser noch die zweite Halbzeit und in der versuchten die Protagonisten einen gepflegten Ball nach vorne zu spielen. Erfolgreicher taten dies die Mannen aus Siena und das, obwohl sie konsequent mit nur einer Spitze (Chiesa) agierten. Das goldene Tor des Tages durfte dann aber ausgerechnet der zentrale Mann in der Verteidigung erzielen (Tudor, 60. Min.) Danach entwickelte sich ein munterer Schlagabtausch, ohne dass sich das runde Leder noch einmal über die Torlinie traute.

Tor: Tudor (60. Min.)

   

 

 

Stimmung:

Bereits eine halbe Stunde vor Spielbeginn sangen sich die Lazio-Fans eindrucksvoll warm. Danach folgten zwei Ehrungen. Zuerst wurde dem Römer Trainer Guiseppe Papadopulo das (Siena) Trikot mit der Nummer 100 verliehen und von den heimischen Fans frenetisch gefeiert. Schließlich schaffte er mit Siena den Aufstieg und verließ den Verein erst im Dezember 2004 in Richtung Hauptstadt. Die zweite Ehrung kann der Fankurve von Siena zuteil. Ein Spieler legte unmittelbar einen Blumenstrauß vor die „Curvar Robur“ ab und das ganze Stadion erhob sich und spendete bedächtig Applaus. Der Support setzte darauf hinaus bzw. erst nach genau fünf gespielten Minuten wieder ein. Warum das alles? Ich weiß es nicht! Wie immer in Italien alles schön laut und melodisch, wobei der Lazio-Anhang bedeutend besser zugefallen wusste. Deren Gesänge kam wesentlich geschlossener und lauter rüber.

   
Vereine:

Mit dem Aufstieg 2004 in die Serie A ist der A. C. Siena seit fast 60 Jahren wieder erstklassig. In der Saison 1945/46 durfte der Verein aus einer der schönsten Städte Italiens schon einmal in der obersten Spielklasse mitmischen. Gegründet wurde der Club im Jahre 1904 als SS Robur Siena, allerdings wurde die Fußballabteilung erst 15 Jahre später ins Leben gerufen. 1934 folgte die Umbenennung in A. C. Siena (Associazione Calcio).

 Als am 19. Mai 1999 in Birmingham das Europapokalfinale der Pokalsieger abgepfiffen wurde, ging der S. S. Lazio in die Geschichte ein, denn es war die letzte Auseinandersetzung dieser Art und mit dem Sieg gegen RCD Mallorca sind die Römer die letzten Sieger dieses Wettbewerbs. Gegründet wurde der Verein bereits im Jahre 1886 als Società Podistica Lazio Roma; eine Fußballabteilung kam vier Jahre später hinzu. Lazio ist nicht Rom, sondern das Bezirk bzw. das Gebiet um Rom herum. Von der Tradition her eher ein Arbeiterverein bzw. ein Club für die kleinen Leute und damit das krasse Gegenteil von AS Roma. Den heute noch gültigen Vereinsnamen trägt der Verein seit 1925. Mit einigen Unterbrechungen war der S. S. Lazio erstklassig und konnte 1958 seinen ersten Titel in Form des nationalen Pokals gewinnen (1998, 2000 und 2004 wurden diese Titel erneut errungen). Der erste Meistertitel datiert aus dem Jahre 1974. Im Zuge des großen Wettskandals 1980 flog auch Lazio (und der A. C. Milan) auf und der Verein musste zwangsabsteigen. Bei späteren Wettskandalen wurden die Römer auch immer verdächtigt. Mit dem Gewinn des italienischen Pokals im Jahre 1998 begann eine sehr erfolgreiche Zeit. Im Jahre 2000 wurde Lazio erneut Pokalsieger und zudem Landesmeister. Wie bereits erwähnt, gewann ein Jahr zuvor die Mannschaft den letztmalig ausgetragenen Europapokal der Pokalsieger. 

   
Stadion:

Der A. C. Siena verfügt mit seiner nur 13.428 Zuschauer fassenden Spielstätte Stadio Communale Artemio Franchi über das kleinste der Serie A. Es liegt unterhalb der zauberhaften Innenstadt und ist zu Fuß von jedem noch so weit entfernten Parkplatz locker zu erreichen. Das Stadion hat eine kleine, aber feine Haupttribüne zu bieten. Die Laufbahnen sind an drei Seiten mit insgesamt zehn Stahlrohrtribünen unterschiedlichster Breite und Größe überbaut worden. Damit wurde das maximale an Zuschauerkapazität aus dieser Spielstätte herausgeholt.

Benannt ist die Heimstätte des A. C. Siena nach Artemio Franchi, der für den Verein spielte und danach zum Verbandspräsidenten aufstieg.

 

 

 

 

Tageskilometer:     1.470 km mit dem KFZ Berlin - Peccioli (PI) - Siena - Peccioli (PI)

Saisonkilometer: 28.048 km (16.829 km PKW, 3.657 km Bahn, 7.562 km Flugzeug)

 
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