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Erfurt, Steigerwaldstadion (7.608 Zuschauer) |
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Vor rund 95 Jahren traten die heutigen Kontrahenten, besser gesagt deren Vorgängervereine SC Erfurt und der Karlsruher FC Phönix, im Halbfinale zur Deutschen Meisterschaft gegeneinander an. Damals siegten die Badner mit 9:1 und wurden auch Deutscher Meister. Ein Grund mehr sich die Neuauflage dieses Klassikers anzuschauen (Hahaha, der wahre Grund war natürlich die persönliche Zielsetzung für die Saison 2004/2005). Als Fahrer stellte sich diesmal ein anonymer Lokomotivführer der Deutschen Bahn zur Verfügung, der den ICE zielsicher und pünktlich nach Erfurt brachte. |
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Die Protagonisten boten den Zuschauern
ein recht munteres und unterhaltsames Spiel. Der Minutenzeiger der
Stadionuhr hatte erst eine Runde gedreht, da flankte ein Erfurter in den
Strafraum und Neitzel köpfte den Ball ins Tor. Der Ausgleich rund zehn
Minuten später war kurios. Der Erfurter Torwart wollte den Ball
wegschlagen, traf dabei Freis und plötzlich jubelte der Gästeblock. Danach
vergingen nur fünf Spielminuten bis zum nächsten Treffer. Diesen erzielte
Richter mit einem satten Schuss aus ca. 15 Metern. Dann wieder nur fünf
Minuten später das 3:1 durch Neitzel, der ins untere linke Eck traf. Jetzt
schalteten beide Teams einen Gang runter, was zur Folge hatte, dass erst
in der 33. Spielminute der Anschlusstreffer fiel; Torschütze Männer mit
einem schönen Distanzschuss. Der Ausgleich wäre vor der Pause fast auch
noch gefallen, aber Freis traf nur das Außennetz. Den zweiten Durchgang eröffneten die Karlsruher, die die Erfurter in der eigenen Hälfte einschnürten, aber nicht zu klaren Möglichkeiten kamen. Das 4:2 (64., Klingmann) durch einen herrlich direkt verwandelten Freistoß entschied das Spiel zu Gunsten der Thüringer. Fazit: Sehr gutes Zweitligaspiel mit furiosem Beginn. Tore: (2.) 1:0 Neitzel, 1:1 (12.) Freis, 2:1 (17.) Richter, 3:1 (23.) Neitzel, 3:2 (33.) Männer, 4:2 (64.) Klingmann. Vor dem Spiel wurden die Erfurter mit allerlei Liedgut (u. a. mit „You’ll never walk alone“ – was nach meiner bescheidenen Ansicht nichts in deutschen Stadien zu suchen hat) eingepeitscht. Nach dem Anpfiff folgte ein Wechselgesang der Kurve mit der Haupttribüne, deren Höhepunkt in „Karlsruhe (Kurve) – Arschlöcher (Haupttribüne)“ gipfelte. Der Rest war Einheitsbrei. Im kleinen Gästeblock war da schon mehr los. Dann wurde genebelt, ein Wechselgesang im Block initiiert und anschließend eine kleine Rauferei dargestellt. |
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Als man im Jahre 1924 mit dem Bau des Erfurter Stadion begann, war es nicht als Heimstätte für einen Fußballverein vorgesehen. Eine Rasenbahn für den Reitsport und eine 500 Meter (!) Laufbahn deuteten auf ein klassisches Mehrzweckstadions hin. Eröffnet wurde es 1931 und trug ab 1935 den Namen „Mitteldeutsche Kampfbahn“. Ein Jahr danach kam eine Holztribüne für 1.270 Zuschauer dazu, die erst 1994 komplett abgerissen wurde. Das Fassungsvermögen lag Mitte der 30er Jahre bei ca. 35.000 Zuschauern. Ab ca. 1945 verschwand der Name „Mitteldeutsche Kampfbahn“ und wurde durch „Erfurter Stadion“ ersetzt. Nach dem Krieg nutzen die russischen Besatzungsmächte die Spielstätte für diverse Zwecke. So auch u. a. für den Kartoffelanbau. Wirft man heute einen Blick hinter die Gebäude (ungefähr bei Block 5 und 6) kann man deutlich kleine Kartoffeln erkennen. Aber zurück zum Stadion: Mit den Erfolgen von Fortuna Erfurt kehrte auch der Fußball ins mittlerweile nach dem bulgarischen Kommunisten benannten „Georgij-Dimitroff-Stadion“ zurück (Georgij Dimitroff war nicht nur bulgarischer Stalinist, sondern erlangte in Deutschland 1934 Berühmtheit, weil er beim Reichstagsbrandprozess als Drahtzieher angeklagt und später frei gesprochen wurde). Am 1. April 1951 kamen zum Punktspiel von Turbine Erfurt gegen Chemie Leipzig 47.390 Zuschauer, welches bis heute Zuschauerrekord für dieses Stadion ist. In den 60er Jahren verkürzte man die Laufbahn auf 400 Meter und installierte eine Flutlichtanlage. Weitere kleinere Umbauarbeiten erfolgten in den 70er und 80er Jahren (u. a. die Anzeigetafel, Betonstufen, Wellenbrecher). 1991 wurde die Erfurter Bevölkerung nach einem neuen Namen für das Stadion befragt und seitdem heißt es Steigerwaldstadion. Wie bereits erwähnt, musste 1994 die alte Holztribüne abgerissen werden und an deren Stelle steht heute der futuristische Neubau, der aus Fertigbaubetonteilen errichtet wurde. Richtig nett anzusehen ist dabei die Zeltüberdachung und die Holzbinder. Das Schmuckstück bietet 4.000 Besuchern Platz. Auf der Gegenseite können die Zuschauer auch sitzen, allerdings unüberdacht aber dafür mit dem schönen Marathontor in ihrer Mitte. Der Rest muss bzw. darf stehen. Vor ein paar Jahren gab es noch mal Theater wegen eines abgeknickten Flutlichtmastes mit der Folge, dass bis 2003 keine Abendspiele mehr im Steigerwaldstadion stattfanden. Zu erreichen ist die Heimstätte des FC Rot-Weiß Erfurt recht einfach: Entweder mit der Straßenbahn (Linie 4) oder per pedes, was ca. 15 Minuten dauert. Auch der Eintrittspreis von 6 Euro (Vollzahler) für einen Stehplatz ist besonders lobenswert. |
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Tageskilometer: 560 km mit der Bahn Berlin - Erfurt - Berlin Saisonkilometer: 17.182 km (10.921 km PKW, 2.641 km Bahn, 3.620 km Flugzeug) |
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