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                  Landespokal Sachsen, Saison 03/04, 14.12.03                

    1:2   

VfB Leipzig - FC Sachsen Leipzig

Leipzig, Bruno-Plache-Stadion (4.772 Zuschauer)

Der Gästeblock unmittelbar nach dem 0:1 Der Elfmeter zum Ausgleich

Spiel:

Für den VfB (Lok) Leipzig ist das heutige Spiel der Abschied von der großen Fußballbühne, denn der Verein wird in den nächsten Tagen den Gang zum Konkursrichter antreten müssen.

Anpfiff, kurz umgedreht und hallo gesagt und schon das 0:1 verpasst. Schade, schade schade....aber nicht zu ändern. Laut Stadionsprecher schoss Kujat diesen schnellen Treffer. In der Folgezeit zeigte sich der VfB nicht sonderlich geschockt und versuchte das Spiel in den Griff zu kriegen, was ihm auch zum Ende der ersten Halbzeit ganz gut gelang. Torchancen gab es bis zur 44. Min. auf beiden Seiten. Als eine Hereingabe von rechts eine Leipziger Hand traf, entschied der Schiedsrichter folgerichtig auf Strafstoß, den Schwesinger verwandelte. So ging es dann auch in die Kabine.

Nach der doch mäßigen ersten Halbzeit, war der zweite Durchgang wesentlich unterhaltsamer. Beide Teams schenkten sich nichts und es wurde um jeden Meter durchweiten Boden gekämpft. Von einem Klassenunterschied war nichts zu sehen. Typisch für ein Derby waren die vielen, teilweise doch sehr groben Fouls. Nach gut einer Stunde präsentierte sich der VfB Leipzig überlegen und setzten die Chemiker unter Druck. Doch die überstanden diese Drangphase und erzielten in der 76. Min. (Kujat per Kopf) den Siegtreffer. Drei Minuten später durfte dann Renn vorzeitig unter Dusche, da er nach einem groben Foulspiel die rote Karte sah. Kurze Zeit später fiel dann trotz der Unterzahl fast der Ausgleich, doch der Ball landete am Pfosten. Die letzten paar Minuten gab es nichts mehr zu sehen, da der Lok-Mob vor der Haupttribüne ordentlich Nebel zündete.

 

 

Vereine:


 

 

Am 26.05.1896 wurde aus dem ATV 1845 Leipzig die Fußballabteilung herausgelöst die ab dem 01.06.1899 unter dem Namen VfB Sportbrüder Leipzig (nach der Fusion mit dem SC Sportbrüder Leipzig) spielte. Ein Jahr später strich man die „Sportbrüder“ aus dem Vereinsnamen. Bis zur Auflösung im Jahre 1945 qualifizierte sich der VfB Leipzig 12 mal für die Endrunde der deutschen Meisterschaft und wurde im Jahre 1903 (7:2 gegen DFC Prag in Hamburg) erster deutscher Fußballmeister. Zwei weitere Titel kamen in den Jahren 1906 (2:1 gegen den 1. FC Pforzheim) und 1913 (3:1 gegen den Duisburger SpV in München) dazu. Nach dem zweiten Weltkrieg Neugründung als SG Probstheida, 1949 Umbenennung in BSG Erich-Zeigner-Leipzig-Probstheida, 1950 in BSG Einheit-Ost Leipzig und schließlich 1954 in SC Rotation Leipzig. Im Jahre 1963 wurde sowohl SC Rotation Leipzig als auch SC Lokomotive Leipzig (an dieser Stelle wird es höchst kompliziert, wenn man sich die Historie vom FC Sachsen Leipzig anschaut, denn sowohl der FC Sachsen als auch die SC Lokomotive (Pokalsieger 1957) sind faktisch eins) aufgelöst und beide Vereine gehen im neugegründeten „Kunstverein“ SC Leipzig auf. Den Oberligaplatz erhält im übrigen die BSG Chemie Leipzig „zurück“ (siehe auch unter FC Sachsen Leipzig). 1966 wird aufgrund fehlender Akzeptanz beim Leipziger Publikum die Fußballabteilung ausgegliedert und spielt ab dem 20.01.1966 als 1. FC Lokomotive Leipzig. In der Zeit bis zur Umbenennung 1991 (VfB Leipzig) wurde man viermal DDR-Pokalsieger und spielte etliche Jahre international. In der Saison 93/34 schaffte es man den Sprung in die Bundesliga, wo der Verein sich allerdings nur ein Jahr halten konnte. Danach noch vier Jahre zweite Bundesliga, zwei Jahre Regionalliga und seit 2001 viertklassig. Gerade in den letzten Jahren schlingerte der VfB Leipzig von einer Finanzkrise in die nächste. Zur Zeit schwebt wieder ein Insolvenzverfahren über dem Verein.

1945 wurde als Nachfolgeverein vom SV TuRa Leipzig (1899 als Britannia Leipzig gegründet) gegründet. 1949 erfolgte die Fusion mit SC Lindenau-Aue, der SG Leipzig-Mitte, der SG Böhlitz-Ehrenberg und der SG Lindenau-Hafen zur ZSG Industrie Leipzig. Da der Trägerbetrieb Farben und Lacke herstellte, nannte man den Verein 1950 in BSG Sachen Leipzig um. 1954 wurde der Verein ganz aufgelöst bzw. in die Bezirksliga verbannt, wo man unter dem Namen Chemie Leipzig-West spielen musste. 1963 kam der Verein seinen Oberligaplatz „zurück“ und gewann im Folgejahr die Meisterschaft (die zweite nach 1951). Nach der Wende hieß der Club kurzzeitig „FC Sachsen Leipzig 1990 e. V.“. Noch im gleichen Jahr fusionierte man mit Chemie Böhlen (der Konkurs ging) heißt fortan FC Sachsen Leipzig. Die Qualifikation für eine der beiden Bundesligen wurde verpasst und so spielte der FC Sachsen fast ausnahmslos in der Regionalliga.

 

 

Stimmung:

Die Zahl von fast 5.000 Zuschauer (davon ca. 1.500 Gäste) war ein bisschen enttäuschend, doch angesichts des Sauwetters verständlich. Kurz vor dem Anpfiff wurde erstmal schwarzer Nebel auf der Gegengerade gezündet und pünktlich zum Anpfiff präsentierte der Lok-Anhang hinter dem Tor eine schöne Bengalo-Show. Die Fangesänge beider Teams beschränkten sich fast ausschließlich auf Hassgesänge. Support für die eigene Mannschaft war auf beiden Seiten eher sekundär. In der zweiten Halbzeit, als das Spiel auch lebhafter wurde, stiegen auch auf den Rängen die Emotionen. Bei strittigen Schiedsrichterentscheidungen wurde kräftig an den Zäunen gerüttelt und die ein oder andere Rakete in die Luft geschossen. In der 79. Min. (Rote Karte) flogen dann auch noch ein paar Bengalos auf den Platz. Zu guter Letzt wurde kurz vor Spielende die Haupttribüne in Nebel gesetzt. Alles in allem eine ganz ordentliche Show.

 
   
Stadion:






 

Das ehemalige Probstheidaer Stadion liegt nahe dem Völkerschlachtdenkmal und wurde 1922 errichtet. Ein richtiger Augenschmaus ist die 1932 errichtete Holztribüne, auf der das Rauchen verboten ist. Überdacht ist diese mit einem Wellblechdach und die Bestuhlung besteht aus schönen blauen Schalensitzen. Ein Teil des Stadions ist aufgrund des maroden Zustandes gesperrt. 1922 fand hier im übrigen das nie entschiedene Spiel um die deutsche Meisterschaft zwischen dem 1. FC Nürnberg und dem Hamburger SV statt. Als 1966 der 1. FC Lokomotive Leipzig "gegründet" wurde, gilt sie dem Verein als ständige Heimspielstätte (nur zu großen Spielen wich Lok ins Zentralstadion aus). Vorher spielte auch der Chemie Leipzig in den 50er Jahren hier. Als der VfB Leipzig in den bezahlten Fußball aufstieg, entsprach das Bruno-Plache-Stadion nicht den Sicherheitsstandards und so zog man dann komplett in das große Zentralstadion. 1996 war das Kapitel auch wieder beendet es erfolgte der (Rück-) Umzug. Ein Jahr später wurden die Flutlichtmasten installiert.

Das Bruno-Plache-Stadion ist aufgrund seiner Holztribüne und seines teilweise maroden Zustandes sehenswert.

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