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                  2. Bundesliga, Saison 04/05, 28.11.04                                  

 

   4:2  

 

FC Rot-Weiß Erfurt Karlsruher SC

 

Erfurt, Steigerwaldstadion (7.608 Zuschauer)

 

 

Vor rund 95 Jahren traten die heutigen Kontrahenten, besser gesagt deren Vorgängervereine SC Erfurt und der Karlsruher FC Phönix, im Halbfinale zur Deutschen Meisterschaft gegeneinander an. Damals siegten die Badner mit 9:1 und wurden auch Deutscher Meister. Ein Grund mehr sich die Neuauflage dieses Klassikers anzuschauen (Hahaha, der wahre Grund war natürlich die persönliche Zielsetzung für die Saison 2004/2005).

Als Fahrer stellte sich diesmal ein anonymer Lokomotivführer der Deutschen Bahn zur Verfügung, der den ICE zielsicher und pünktlich nach Erfurt brachte.

 

 

Die Protagonisten boten den Zuschauern ein recht munteres und unterhaltsames Spiel. Der Minutenzeiger der Stadionuhr hatte erst eine Runde gedreht, da flankte ein Erfurter in den Strafraum und Neitzel köpfte den Ball ins Tor. Der Ausgleich rund zehn Minuten später war kurios. Der Erfurter Torwart wollte den Ball wegschlagen, traf dabei Freis und plötzlich jubelte der Gästeblock. Danach vergingen nur fünf Spielminuten bis zum nächsten Treffer. Diesen erzielte Richter mit einem satten Schuss aus ca. 15 Metern. Dann wieder nur fünf Minuten später das 3:1 durch Neitzel, der ins untere linke Eck traf. Jetzt schalteten beide Teams einen Gang runter, was zur Folge hatte, dass erst in der 33. Spielminute der Anschlusstreffer fiel; Torschütze Männer mit einem schönen Distanzschuss. Der Ausgleich wäre vor der Pause fast auch noch gefallen, aber Freis traf nur das Außennetz.

Den zweiten Durchgang eröffneten die Karlsruher, die die Erfurter in der eigenen Hälfte einschnürten, aber nicht zu klaren Möglichkeiten kamen. Das 4:2 (64., Klingmann) durch einen herrlich direkt verwandelten Freistoß entschied das Spiel zu Gunsten der Thüringer.

Fazit: Sehr gutes Zweitligaspiel mit furiosem Beginn.

Tore: (2.) 1:0 Neitzel, 1:1 (12.) Freis, 2:1 (17.) Richter, 3:1 (23.) Neitzel, 3:2 (33.) Männer, 4:2 (64.) Klingmann.

Vor dem Spiel wurden die Erfurter mit allerlei Liedgut (u. a. mit „You’ll never walk alone“ – was nach meiner bescheidenen Ansicht nichts in deutschen Stadien zu suchen hat) eingepeitscht. Nach dem Anpfiff folgte ein Wechselgesang der Kurve mit der Haupttribüne, deren Höhepunkt in „Karlsruhe (Kurve) – Arschlöcher (Haupttribüne)“ gipfelte. Der Rest war Einheitsbrei. Im kleinen Gästeblock war da schon mehr los. Dann wurde genebelt, ein Wechselgesang im Block initiiert und anschließend eine kleine Rauferei dargestellt.

 

 

50 Jahre existierte der SC Erfurt, Vorgänger von Rot-Weiß, bis er 1946 zwangsaufgelöst wurde. Gegründet wurde er 1895 als Criket Club Erfurt und ein Jahr danach umbenannt in SC Erfurt. Das Jahr 1909 war das erfolgreichste in der frühen Vereinsgeschichte: Mitteldeutscher Meister und erst im Halbfinale der Endrunde zur Deutschen Meisterschaft ausgeschieden (1:9 gegen FC Phönix Karlsruhe, der in dem Jahr auch den Titel gewann). Danach machten die Erfurter, und da auch eher die Vereine SpV 1902 und VfB, nur noch auf regionaler Ebene von sich reden. Nach der Zwangsauflösung wurden in der Thüringischen Landeshauptstadt gleich fünf Vereine neugegründet: Erfurt-Nord, Erfurt-Süd, Erfurt-Mitte, Erfurt-Ost und eben Erfurt-West, der hauptsächlich mit Spielern des „verbotenen“ SC und VfB antrat und somit der SC als direkter Vorgänger zum heutigen Rot-Weiß Erfurt gilt. Doch wie in der DDR üblich war es noch ein langer Weg von Erfurt-West (1946) bis zum Rot-Weiß (1966): 1948 Umbenennung in SG Fortuna Erfurt (Endrundenteilnahme in der Saison 1948/49); 1949 Umbenennung in BSG KWU (steht in dem Fall nicht für Kraftwerksunion sondern für Kommunales Wirtschaftsunternehmen) Erfurt; ab 1951 Umbenennung  BSG Turbine Erfurt (Meistertitel 1953/54), ab 1954 Umbenennung in SC Turbine Erfurt (unter dem Vereinsnamen gelang die Titelverteidigung: Hier nicht durcheinander gekommen! Richtig, den ersten holte BSG KWU Erfurt) und dann endlich am 26. Januar 1966 war es soweit: Die Fußballabteilung wurde aus dem Sportverein ausgegliedert und zusammen mit BSG Optima Erfurt wurde der FC Rot-Weiß Erfurt ins Leben gerufen. Bis auf drei Ausnahmen (nach drei Abstiegen erfolgten sofort die Wiederaufstiege) war der Verein immer in der DDR-Oberliga vertreten. Aber besser als Fünfter wurden sie nur in der letzten Saison (Dritter, 90/91). Dies bescherte den Rot-Weißen überraschenderweise die Qualifikation zur zweiten Bundesliga und obendrein einen Startplatz im UEFA-Cup. In der ersten Runde wurde der FC Groningen bezwungen, aber gegen Ajax Amsterdam war man chancenlos. Auch das erste Jahr Liga zwei war nicht erfolgreich: Abstieg! Und so dümpelten die Erfurter über zehn Jahre lang in der Drittklassigkeit rum, bis im Mai 2004 der Aufstieg in zweite Bundesliga gelang. 

Der Karlsruher SC wurde am 1. November 1894 als Karlsruher FC Phönix gegründet und im Jahre 1909 in Breslau Deutscher Meister (gegen Viktoria 89 Berlin). Nach der Fusion mit FC Alemannia 1897 Karlsruhe hieß der Verein Karlsruher FC Phönix-Alemannia. Nur noch 1910 konnten sich die Karlsruher für die Endrunde zur Deutschen Meisterschaft qualifizieren, und ausgerechnet in dem Jahr gewann der Ortsrivale Karlsruher FV seine einzige deutsche Meisterschaft. Nach dem Zweiten Weltkrieg war aber wieder der KSC noch der KFV der erfolgreichste Verein am Platz. Das war der VfB Mühlberg (1905 gegründet, und seit 1947 in der Oberliga, der damals höchsten deutschen Spielklasse, vertreten). So kam es am 16.10.1952 zur Fusion eben dieses VfB Mühlberg mit dem Karlsruher SC FC Phönix-Alemannia zum Karlsruher SC. Mit dieser Fusion begann die erfolgreichste Zeit des neuen Vereins: 1955 Pokalsieger (3:2 gegen Schalke), 1956 Pokalsieger (3:1 gegen den HSV) und Vizemeister und 1963 Gründungsmitglied der Bundesliga (bis zum ersten Abstieg 1968). Danach das Prädikat: Fahrstuhlmannschaft. Eine glanzvolle Ära erlebt der KSC noch mal Mitte der 90er Jahre, als er sich mehrfach für den UEFA-Cup qualifizieren konnte.

 

Als man im Jahre 1924 mit dem Bau des Erfurter Stadion begann, war es nicht als Heimstätte für einen Fußballverein vorgesehen. Eine Rasenbahn für den Reitsport und eine 500 Meter (!) Laufbahn deuteten auf ein klassisches Mehrzweckstadions hin. Eröffnet wurde es 1931 und trug ab 1935 den Namen „Mitteldeutsche Kampfbahn“. Ein Jahr danach kam eine Holztribüne für 1.270 Zuschauer dazu, die erst 1994 komplett abgerissen wurde. Das Fassungsvermögen lag Mitte der 30er Jahre bei ca. 35.000 Zuschauern. Ab ca. 1945 verschwand der Name „Mitteldeutsche Kampfbahn“ und wurde durch „Erfurter Stadion“ ersetzt. Nach dem Krieg nutzen die russischen Besatzungsmächte die Spielstätte für diverse Zwecke. So auch u. a. für den Kartoffelanbau. Wirft man heute einen Blick hinter die Gebäude (ungefähr bei Block 5 und 6) kann man deutlich kleine Kartoffeln erkennen. Aber zurück zum Stadion: Mit den Erfolgen von Fortuna Erfurt kehrte auch der Fußball ins mittlerweile nach dem bulgarischen Kommunisten benannten „Georgij-Dimitroff-Stadion“ zurück (Georgij Dimitroff war nicht nur bulgarischer Stalinist, sondern erlangte in Deutschland 1934 Berühmtheit, weil er beim Reichstagsbrandprozess als Drahtzieher angeklagt und später frei gesprochen wurde). Am 1. April 1951 kamen zum Punktspiel von Turbine Erfurt gegen Chemie Leipzig 47.390 Zuschauer, welches bis heute Zuschauerrekord für dieses Stadion ist.

In den 60er Jahren verkürzte man die Laufbahn auf 400 Meter und installierte eine Flutlichtanlage. Weitere kleinere Umbauarbeiten erfolgten in den 70er und 80er Jahren (u. a. die Anzeigetafel, Betonstufen, Wellenbrecher). 1991 wurde die Erfurter Bevölkerung nach einem neuen Namen für das Stadion befragt und seitdem heißt es Steigerwaldstadion. Wie bereits erwähnt, musste 1994 die alte Holztribüne abgerissen werden und an deren Stelle steht heute der futuristische Neubau, der aus Fertigbaubetonteilen errichtet wurde. Richtig nett anzusehen ist dabei die Zeltüberdachung und die Holzbinder. Das Schmuckstück bietet 4.000 Besuchern Platz. Auf der Gegenseite können die Zuschauer auch sitzen, allerdings unüberdacht aber dafür mit dem schönen Marathontor in ihrer Mitte. Der Rest muss bzw. darf stehen.

Vor ein paar Jahren gab es noch mal Theater wegen eines abgeknickten Flutlichtmastes mit der Folge, dass bis 2003 keine Abendspiele mehr im Steigerwaldstadion stattfanden.

Zu erreichen ist die Heimstätte des FC Rot-Weiß Erfurt recht einfach: Entweder mit der Straßenbahn (Linie 4) oder per pedes, was ca. 15 Minuten dauert. Auch der Eintrittspreis von 6 Euro (Vollzahler) für einen Stehplatz ist besonders lobenswert.

 

 

 

 

Tageskilometer:       560 km mit der Bahn Berlin - Erfurt - Berlin

Saisonkilometer: 17.182 km (10.921 km PKW, 2.641 km Bahn, 3.620 km Flugzeug)

 

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